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51 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
(Teils) geniale Schauspielkunst, schwächelndes Drehbuch., 31. Januar 2010
- Gespoilert -
Eine Menge Wirbel wurde vorab (mal wieder) über den neuen Film von Quentin T. gemacht. Ein Märchen wird es sein, sagten die einen, ein Kriegsfilm, die anderen. Im Endeffekt wurde es ein typischer Tarantino als Märchen vor Kriegshintergrund.
Zeitlupenaufnahmen, wenns bedrohlich wird (dazu verzerrte Gitarrenakkorde), die Einteilung der Geschichte in verschiedene Kapitel, Red Apple-Zigaretten, lange, aber fesselnde Dialoge - mit div. Tabubrüchen natürlich -, verschiedene Einblendungen, usw ...
Was hat Tarantino richtig gemacht:
* Bunt und international gecastet
* Den Film in verschiedenen Sprachen gehalten, woraus er einen Großteil seiner
Kraft und Faszination (ich persönl. höre das Italienische und Französische
unheimlich gerne, sind einfach schöne Sprachen) und natürlich auch Wirklichkeits-
getreue bezieht
* Die Eigenheiten der verschiedenen Völker gut präsentiert: die fragile, elegante
Französin; der charmante, schmeichelnde Österreicher; der die Konfrontation nicht
scheuende Deutsche; der snobistisch-lässige Engländer ("Na dann nichts wie runter
damit!") und der ein wenig tumbe und immer ein bisschen zu coole Amerikaner.
* Erzeugung von bedrohlicher Stimmung allein durch Dialog
* Das Zeigen der Nazis nicht als gesichtslose Dämonen, wie z.B. Spielberg sie
sieht, sondern als gebildete Kaste (Offiziere) einerseits und tapfere Wehr-
machtssoldaten (Feldwebel Rachtman) andererseits, was der Realität wohl eher
entspricht - speziell "Tapferkeit" ist eine Eigenschaft, die Gegnern der
Amerikaner in amerikanischen Filmen sonst eher selten zuerkannt wird (aber
vielleicht hat hier auch nur die Deutsche Filmförderung ein bisschen
nachgeholfen)
Was hat er falsch gemacht:
* Hitler und Göbbels sind schlecht besetzt. Nicht, weil Wuttke und Groth schlecht
spielen, sondern weil sie ihren Vorbildern einfach zu unähnlich sehen. Hier wurde
in "Der Untergang" und "Operation Walküre" größeres Geschick bewiesen. Beide
werden hier übrigens auch nur als Karikaturen ihrer Vorbilder gezeigt
* Teilweise langatmige und unnötig in die Länge gezogene Szenen
* Kurzes Auflodern und dann wieder langes Abflauen lassen der Spannung
* Den Film m.E. zu wenig gestrafft
* Ein erzwungen korrektes und homogenes und dafür umso unglaubwürdigeres Ende
für DIE Hauptfigur des Filmes, Hans Landa. Gebildet, gerissen und mit messer-
scharfem Intellekt ausgestattet, sowie misstrauisch und skeptisch allem und
jedem gegenüber, begeht er am Schluss diesen dummen, naiven Fehler. Klar, den
auf Judenjagd spezialisierten SS-Oberst ungeschoren davonkommen zu lassen, traut
sich auch ein Quentin Tarantino nicht, trotzdem hätte er sich hier etwas Glaub-
würdigers einfallen lassen können
Zu den Schauspielern:
Allen voran natürlich Christoph Waltz. Was er hier geleistet hat, wird ohne Zweifel Filmgeschichte schreiben. Die Figur, der er hier Leben einhauchte, lässt sich problemlos in die Reihe der überragendsten Filmbösewichte einreihen. Und der Rekord, den er aufstellen wird (Abstauben aller wichtiger Preise mit der ersten(!) Hollywood-Rolle), sobald er im März den Oscar entgegen genommen haben wird, woran ich fest glaube, wird für sehr sehr lange Zeit nicht zu brechen sein. Seine schauspielerische Glanztat hier ist mit Sicherheit für die nächsten Jahre das Maß aller Dinge.
