Ich kann kaum glauben, dass das Trio Verra Cruz aus dem regnerischen und kultivierten England kommen soll. Beim Anhören der Musik kommen mir unweigerlich Assoziationen zu ausgelatschten Cowboystiefeln, ausgebleichten Blue Jeans, dem Ford Mustang und dem endlosen Highway quer durch die amerikanische Wüste. Was für eine Band, was für eine CD, was für ein Beweis, dass man keinen Heavy Metal machen muss, um wild und ungezähmt zu sein. Statt dessen hält man sich weitestgehend im soliden Midtempo- Rockbereich mit Blueswurzeln auf. Ganz offensichtlich fühlt die Band sich tief in den frühen Siebzigern verwurzelt. Die Marshall- Verstärker sind weit aufgerissen, das Schlagzeug powert kraftvoll, der Bass liefert ein solides Fundament, dazwischen heult eine verzerrte Slidegitarre, und die gleichzeitig lakonische und hochemotionale Gesangsstimme setzt dem Ganzen die Krone auf. Das Songwriting ist erstklassig, die Präsentation glaubwürdig. Die CD kann das Level des Banddebüts "Emancipation Day" halten - vielleicht sogar noch einen draufsetzen. Ich gebe die Höchstnote und drücke die "Repeat"- Taste.
Ich weiß nicht, ob sich außer mir noch ein Leser an eine Achtziger- US- Band namens Tangier erinnert; an deren hervorragendes Debüt "Four Winds" erinnert mich die CD stark, obwohl sie nicht mal auf dem gleichen Kontinent entstanden ist.
Meine Fave- Tracks sind der Opener "Not in the Fire", das hektische "Blind Man" und das etwas relaxtere "Grace". Ich kann diese Band nur wärmstens empfehlen, wenn man auf song- und rifforientierten Frühsiebziger- Rock steht.