Die Spätantike wird von vielen Wissenschaftlern immer noch an den Blütezeiten der griechischen und römischen Kultur gemessen und entsprechend bewertert. Mit dieser Aufsatzsammlung soll die Vitalität und das Schöpferische der Spätatnike herausgearbeitet und der Blick sowohl für das Innovative wie auch für die Tradition in dieser Epoche geöffnet werden.Die Spätantike wird von zahlreichen Forschern mehr unbewußt als bewusst an den Blütezeiten der griechischen und römischen Kultur gewertet und gemessen. Anstelle dieses wertenden Geschichtsbildes, das "Aufstieg und Niedergang" als pauschale, alle Bereiche der Kultur erfassende, wellenförmige Bewegung nachzeichnet, soll der Leser eine kontextuelle Sehweise gewinnen, welche sich bemüht, das So-Sein der verschiedenen Phänomene einer Epoche in ihrem Lebenszusammenhang zu verstehen. Vor allem geht es darum, die Vitalität und das Schöpferische der Spätantike herauszuarbeiten. Von zentraler Bedeutung ist die Frage der Brechung der Norm und der Akzeptanz des Neuen. Gewisse Innovationen blieben vereinzelte Erscheinungen, ohne eine paradigmatische Geltung zu erlangen, andere stiegen auf zu weltweiter Anerkennung. Es sind diese Prozesse, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Man kann andererseits nicht über Innovation sprechen, ohne gleichzeitig die Tradition zu analysieren, aus welcher das Neue hervorgegangen ist. Das Kolloquium sollte nicht um jeden Preis bisher vermeintlich zu wenig erbrachte Beweise für die Innovationskraft der Spätantike anhäufen, sondern versuchen, die Begleitumstände einer Innovation auszuloten. Die Spätantike eignet sich als Feld für diese Fragestellung besonders gut, weil sie in gewissen Bereichen eine erzkonservative, in anderen Bereichen eine erstaunlich innovationsfreudige Verhaltensweise an den Tag legte. Dieses Innovationsbedürfnis ist erforschbar. Die Aufsatzsammlung soll dazu beitragen, dieser Fragestellung mehr Kontur zu verleihen.
Achim Arbeiter: Die Anfänge der Quaderarchitektur im westgotenzeitlichen Hispanien
Sible de Blaauw: Das Fastigium der Lateranbasilika: Schöpferische Innovation, Unikat oder Paradigma?
Beat Brenk: Innovation im Residenzbau der Spätantike
Gudrun B hl: Constantinopolis: Das Neue im Gewand des Alten
Johannes G. Deckers: Vom Denker zum Diener. Bemerkungen zu den Folgen der Konstantinischen Wende im Spiegel der Sarkophagplastik
Georges Descaeudres: Der Mönch und das Bild. Visuelle Umsetzungen von Glaubensvorstellungen im fr hen Mönchtum Ägyptens am Beispiel der Kellia
Arne Effenberger: 'berlegungen zur Aufstellung des Theodosios-Obelisken im Hippodrom von Konstantinopel. Mit einem Beitrag von Karl-Heinz Priese.
Josef Engemann: Zur Frage der Innovation in der spätantiken Kunst
Tomas Lehmann: Zur Genese der Trikonchosbasiliken
Hans-Rudolf Meier: Alte Tempel - neue Kulte. Zum Schutz obsoleter Sakralbauten in der Spätantike und zur Adaption alter Bauten an den christlichen Kult
Eckhard Reichert: sthetische Präferenz des Alten. Epigonentum, Kreativität und Originalität in der spätantiken Kunsttheorie
Monika Scheide: Tradition oder Innovation? Eine wiedergewonnene villa der Spätantike. Zu Cassiodors Klostergründung vivarium
Sabine Schrenk: "Erneuerung des Alten": Biblisch-typologische Darstellungen frühchrisdicher Zeit
Christine Strube: Zur Datierung der Baudekoration von Tebessa