Wogegen Brad Pitt hier natürlich nur verlieren kann. Auch wenn mir seine Fans das jetzt wohl krumm nehmen, aber der Mann lebt ohnehin mehr von seinem Aussehen, denn von seinem schauspielerischen Können. Erschwerend kommt hinzu, dass man ihm seine Lustlosigkeit, den unsymphatischen Proll Aldo Raine zu verkörpern, jederzeit anmerkt, wobei man hier seine privaten Probleme mit Jolie, die er während der Dreharbeiten schon gehabt hat, berücksichtigen sollte.
Mélanie Laurent - ein Name, den man in Zukunft noch öfter hören wird. Eher still und zurückhaltend und doch mit einer starken Präsenz. Diese junge französische Schauspielerin wird zu einer scharfen Konkurrenz für Audrey Tautou und Eva Green werden.
August Diehl als Sturmbannführer Dieter Hellstrom liefert für mich die zweitbeeindruckendste Vorstellung nach Christoph Waltz ab. Geht zu unrecht aufgrund seiner geringen Auftrittszeit ein wenig unter, aber wie er die Kellerbarszene dominiert ist sagenhaft.
Daniel Brühl hat, wie ich meine, eine der dankbarsten Rollen in diesem Film erhalten. Er personifiziert den Star und strahlenden Kriegshelden im Bubigewand, scheinbar unfähig, ein Wässerchen zu trüben und dennoch brandgefährlich.
Eli Roth spielt im Rahmen seiner Möglichkeiten. Die widerliche Figur des "Bärenjuden" ist ohnehin ein großes Minus in diesem Film (man beachte den in US-Filmen so häufig zu sehenden dämlich-peinlichen Baseballspieler-nach-erzieltem-Homerun-Affentanz, den er im Graben aufführt, nachdem er dem deutschen Feldwebel den Schädel eingedroschen hat). Zweifelhaft ist aber vor allem die Person Roth´s, der "Inglourious Basterds" aufgrund seiner Skalpierungsszenen deutscher Wehrmachtssoldaten (nicht SS-Offiziere!) in einer KZ-Gedenkstätte vor anderen Juden als "koscheren Gewaltporno" angepriesen haben soll.
Einen kleinen, aber äußerst feinen Auftritt, der bis jetzt kaum Erwähnung fand, beschert uns Richard Sammel. Mit Feldwebel Werner Rachtman zeigt er uns einen deutschen Soldaten, der alles andere als unsymphatisch und von Natur aus brutal rüber kommt, mit einer Tapferkeit angesichts des nahenden Todes, wie sie sonst nur GIs zusteht. Den Spruch mit den "Saujuden" musste Tarantino dann wohl einbauen, da er sonst kaum eine "Rechtfertigung" für dieses brutale Ende Rachtman´s gefunden hätte.
Für mich noch erwähnenswert Denis Menochet als franz. Milchbauer. Als Konterpart zu Hans Landa annähernd ebenbürtig. Seine innere Beklemmung, als auch sein Versuch diese zu unterdrücken, sind absolut überzeugend, genauso wie sein Weinen.
Alles in allem hat QT bzgl. der Schauspieler einen guten Riecher bewiesen. Der restliche Cast spielt mal besser (Fassbender), mal schlechter (Krüger, Schweiger) und mal so gut wie überhaupt nicht (Burkhard).
Die Ausstattung:
Einem Multimillionen-Dollarfilm entsprechend.
Die Effekte:
Gut plaziert und nie zu aufdringlich.
Die Musik:
Im Stil der anderen QT-Filme (David Bowie mal ausgenommen).
