Innuendo - das letzte Album mit dem lebendigen Freddie, um es salopp auszudrücken. Innuendo beeindruckt, bewegt, und bedrückt einen zugleich. Von allen Queen-Alben, von denen so gut wie alle kleine Meisterwerke waren (man denke nur an das höchst unterhaltsame "Jazz" oder das berühmte "A Night at the Opera") ist das letzte Album m.E. auch das Beste.
Die Songs sind allesamt von höchster Qualität, von den Songstrukturen über die Melodien und Akkordfolgen, bis hin zu den Texten...unglaublich. Schon der Opener zeigt wo's lang geht: Schwermütige Keyboardwände und Freddies Gesang, bei dem man Gänsehaut bekommt. Mit über 6 Minuten ein richtiges Epos. Besser hätte das Album nicht anfangen können. "Headlong" ist ein beinharter Queen-Rocker, mit Freddie in Höchstleistung, trotz seiner damals voranschreitenden Krankheit und schwachen körperlichen Verfassung. "Don't Try So Hard" und "These Are the Days of our Lives" sind wunderschöne, tieftraurige Balladen. Den Song "Delilah" hat Freddie seinen Katzen (!) gewidmet...genial: Selbst den Humor behielt er noch und so hört man dort Gitarren, die klingen wie Katzen-Miauen. "The Hitman" ist wieder ein lauter Rocker mit Knaller-Gitarrenriffs. Enden tut Innuendo schließlich mit einem ebenso meisterhaften Epos wie der Opener: "The Show Must Go On", wegweisend und wie kein andere Song beschreibend, in welcher Stimmung sich die Band damals befand. Sozusagen Freddies Abschiedslied.
Innuendo hat einen roten Faden, der sich durch alle Songs zieht: Diese bedrückende Stimmung, teilweise überwältigend emotional und tieftraurig. Angesichts des nahenden Ablebens des Sängers und dessen Wunsch, so schnell wie möglich noch Songs einzusingen, verständlich. Und genau hier liegt der Punkt, den dieses Album und Queen generell so faszinierend machen: Queen schaffen es, mit einem solch schweren und furchtbaren Schicksal immernoch mehr als geniale Songs zu erschaffen. Freddie, Brian, John und Roger - alle wussten sie, dass es bald keine Band mehr und vor allem kein Freddie mehr geben würde. Trotzdem ließen sie ihre Kreativität übersprudeln und hörten nicht auf, Musik zu machen...das Ergebnis ist Innuendo.
Zum Remaster: Nach dem 1993er Remasters (welche schon wirklich gut waren) erscheinen hier die Songs nochmals verbessert. Ich war überrascht, dass dies uberhaupt möglich war und befürchtete bereits komprimierten Songbrei à la Loudness War. Weit gefehlt! Noch druckvoller, klarer und transparenter ist das Ergebnis, Remastering vollkommen gelungen.