Inkdeath ist ein würdiger Abschluss der Trilogie, ich würde sogar sagen, der beste Band aus literarischer Sicht. Auf jeden Fall ist es der erwachsenste. Dem Titel entsprechend spielt der Tod eine große Rolle und prägt das gesamte Geschehen. Damit verbunden kommt Dunkelheit, Grausamkeit und teilweise auch Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leben von Menschen ins Spiel. Für dieselbe Altersstufe wie das eher harmlose Inkheart ist die Geschichte daher kaum geeignet. Sie bietet komplexe Charaktere wie Mo, der sich in diesem letzten Teil fast vollständig von sich selbst entfremdet hat und zum Bluejay geworden ist, der für das Gute über Leichen geht und einen Feind nach dem anderen umbringt, ohne Gewissensbisse zu bekommen. Erst gegen Ende kämpft er dagegen an, sich weiter an dieses vom Autoren der Tintenwelt vorgeschriebene (im wahrsten Sinne des Wortes) Personenmuster anzupassen, und versucht, wieder seine Mo-Seiten herauszuarbeiten. Auch alle anderen Personen sind von Cornelia Funke liebe- und phantasievoll gezeichnet. Es ist ihr wahrhaft gelungen, eine neue eigene Welt zu schaffen, die alle in den Bann zieht, die auf unterschiedlichen Wegen aus der normalen Welt in die Tintenwelt gelesen wurden. Mir hat die Idee von Anfang an gut gefallen, in eine Geschichte schlüpfen zu können. Doch in diesem Band, in dem der Kreator der Tintenwelt selbst in ihr lebt, an einer Schreibblockade leidet und gegen einen Konkurrenten kämpfen muss, der die Tintenwelt nach seinen eigenen Ideen um- und neuschreiben will, ist die große Erzählkunst von C. Funke zur Perfektion gebracht.