Ich möchte auf zwei Eigenschaften des Buches näher eingehen - die Quantität und die Qualität.
In quantitativer Hinsicht scheint das Buch viel Information zu liefern, hat schließlich gut 600 Seiten. Aber in Wirklichkeit wird viel um den sog. heißen Brei herumgeredet. Man könnte die gleiche Information auf erheblich weniger Seiten formulieren. Dies ist ganz klar ein negativer Kritikpunkt, weil ich es nicht leiden kann, wenn Bücher nach ihrem Kubikcentimetervolumen beurteilt werden.
Das Hauptproblem dieses Buches, und vieler anderer wirtschafts"wissenschaftlichen" Bücher ist, dass sie eine mangelhafte wissenschaftliche Qualität haben. Mit wissenschaftlich meine ich, dass Begriffe exakt verwendet und definiert werden, damit der Leser genau weiß, worum es geht.
Dieses Buch ist mal wieder ein Paradebeispiel dafür, wie es nicht gehen darf. Interessant ist dabei immer wieder, dass man bei der Themenüberschrift (hier zB: Innovation, Strategie) versucht (!) eine wirkliche Definition zu liefern, aber am Ende entweder mehrere Definitionen, die sich auch gegenseitig widersprechen oder nur eine Scheindefinition anbietet. Einige Beispiele für solche Definitionen, die auch noch fehlerhaft sind: "[Innovation] beinhaltet sowohl technologische Verbesserungen als auch bessere Methoden oder Wege, Dinge zu tun...[Innovation] ist sowohl Ergebnis aus organisationsweiten Lernprozessen als auch aus formaler F&E." Hier wird beschrieben, was Innovation beinhaltet, aber nicht, was es ist. Ich kann ja auch nicht einen Behälter nach seinem Inhalt definieren, sondern muss, das Wesen des Behälters definieren - seine allgemeinen, invarianten Eigenschaften. Auch ist nicht klar, was "Verbesserung", "besser", "Wege" usw. sein sollen. Dies lässt Raum für Spekulation und auch Raum für eine falsche Begriffsverwendung zu. Genauso ist die angebotene Definition von Schumpeter nur eine Aneinanderreihung von Elementen der Innovation, aber nicht eine Definition vom System "Innovation". Wir wissen ja bereits seit Aristoteles, dass das "Ganze mehr als die Summe seiner Teile" ist.
Diese massive Unkenntnis darüber, was eine Definition ist, zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Buch. Nun fragt man sich natürlich, wie man 600 Seiten über etwas schreiben kann, dass man nicht mal definieren kann?
Ich möchte damit darauf hinweisen, dass der wissenschaftliche Wert dieses Buches nicht überschätzt werden sollte. Es ist einfach zu lesen, wenn man nicht beginnt die Begriffe im Text zu hinterfragen und wirklich darüber nachzudenken. Der Informationsgehalt wird vorallem durch die Techniken (zB Kano-Analyse, House of Quality usw), die im Buch beschrieben sind, aufgewertet. Der Rest der Seiten gerät schnell in Vergessenheit, weil eben wie oben beschrieben die "Substanz" fehlt.
Zu Gute halten muss man, dass man meine obige Kritik nicht nur speziell für dieses Buch, sondern für die große Mehrheit, wenn nicht für fast alle Bücher im Bereich der Gesellschaftswissenschaften gilt. Doch, wenn man wirklich bedeutende Erkenntnisfortschritte realisieren will, dann muss man nach dem Motto "Eine Wissenschaft steht und fällt mir Ihren Begriffen." handeln.