Das Positive zuerst: das Buch zu lesen ist ein Genuss. Eine humorvolle, unterhaltsame Präsentation der Fakten, wie man sie bei deutschen Autoren meist vermisst (etwa in Kleins Glücksformal"). Es geht im Grunde darum, dass wir unfähig sind, unser Glück oder Unglück richtig einzuschätzen, wenn es uns nicht gerade hier und jetzt passiert. Die Vergangenheit und noch mehr die Zukunft sind durch unseren Blick fast immer verfälscht, wie der Autor anhand von vielen psychologischen Experimenten nachweist. Wer die entsprechenden Untersuchungsergebnisse noch nicht aus "Psychologie heute" kennt, sollte dieses Buch lesen; er oder sie wird es nicht bereuen.
Peinlich wird das Buch allerdings , wenn der Autor gegen Ende daran geht , "Lösungen" für unser Dilemma zu skizzieren. Kurz gesagt: wir halten uns für einmalig, sind es aber laut Herr Gilbert nicht. Darum sollten wir auf der Suche nach unserem Glück nicht unserer fehlerbehafteten Imagination folgenden, sondern den Erfahrungen anderer Menschen ! DAs mag vielleicht bei banalen Alltags-Problemen wie einem Restaurant-Besuch oder dem möglichen Urlaubsort nützlich sein, aber besteht unser Glück nicht eher aus Fragen wie (der Autor führt dies selbst so an !) Wen soll ich heiraten ? Welchen Beruf soll ich ergreifen ? Soll ich umziehen ? etc ... Auf wessen Erfahrungen soll ich da zurückgreifen? Den Ex meiner Zukünftigen fragen ?? Hier zeigt sich die Schwäche des Buches: seine intellektuelle Dürftigkeit. Der Autor redet immerfort vom GLÜCK, behandelt aber fast immer nur Augenblicksgenüsse wie Pizza-Essen, Eiscreme oder den Sieg meines Lieblings-Clubs, und vergisst dabei, dass GLÜCK für Menschen immer auch mit SINN zusammenhängen muss, soll es über das Wow-Gefühl des Hier und Jetzt hinausgehen.
So bleibt als Fazit für den Leser: Wir stolpern halbblind durchs Leben. Was wir für Glück halten, entpuppt sich als Fata Morgana, vermeindliches Unglück ist im Nachhinein fast immer halb so schlimm. Einen Hinweis, wie wir diesen frustrierenden Zustand verbessern könnten, vermag Mister Gilbert nicht zu geben. Er hätte das einfach so sagen sollen. Aber das wäre dann wohl zuviel alt-europäischer" Pessimismus für einen Amerikaner gewesen.