Man kann natürlich immer für und gegen den Autor und sein Buch argumentieren. Da hier schon reichlich kritisiert wurde, will ich einmal Fürsprecher sein, zumal mir dieses Buch sehr gut gefallen hat.
Es geht sofort in medias res, keine langatmige Einleitung, man ist sofort in der Geschichte drin und es gibt keine Verwirrung was Namen oder Personen betrifft. Die einzelnen Charaktere sind gut ausgearbeitet und überzeugen gerade durch menschliche Schwächen und Fehler. Jede Person hat nicht nur heldenhafte Züge, sondern auch eine dunkle Seite, die es zu entdecken gilt.
Und: in diesem Buch ist nichts wie es scheint.
Es spiegelt Menschen wider die mit einem System nicht zurecht kommen, das den Anspruch erhebt absolut zu sein. Dabei wird sowohl das kapitalistische als auch das sozialistische Weltbild in Frage gestellt.
Recherchefehler kann ich nicht entdecken, bin aber auch kein Historiker und da das Buch sowieso fiktional ist, tut es dies auch keinen Abbruch. Wer sich auf die Spannende Fallstudie Martin Beck einlassen kann, der wird mit einem hochsensiblen Krimi belohnt, bei dem es nicht nur einen Schuldigen gibt.
Die Sprache ist gekonnt an die jeweilige Situation angepasst. Dass Christa Bernuth versteht mit Sprache zu spielen beweist sie am Anfang der Geschichte. Die etwas hölzernen Dialoge entstehen durch das "Abhörproblem" - das hätte man eigentlich verstehen können.
Fazit: Kaufen! ;)