Schlussplädoyer:
Wenn Du trotz der immensen Länge meiner Rezension - aber schließlich geht es hier um Deine sauer verdiente Kohle - bis hierher gelesen hast, dann bedanke ich mich und gebe Dir folgendes mit auf den Weg:
Wenn Du ein QT-Sammler bist, bestelle.
Wenn Du ein Faible für versteckte Details und bestechende Uniformen hast, bestelle.
Wenn Du zT überragende schauspielerische Leistungen sehen willst und Dich nicht von langen Dialogen abschrecken lässt, bestelle.
Wenn es Dir innere Befriedigung verschafft, Hitler von Kugeln durchsiebt zu sehen, leih in Dir aus.
Wenn Du einen knallharten kurzweiligen Actionfilm mit massig Gewaltszenen sehen willst, lass es bleiben.
Wenn Du Deutscher bist und es Dich schmerzt zu sehen, wie tote deutsche Soldaten skalpiert werden, auch.
Und wenn Du hoffst, mit "Inglourious Basterds" ein vom Kaliber her zweites "Pulp Fiction" zu erwerben, sowieso.
Und damit, ganz im Geiste des Filmes:
Auf Wiedersehen. Au revoir. Arrivederci. Good Bye.
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107 von 148 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr gute Blu Ray Umsetzung, 14. Januar 2010
Da ich der Meinung bin, dass eine Bewertung des Films nicht in die Rezension eines Amazon Produktes gehört (dafür gibt es wesentlich bessere Quellen) möchte ich nur kurz auf folgende Merkmale der Blu Ray eingehen:
- Das Bild der Blu Ray ist exzellent und hat absolute Referenzqualität (und zwar nicht im Vergleich zu DVDs, sondern zu den besten Blu Rays)
- Extras sind sehr unterhaltsam, insbesonders der außerordentlich witzge Ausschnitt zu "Stolz der Nation"
- Im Gegensatz zur Amerikanischen Blu Ray, wo eine Szene entfernt wurde, ist der Film hier ungeschnitten
- Und hier hat Universal sehr gut aufgepasst: dadurch dass der Film im Original viersprachig ist (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch) gibt es eine besondere Problematik bei den Untertiteln und Sprachen. Zum Einen hat Universal den Originalton mit allen 4 Sprachen und der (mir im Sinn nicht ganz schlüssigen) Deutschen Synchro, wo nur die Englischen Schauspieler synchronisiert sind, draufgepackt. Zum Anderen bieten die Untertitel eine Vielzahl von verschiedenen Optionen an, die je nach Sprachbegabung des deutschen Zuschauers Sinn machen. So gibt es eine Untertitelspur, wo alles ausser Deutsch untertitelt ist, die Untertitelspur der Internationalen Fassung, wo alles ausser Englisch untertitelt ist, und jetzt kommt es: eine Untertitelspur, wo nur die französischen und italienischen Dialoge untertitelt sind! Für mich persönlich als jemandem, der Deutsch und Englisch sprechen kann (und was wahrscheinlich dem Profil vieler Deutscher O-Ton Gucker etspricht) ist dies genau die Option, auf der ich gehofft habe!
- Und noch als Zuckerle: im Gegensatz zur Amerikanischen Blu Ray sind die Untertitel NICHT im Filmmaster eingebrannt, sondern werden vom Player generiert. Und zwar so, wie sie auch im Kino ausgeschaut haben.
Fazit: die Deutsche Blu Ray ist tatsächlich bisher die beste Veröffentlichung. Universal hat sehr gute Arbeit geleistet!
ERGÄNZUNG: die im Review erwähnten Untertiteloptionen sind nur über die Fernbedienung erreichbar! Die Option "Alles ausser Deutsch untertitelt" ist in Spur Nr. 4 vorhanden, Option "Nur Französisch und Italienisch untertitelt" ist in Spur Nr. 6. Danke an Chris für den Hinweis.
