3 jahre nach ihrem debutalbum 'end of silence' melden sich die christenrocker aus den usa zurück und liefern mit 'innocence & instinct' eine grandiose scheibe ab.
Stilistisch hat sich die band dabei ein stück weiterentwickelt. Der sound auf 'end of silence' war eher wütend, meist melancholisch ('pieces', 'already over') und teilweise von hilfloser aggressivität geprägt ('let go').
Innocence & instinct hat sich im vergleich dazu ziemlich gewandelt. Der sound der band ist rücksichtloser geworden, wütender, deutlich selbstbewusster und nichtmehr von der melancholie und verzweiflung des ersten albums geprägt.
Stilistisch lässt sich die band nicht wirklich einordnen, auch eine anlehnung an andere bands fällt schwer. Die harten riffs erinnern teilweise an chevelle und disturbed, der oftmalige einsatz von streichern und das somit komponierte gesamtkonzept lässt sich am ehesten mit der ebenfalls recht neuen band 'tantric' vergleichen. Streicher findet man nicht bei jedem stück, jedoch bei vielen immer wieder in kurzen passagen.
Auch sonst neigt die band zu experimenten, so wird die grundstimme bei 'mystery of you' beispielsweise von einem cembalo gespielt, was das lied deutlich aus dem album hervorhebt.
Die gesangsstimme ist nicht unbedingt einzigartig oder leicht wiederzuerkennen, aber leistet gute arbeit. Der gesang bleibt meistens rein, shouts und growling hört man auf der scheibe nur sehr selten. Trotzdem wird die leidenschaft die hinter der musik steckt sehr schön vermittelt.
Wie alle christlichen bands verarbeiten auch red in innocence & instinct ihre religiöse überzeugung sowie gemachte erfahrung mit ihrem glauben. Die band neigt jedoch nicht zum worship / lobpreis einerlei, wie oftmals bei p.o.d., kutless oder pillar gehört wird, sondern singt von verzweiflung und misstrauen ('death of me'), inneren anfeindungen ('fight inside'), unverständnis gegenüber gottes person ('mystery of you'), aufgabe und hilflosigkeit ('start again', 'take it all away'), und nicht zuletzt auch von vertrauen und schicksal ('forever', 'never bet he same', 'confession')
Das macht die band zu etwas besonderem in der christlichen szene, da sie nicht, wie viele andere christliche bands, den glauben als automatische glückseligkeit schönsingen, sondern auch von ängsten, problemen, unzulänglichkeiten und persönlichen schwächen berichten, die eben auch durchaus ein christ haben kann.
Trotzdem kann man die band auch gut hören, ohne christ zu sein, auch ohne überhaupt religiös zu sein. Wers härter und wütender mag, der ist bei red gut aufgehoben, das steht außer frage. Religionsfeinde sollten das album villeicht doch einmal probehören, wenn sie all zu empfindlich auf christliche botschaften reagieren sollten. Aber das album ist auf jedenfall mehr als sein geld wert.