"Der Hausierer", ein Buch aus jener Phase Handkes, in der er als Neuerer literarischer Formen von sich reden machte, ist sowohl im positiven als auch im negativen Sinne ein experimentelles Buch. Es wird versucht, eine Kriminalgeschichte, die Klärung eines Mordfalls lediglich mit Einzelwahrnehmungen zu erzählen. Vor jedem Kapitel wird die Bewegung der Geschichte reflektiert, worum sie kreist, was in den Vordergrund tritt und wie die Dinge an diesem Stand der Ermittlungen erscheinen. Die Kapitel selbst enthalten, lose angeordnet um die Figur des Hausierers, Eindrücke, die klingen, als würden sie Einstellungen bei Hitchcock oder Godard beschreiben: "Er findet nicht den Übergang vom Gehen zum Laufen. Er schaut sich nie um, während doch sonst Gehende, auch wenn sie sich nicht verfolgt glauben, sich von Zeit zu Zeit umschauen. Lange Zeit hat er so gelebt, daß er gar nicht mehr daran gedacht hat, ihm könnte etwas geschehen." Dabei existieren weder feste Personen noch ein konkreter Handlungsverlauf. Dadurch wird dem Leser die Möglichkeit genommen, eine voreingenommene Haltung einzunehmen, von jeder Wahrnehmung, jedem Satz, sieht man sich erneut unvorbereitet getroffen und dadurch, daß man gezwungen wird, alle Verbindungen selbst herzustellen, wird man zum Autor, Detektiv und - Möder. Diese Wirkung entfaltet das Buch jedoch nur selten. Denn da, wie bei den meisten experimentellen Werken, die fomale Idee simpel ist und nicht variiert wird, wird man schnell müde und der Text erscheint willkürlich und belanglos. Fazit: Ein interessantes Buch, mit dem man im intellektuellen Freundeskreis protzen kann und das einen die nächsten Fernsehkrimis auf eine ganz neue Art sehen läßt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)