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96 von 145 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Blu-ray "Vorschau" zu großem Film!, 10. Dezember 2009
INGLOURIOUS BASTERDS [2009]
PROLOG
Die Veröffentlichung der Blu-ray von INGLOURIOUS BASTERDS am 07.12.2009 in Großbritannien nehme ich zum Anlass, hier eine ausführliche Kritik zu Film und Disc zu schreiben, da die in Deutschland ebenfalls bei UNIVERSAL erscheinende Scheibe allen bekannten Details nach der britischen und amerikanischen fast gleichen wird.
Alle, die sich also schon auf die Veröffentlichung in Deutschland am 14.01.2010 (in 4 Wochen!) freuen, bekommen hier also einen Vorgeschmack auf Film, Bild und Ton:
KAPITEL EINS: Der Film
Es ist mittlerweile wahrlich beachtlich, wie vielseitig sich Quentin Tarantino doch gibt. Vom modernen und neu definierten Gangsterfilm (RESERVOIR DOGS und PULP FICTION) über die Hommage an die Blaxploitation Queen Pam Grier (JACKIE BROWN), den epischen Rachefeldzug im Samuraiwestern-Gewand (KILL BILL) bis zur kultigen Grindhouse-Wiederbelebung im Double Feature (DEATH PROOF / PLANET TERROR).
In INGLOURIOUS BASTERDS nimmt er sich nun dem Genre des Kriegsfilms an und liefert, wie es kaum anders zu erwarten war, eine sehr eigene Variation der historischen Ereignisse zum Ende des zweiten Weltkrieges ab.
Der Inhalt: 1944, im von Nazis besetzten Frankreich, ist die Premiere des deutschen Propagandafilms STOLZ DER NATION (Nations Pride) in Vorbereitung. Zu dieser sollen namhafte, ranghohe, deutsche Militärs und Politiker (inklusive Goebbels und Hitler höchstpersönlich) anwesend sein, sodass ein immenser Sicherheitsaufwand betrieben wird. Dies geschieht unter der Aufsicht des berühmt berüchtigten Hans Landa (Christoph Waltz), der Jahre zuvor die Familie der jüdischstämmigen Kinobetreiberin Shosanna (Melanie Laurent) ermorden ließ. Sie plant dementsprechend, Rache zu üben und das Kino am Premierenabend niederzubrennen. Gleichzeitig bereiten sich die INGLOURIOUS BASTERDS, eine Truppe aus jüdischstämmigen Soldaten und Überläufern unter der Führung Lt. Aldo Raines (Brad Pitt), auf einen Anschlag am selben Abend vor. Sie werden dabei von der Starschauspielerin und Doppelagentin Bridget von Hammersmark (Diane Krüger) unterstützt.
INGLOURIOUS BASTERDS ist ein großartiger Film, einer der besten des Jahres 2009. Erneut mutig und kreativ spielt der Regisseur und Drehbuchautor mit Genres, Musik und nun auch Weltgeschichte an sich. Das Resultat ist ein Kunstkonstrukt in Reinform, welches eindrucksvoll zeigt, zu was das Kino fähig ist: Tarantino stellt historische Fakten intendiert falsch dar ohne dabei respektlos zu sein. Im Film und in der Realität des Zuschauers lässt er das Kino und die Kunst triumphieren. Opfer und Gejagte werden zu Jägern und Rächern, die ihr und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und in einem finalen Akt cineastischer Katharsis vom Regisseur und Publikum Recht bekommen.
