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Information Technology and Sustainability, 4. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Information Technology and Sustainability: Essays on the Relationship between Information Technology and Sustainable Development (Taschenbuch)
Um die Gesamteinschätzung vorwegzunehmen: Das Buch ist ein Muss für alle, die an der Gestaltung einer dauerhaft lebenswerten Zukunft interessiert sind. Das betrifft nicht nur IKT-Hersteller, Software-Entwickler und Informatiker, sondern vor allem auch Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft sowie uns alle, die moderne IKT beruflich und privat nutzen.
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Nachhaltigkeit (Sustainabili-ty) haben für viele auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun: auf der einen Seite die scheinbar sauberen" IKT als Sinnbild für technischen Fortschrift und wirtschaftliches Wachstum, auf der anderen Seite die Leitidee einer lebenswerten Zukunft mit ihren Prüfkriterien, ob unsere Handlungen stets den Einzelmenschen, der Gesellschaft und der Natur dienen und ihnen gut tun. Doch stehen die beiden Welten tatsächlich unverbunden nebeneinander?
Der Autor verdeutlicht die facettenreichen Verbindungen, eingerahmt in eine Systematik, nach der IKT drei Arten von Effekten erzeugen:
* Effekte der IKT-Bereitstellung wie z.B. Energie- und Materialverbrauch durch Pro-duktion, Nutzung und Entsorgung von IKT-Hardware.
* Effekte der IKT-Nutzung wie z.B. Energieverbrauch zum Betrieb.
* Systemische Effekte wie die sog. Rebound-Effekte als Reaktion auf Effizienzsteigerungen.
Dass es bei der Klärung der Verbindungen zwischen IKT und Nachhaltigkeit oftmals keine eindeutigen und einfachen Antworten gibt, das legt der Autor in anschaulicher Weise offen: IKT seien sowohl Problemverstärker (s.o.). Sie böten aber auch vielfach noch ungenutzte Potenziale und vielleicht einzigartige Chancen, zur Problembewältigung beizutragen und einen Kurs in Richtung Nachhaltigkeit zu begünstigen. Die Bei-spiele, die der Autor dazu heranzieht (und für viele Aha-Erlebnisse sorgt), reichen von einer konsequenten Dienstleistungsorientierung und Dematerialisierung über Prozessoptimierungen und Substitutionsstrategien bis hin zu einem tief greifenden Struktur-wandel, der unsere Art des Lebens, Produzierens, Arbeitens und Konsumierens erfasst.
Trotz der Janusköpfigkeit der IKT verharrt der Autor nicht in Weltuntergangsstimmung. Im Gegenteil: er skizziert vielmehr überzeugend die Chancen, die sich durch IKT auf dem Weg in eine nachhaltige Informationsgesellschaft ergeben können: in der Gestaltung der IKT als Technologiefeld selbst, in den verschiedenen IKT-Anwendungsbereichen sowie im mündigen Umgang.
Die Sammlung der Essays ist in sieben Kapiteln gebündelt. Sie behandeln die maßgeblichen Herausforderungen und sind in lockerer, aber aufeinander bezogener Weise verfasst, so dass sie auch einzeln mit Gewinn zu lesen sind. Die Essays spannen einen thematischen Bogen von einer Einführung zur Nachhaltigkeit in der Informations-gesellschaft über die Umweltinformatik und Vision einer nachhaltigen Informationsgesellschaft über vertiefende Einzelthemen wie Dematerialisierung, Zeiteffizienz und Rebound Effekte, technologische Komplexität und Vorsorgeprinzip sowie Lebenszyklusanalysen bis hin zu ersten robusten Handlungsempfehlungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Informationsgesellschaft.
Lorenz Hilty hat ein wegweisendes Buch verfasst. Ihm kommt das Verdienst zu, seine Essays zu diesem Thema erstmals zu bündeln. Er zeigt damit neue Horizonte zu einer nachhaltigen Informationsgesellschaft (Sustainable Information Society) auf: visionär in der Zielrichtung, wissenschaftlich fundiert sowie anschaulich illustriert durch eingängige Beispiele aus der Praxis und Anwendungen des täglichen Lebens.
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