115 Kurzgeschichten für Seminare und Trainings, der Untertitel klingt vielversprechend. Da die angegebenen Themenfelder meinen Arbeitsschwerpunkten weitgehend entsprechen, habe ich das Buch gekauft. Es war zwar nicht gerade billig, aber gute Geschichten sind in der Bildungsarbeit etwas wert - auch die Amazon-Rezensionen sprachen für Blenks Sammlung.
Leider hat mich der Inhalt des Bandes dann mehr als enttäuscht: Die besseren Erzählungen sind ziemlich bekannt; zitiert werden z. T. nicht die (wie ich finde besseren) Originale, sondern "Nacherzählungen" (so findet sich eine prägnantere Version von "Wenn er nun Nein sagt?" bei Watzlawick, die "Fabel auf den Weg" findet sich bereits bei den Brüdern Grimm).
Aus den Hinweisen des Autors zum Einsatz von Kurzgeschichten in Seminaren und Trainings und aus den Kommentaren und Anregungen zu den einzelnen Texten ist für Menschen, die schon einmal mit Texten gearbeitet haben, ebenfalls wenig Nutzen zu ziehen. Unter der Überschrift "Mimik" z. B. steht nicht mehr als das: "Ihre Mimik kann den Vortragsstil einer Geschichte visuell und spannend aufwerten. Sie müssen ja nicht gleich eine bühnenreife Darstellung liefern, ein wenig mit ihren Gesichtszügen spielen reicht schon völlig". Die Aussagen zu Stimme, Sprechpausen, Zeitpunkt etc. sind ähnlich nichtssagend. Auch Reflexionsfragen wie "Was ist die Kernaussage dieser Geschichte?" und Gestaltungsvorschläge wie "Sie können Plastikhunde (...) zur visuellen Untermalung einsetzen" (in der entsprechenden Geschichte ist von einem Hund die Rede), sind nicht wirklich anregend.
Dass das Buch schlecht redigiert ist (bereits im ersten Satz taucht ein Fehler auf, und dies setzt sich dann fort ...), rundet den schlechten Gesamteindruck ab.
Immerhin: Das Buch ist eine Anregung, Texte für die eigene Seminararbeit zu sammeln, dazu werden bei mir vielleicht auch vier oder fünf Geschichten aus Blenks Sammlung gehören ...