Ich gebe zu, ein Anhänger der bisherigen Tarantinofilme zu sein und habe mich durchaus schon gefragt, ob ich eventuell einfach blind alles großartig finde, was der Mann macht (auch wenn er in Interviews immer sehr wirr und aufgedreht wirkt). Andererseits hatte ich gerade deshalb die Befürchtung, meine hohen Erwartungen an den Film würden nicht erfüllt. Doch ich wurde in beiderlei Hinsicht eines Besseren belehrt:
Schon die Eingangsszene ist so gekonnt geschrieben und inszeniert, dass schnell alle Zweifel vergessen waren. Tarantino liefert hier einen seiner besten Dialoge überhaupt ab und schafft es, im weiteren Verlauf des Films mehrere Zeilen dieser Qualität folgen zu lassen. So spannungsgeladene Gespräche hat man im Kino nur selten zuvor erleben dürfen. Das Großartige daran ist letztlich dann die Tatsache, dass die Originaltonspur von INGLOURIOUS BASTERDS viersprachig ist. Tarantino hat (als Fan internationaler Kinojuwele) darauf bestanden, die Charaktere nicht alle Englisch parlieren zu lassen, sondern internationale und sprachgewandte Schauspieler gecastet: der Großteil des Films ist auf Deutsch (LOLA RENNT Regisseur Tom Tykwer hat hier für Tarantino ins Deutsche übersetzt), gefolgt von Französisch (Daniel Brühl spricht beeindruckend fließend Francais), Englisch (Brad Pitt als jüdischstämmiger Südstaatler, der sich als italienischer Kameramann ausgibt, ist zum Niederknien) und Italienisch. Hier ist natürlich Christoph Waltz hervorzuheben, der eine absolute Glanzleistung abliefert (er ist wirklich so gut, wie alle schreiben!) und sich als Universalgenie entpuppt, welches vergnüglich zwischen allen vier Sprachen wechselt und dabei seine Opponenten und Zuschauer gleichermaßen überrascht. Überhaupt legt er in seinem intensiven Spiel eine brillant selbstverliebte Diabolik an den Tag, die Ihresgleichen sucht. Dieser von Tarantino intendierte Sprachpurismus sollte natürlich nicht durch eine deutsche Komplettsynchronisation zunichte gemacht werden, da der Film seine Kraft und Intensität zu großen Teilen genau daraus schöpft. Von einer Synchronfassung ist daher dringend abzuraten, selbst den Originalsprache-Banausen, die sonst zu bequem sind, Untertitel zu lesen (Kommt schon! Das eine Mal? Der Großteil ist sowieso Deutsch!). Die Charaktere übersetzen sich häufig gegenseitig, eine Tatsache, die synchronisiert nur in inhaltlichen Abwegen enden kann!
Der Regisseur führt seine Darstellerensemble wunderbar. Alle spielen sehr intensiv oder gar absichtlich übertrieben, sei es, um ihre Figur stereotypisch oder gar als Karikatur ihrer selbst erscheinen zu lassen, sei es, weil die meisten Charaktere sich ohnehin verstellen und den anderen etwas vorspielen. Neben dem vorzüglich agierenden Star des Films, Brad Pitt, ist nahezu Deutschlands gesamte Darstellerriege präsent: Waltz, Brühl, August Diehl (auch er bekommt eine unvergessliche Szene), Til Schweiger (als schweigsamer Überläufer), Gedeon Burkhard und Diane Kruger (eigentlich KrÜger: eine meiner Bekannten war mit ihr auf demselben Gymnasium und jetzt verziert sie Poster zu Fake-Produktionen in einem Tarantiofilm!). Der Großteil wurde in Babelsberg gedreht. Die französischsprachige Seite wird durch die charmante und sehr überzeugend spielende Melanie Laurent (Shosanna Dreyfus) repräsentiert.
Seinem Stil bleibt Tarantino treu, jedoch ohne sich selbst zu kopieren: bis ins Detail ausgefeilte Drehbuchzeilen, eine tragende Musikauswahl bestehend aus klassischen Soundtrackstücken anderer Filme und gezielt eingesetzten Songs (etwa David Bowies CAT PEOPLE), die gewohnte Kapiteleinteilung (es wird insgesamt chronologisch erzählt und nur stellenweise mit Rückblicken gearbeitet) und Filmzitate ohne Ende. Diese sind teils offensichtlich (etwa die Thematisierung deutscher Filmgeschichte und Propaganda im Dritten Reich), teils subtil (so haben etwa Darsteller und Regisseur des originalen INGLORIOUS BASTARDS Gastauftritte) und teils allgegenwärtig.
