Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einer anspruchsvollen betriebswirtschaftlichen Problemstellung von hoher praktischer Relevanz: Ihre Autoren, Frau AKCA und Herr GRASS, widmen sich der Frage, wie sich die strategische Innovationsplanung von IT-Dienstleistungsunternehmen in der betrieblichen Praxis mit betriebswirtschaftlichen Portfolio-Konzepten nachhaltig verbessern lässt.
Da zahlreiche, vor allem kleine und mittelgroße IT-Dienstleistungsunternehmen strukturierte Planungsprozesse für die Entwicklung neuartiger IT-Dienstleistungen nicht kennen oder zumindest nicht einsetzen, untersuchen die Autoren zunächst, welche Portfolio-Konzepte aus dem Bereich des Innovationsmanagements für den einleitend genannten Einsatzbereich grundsätzlich geeignet sind. Portfolio-Konzepte des „konventionellen" Innovationsmanagements fokussieren sich in der Regel auf „technologie-zentrierte" Innovationsvorhaben. Dies wird jedoch der Praxis von IT-Dienstleistungsunternehmen oftmals nicht gerecht, da sich Innovationen im Dienstleistungsbereich zumeist nicht (ausschließlich) auf technologische, sondern z.B. (auch) auf konzeptionelle, organisatorische oder prozessuale Neuerungen erstrecken. Daher haben sich die Autoren der Herausforderung gestellt, sich mit der fehlenden oder zumindest unzulänglichen Berücksichtigung von nicht technologie-getriebenen Innovationsvorhaben in Portfolio-Konzepten auseinander zu setzen.
Das wissenschaftliche Fundament der hier vorgelegten Untersuchungen bilden drei ausgereifte und etablierte Portfolio-Konzepte: das marktorientierte McKiNSEY-Portfolio, das technologieorientierte Portfolio von PFEIFFER sowie das integrierte Darmstädter Portfolio von MICHEL. Mit dem Darmstädter Portfolio wird ein relativ komplexer Ansatz einbezogen, der in zahlreichen Lehrbüchern zum Innovationsmanagement bislang noch keine Berücksichtigung findet. Als besonders lesenswert erweist sich auch die kritische Analyse von Schwächen der vorgenannten Portfolio-Konzepte. Sie verdeutlicht, dass es den Autoren keineswegs darum geht, einzelne „Werkzeuge" aus der betriebswirtschaftlichen Planungs- und Managementlehre zu „verkaufen". Vielmehr zielen sie darauf ab, für das eingangs skizzierte Gestaltungsproblem von IT-Dienstleistungsunternehmen Lösungen zu erarbeiten, die sich in der betrieblichen Praxis als belastungsfähig erweisen.
Komplementär zur wissenschaftlichen Fundierung ihres Portfolio-Konzepts beleuchten die Autoren auch die Besonderheiten innovativer IT-Dienstleistungen aus der Perspektive der betrieblichen Praxis. Mit einem überzeugenden Gespür für wirtschaftlich interessante Trends der IT-Branche erläutern sie drei aktuelle Beispiele für innovative IT-Dienstleistungen. Es handelt sich um Anwendungen der RFID Technologie als techno-logie-getriebene Produktinnovation, um Offshoring von IT-Dienstleistungen als - je nach Blickwinkel - konzeptionelle oder organisatorische Innovation sowie um IT-Dienstleistungen im Gesundheitswesen als marktgetriebene Produktinnovation.
Auf dieser sowohl wissenschaftlichen als auch praxisorientierten Grundlage entwickeln die Autoren ein neuartiges, integriertes Portfolio-Konzept zur Unterstützung der Innovationsplanungen von IT-Dienstleistungsunternehmen. Es bleibt nicht auf rein technologisch fundierte Innovationsvorhaben beschränkt, sondern bezieht auch konzeptionelle, organisatorische oder prozessuale Neuerungen von IT-Dienstleistungen ein. Das integrierte Portfolio-Konzept lehnt sich an das Darmstädter Portfolio-Konzept an, umfasst aber auch marktorientierte Aspekte des McKiNSEY-Portfolios auf der Ebene der Geschäftsfeldplanung sowie Aspekte des Portfolios von PFEIFFER auf der Ebene der Technologieplanung. Es integriert Erkenntnisse aus der konventionellen Geschäftsfeld-, Innovations- um Technologieplanung auf neuartige Weise und überzeugt durch seinen klaren, übersichtlich strukturierten Aufbau. Dadurch gelingt es den Autoren, neben den oftmals diskutierten Market-Pull- und Technology-Push-Innovationen auch innovationsinduzierte Geschäftsfeld- und Technologieentwicklungen in ihren umfassenden Planungsansatz einzubeziehen. Damit sie das integrierte Portfolio-Konzept in der betrieblichen Praxis auch konkret anwenden lässt, entwickeln die Autoren zusätzlich einen strukturierten Katalog mit Kriterien für die systematische Bewertung von innovativen IT-Dienstleistungen. Da der Kriterienkatalog unmittelbar auf die Dimensionen der Komponenten des integrierten Portfolio-Konzepts zugeschnitten ist, erleichtert er die praktische Anwendung dieses Planungsinstruments für innovative IT-Dienstleistungen erheblich. Schließlich runden die Autoren ihre Überlegungen durch ein einfach strukturiertes, infolgedessen sehr anschauliches und leichtverständliches Anwendungsbeispiel ab.
Den vielschichtigen, sowohl wissenschaftlich fundierten als auch praxisorientierten, oftmals innovativen Ausführungen der Autoren ist eine möglichst breite Resonanz unter allen betriebswirtschaftlich interessierten Lesern zu wünschen. Aber auch „Zaungäste" aus der IT-Branche mit überwiegend infor-mations- oder ingenieurwissenschaftlichem Ausbildungshintergrund sollten sich eingeladen fühlen, aus dieser interdisziplinär angelegten Arbeit vertiefende Einblicke in das Innovationsmanagement von IT-Dienstleistungsunternehmen zu gewinnen.
Univ.-Prof. Dr. Stephan Zelewski