Dieses Buch, von dem es auch eine "auf den neuesten Stand" gebrachte Version gibt, dürfte uninformierte Leser durchaus beeindruckt haben. Leider!
Nickell ist hier nach dem klassischen Rezept des "evidence picking" vorgegangen, was natürlich nur denjenigen auf den ersten Blick auffallen kann, die mit der Materie bereits vertraut sind.
Einem WIRKLICH skeptischen Leser sollte allerdings beim genaueren Hinsehen die Einseitigkeit von Mr. Nickell, alias James Randi, trotzdem nicht entgangen sein.
So zum Beispiel, wenn behauptet wird, die grobschlächtige Darstellung des Turiner Grabtuchs auf einem Pilgermedaillon des 14. Jh. "beweise", dass das Bild auf dem Tuch damals viel deutlicher sichtbar gewesen sein müsse als heute. Schon ein kurzer Blick auf jenes Objekt macht die zu erwartende Unsinnigkeit jener Behauptung ein für allemal klar. Hat Nickell vielleicht darum darauf verzichtet, eine Abbildung jener Pilgermünze vorzulegen?
Die ganze historische "Beweisführung" von Nickell beruht darauf, dass er sich auf ein einziges Dokument verlässt, welches er als glaubwürdig bezeichnet, obwohl dessen Aussagen durch andere Quellen aus jener Zeit nicht nur nicht erhärtet, sondern sogar in Frage gestellt werden: das sogenannte Memorandum von Bischof Pierre d'Arcis von Troyes aus dem Jahre 1389, in dem es heisst, das Grabtuch sei im Vorfeld seines Auftauchens in Frankreich gefälscht worden. Wir dürfen davon ausgehen, dass die scheinbare Naivität, die der professionelle Skeptiker Nickell hier an den Tag legt, nur gespielt ist. Dass wirklich Unschöne an der Sache ist, dass die von Nickell selber benutzten Quellen (die Bücher von Ian Wilson (1978) und Thomas Humber (1974)) klipp und klar machen, dass der "Skandal von Lirey" sich weder so abgespielt haben kann wie von d'Arcis behauptet, noch zu dem Zeitpunkt, der aus jenem Dokument hervorgeht, sondern deutlich später, was dessen Unzuverlässigkeit dringend nahelegt.
Nickell hat die relevanten Informationen dazu (die seither noch durch weitere ergänzt worden sind) einfach unterschlagen und sich damit der plumpen Geschichtsklitterung schuldig gemacht.
Nach den gleichen Richtlinien ist auch der Rest des Buches erstellt worden. So will Nickell partout an den Thesen des Grabtuchexperten Walter McCrone zur angeblichen Bemalung des Tuchs festhalten, obwohl diese nach objektiven Kriterien als widerlegt zu gelten haben, und obwohl McCrone inzwischen auch im Falle der sog. Vinlandkarte etliche Unzulänglichkeiten haben nachgewiesen werden können. Die Argumente, die Nickell und sein Hauptmitarbeiter an diesem Buch, John F. Fischer (immer noch allzu oft als ein angeblich unabhängiger Experte zitiert), gegen die von der Grabtuchforschergruppe STURP beauftragten Gegenexperten John Heller und Adler zu Felde führen, sind von derselben Einseitigkeit. Einerseits werden etliche mehr als zweifelhafte Aussagen gemacht, andrerseits bleiben wichtige Punkte unbesprochen, - wohl weil man keinerlei Antwort darauf hatte. Wenn Nickell und Fischer wirklich überzeugt davon gewesen sind, Heller/Adler gründlich widerlegt zu haben, warum hat der FORENSIKER John Fischer diese Widerlegung nicht auch der Canadian Forensic Society unterbreitet, bei der dîe zwei STURP-Experten ihre Hauptexpertise veröffentlicht haben??
Unnötig zu erwähnen, dass die von Nickell präsentierten Abbildungen seiner Imitationen des Grabtuchs alles andere als überzeugend wirken. Sie sind, wie andere solche, u.a. von Grabtuch-Skeptikern in Frankreich produzierte Objekte, meilenweit vom Original entfernt. Ihre "Dreidimensionalität" ist die einer Relief-Inschrift, und in ihrer Schablonenhaftigkeit gleichen diese Tücher viel mehr jenen bekannten, zumeist sehr schlechten Kopien des Grabtuchs aus späterer Zeit, die in den Medien gerne immer noch als "konkurrierende Grabtücher aus dem Mittelalter" hingestellt werden, etwas, was Nickell anscheinend wenigstens hier nicht getan hat (jedoch an anderer Stelle). Jene sich zumeist auf den Antlitzbereich beschränkenden Imitationen des Turiner Grabtuchs beweisen also gar nichts.
Warum legen uns Nickel und Co. nicht einmal mehr detaillierte Aufnahmen von diesen angeblichen Beweisen für die Entstehung des Grabtuch-Bildes in einem Künstleratelier vor, oder sogar Mikro-Photographien, wie dies STURP im Falle ihrer Untersuchung von 1978 getan hat?
Solche Unterlassungen von Seiten von Personen, die andauernd die Gegenseite des pseudowissenschaftlichen Bluffs bezichtigen, wirken nicht gerade überzeugend!