Inszeniert wird hier ein Kriegsfilm im Westerngewand. Bereits die erwähnte Eingangsszene ist eine einzige Hommage an die großen Western des Sergio Leone. Beginnend mit der Schrifttafel - Once upon a time in Nazi occupied France - schließt der Film an den Originaltitel des Leone-Westerns SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD an und mündet dann in eine Eingangssequenz, die deutlicher nicht an den italienischen Maestro erinnern könnte: Eine einsames Haus in weiter Landschaft, Stille, die plötzlich durch einen nahendes Unheil ankündigenden Soundtrack gebrochen wird (natürlich von Leones Starkomponist Ennio Morricone). Eine Frau zieht die Wäsche auf ihrer Leine zur Seite und schafft sich so einen freien Blick auf die kommende Bedrohung. Leones bewaffnete Revolverhelden (Henry Fonda & Co.) ersetzt Tarantino durch den fahrenden Nazi-Suchtrupp. Solche Parallelen finden sich im weiteren Verlauf durchgehend: Die Basterds etwa skalpieren ihre Opfer und in der Kneipe wird kurz darauf fröhlich über Karl May und WINNETOU geplaudert.
Tarantino arbeitet erneut mit Freunden und Bekannten zusammen. Kameramann Robert Richardson drehte mit ihm schon KILL BILL, Samuel L. Jackson fungiert kurzzeitig als Erzähler aus dem Off und Eli Roth (der Regisseur der von Tarantino produzierten HOSTEL-Teile) spielt nicht nur die wandelnde Alliteration Donny Donowitz, sondern drehte während der Produktion auch den fiktiven Propagandafilm STOLZ DER NATION, in welchem sich Daniel Brühls Charakter Frederik Zoller selbst spielt. Den Großteil dieser nicht so offensichtlichen Anspielungen wird der Zuschauer ohnehin erst bei mehrmaligem Sehen erfassen können. Genau dieses sollte man auch tun. Wiederholt!
INGLOURIOUS BASTERDS ist außergewöhnlich und verdient seine Anerkennung, unabhängig davon, was man von Tarantino hält. Ich bin jedenfalls erleichtert und begeistert zugleich. Sogar Nicht-Tarantino Fans (oder Leute, die seine Filme grundsätzlich umgehen) könnten die einen oder anderen positive Aspekte an diesem Werk finden. So etwa Sprachpuristen und liebhaber oder auch Freunde des deutschen Films.
KAPITEL ZWEI: Die britische Blu-ray
Bild und Ton sind genau so, wie es sich für eine solche Produktion gehört: Demomaterial. Wie schon die KILL BILL Blu-ray, besticht BASTERDS durch ein knackscharfes Bild mit sensationeller Schärfe und kräftigen Farben. Detailreich und plastisch, lässt der Transfer keine Wünsche offen. Die englischen Untertitel für die deutschen und französischen Parts sind in dieser und der amerikanischen Fassung fest eingebrannt. Sie sind gelb, gut lesbar und (für Benutzer von 21:9 Schirmen und Leinwänden) innerhalb des 2.40:1 Bildes positioniert.
Der originale DTS-HD-MASTER Ton in 5.1 klingt sehr kraftvoll. Die vielen Dialoge sind gut verständlich, die Musik toll abgemischt und die Dynamik überzeugt während der spontan ausbrechenden Action ebenso. Es gibt hier aber keine deutsche Sprachfassung und auch keine deutschen Untertitel! Während ich ersteres ja ohnehin nicht so nötig finde (siehe oben), wäre...
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