Das wurde dann auch Zeit, dass wir nach der Quasi-Doku "Heima" endlich auch ein komplettes Konzert der Isländer bekommen. "Heima" ist großartig, erfüllt aber andere Ansprüche, und sollte vor allem auch der heimischen Insel ein Denkmal setzen.
Hier gibt es 110 Minuten live, ungeschminkt und querbeet durch die Schaffensphasen der Band. Und wenn ich mir eine Setliste hätte aussuchen dürfen, sie wäre nicht weit von der hier vorliegenden entfernt. Und wenn es unter den verschrobenen Klangkonstruktonen so etwas wie strukturiertere und ins Hirn gebrannte Songs gibt, dann haben diese hier den Vorzug bekommen. Die Bezeichnung "Best of" allerdings wäre trotzdem grotesk.
Das Kernstück, wie schon auf "Heima", stellt das viertelstündige "Popplagid" dar, besser bekannt als namenloser Schlusstrack des Klammeralbums. Diesmal allerdings nicht ganz so prägnant und kompromisos, sondern verspielter und gedämpfter. Überhaupt funktioniert das Konzert erstaunlich gut als Einheit, obwohl die Songs unsortiert aus ihren Herkunftsalben gezogen wurden.
Sigur Ros sind in vielerlei Hinsicht einmalig. Und sie beherrschen die zahllosen Facetten auch auf der Bühne. So sehr, dass diese auch schon mal zu kutz kommen, und man sich in den langen Instrumentalpassagen so wegträumt, dass sie viel zu schnell vorrübergehen, statt sich ganz allein auf Konzertlänge auszubreiten.