Becks' Neue hat das Licht der Welt erblickt! Und statt dem Alternativ und Folk Rock lastigem Vorgänger 'Sea Change' wollte Beck Hansen - zusammen mit U2/R.E.M/Radiohead-Produzenten Nigel Godrich - nach eigenen Aussagen ein Hip Hop Album machen. Und das ist es auch geworden. Und dann wieder nicht. Und dann, ganz kurz, doch wieder. Und dann wieder etwas ganz anderes.
Nun, so richtig lässt sich das nicht definieren, dazu ist die neue Scheibe zu vielseitig, aber auch wieder ganz klassisch Beck, fast schon ein Resümee seines bisherigen Schaffens: 'Elevation Music' ist alles, nur nicht Fahrstuhlmusik. Ein träger Chill-Beat, Raps wie seinerzeit bei 'Loser' und ein frech lässiger Refrain. Typisch Beck, auch das Einsetzen der Telefon-Samples, die dann einfach zum Mitmusizieren missbraucht werden. Im Hintergrund ab und zu Akustikgitarre! 'Cellphone's Dead' geht in eine ähnliche Richtung, irgendwo zwischen 'Mellow Gold', 'Odelay' und 'Mutations'. Pacman-Sound gepaart mit Raps und ganz weichen Kuschelrefains. Ein ganz verrückter Cocktail, kommt aber an!
Mit den Gegenätzen geht es weiter: 'Think I'm In Love' besticht durch eine Funk-Bassline, sparsam eingesetzte Klavierbegleitung, eine überraschende Gitarrenbrücke um endlich den Background-Sample-Chor einzuleiten. Strange Apparition hingegen wandert von Folk in Richtung Country, 'Soldier Jane' baut wiederum auf eine Beat-lastige Hintergrundstimmung. Aberwitzig auch 1000BPM, wo sich Odelay-Kenner erinnern, dass er ja schon nur mit "2 Turntables und einem Mikrofon" Musik gemacht hat. Die aktuelle Single - 'Nausea' - erinnert wieder an 'Mellow Gold'-Zeiten, beissende Raps, treibender Gitarrenschlag.
Ruhiger hingegen 'New Round', fast schon wie in einem Schlaflied wird dieser Song vor allem von Becks übereinandergelagertem Gesang getragen und vom Glockenspiel gewürzt. Sphärisch hingegen 'Movie Theme', zudem einen kein passender Film einpassen will, aber trotzdem zum Träumen anregt. 'Dark Star' geht schon fast in Richtung Lounge Musik. Nicht ganz unähnlich wie 'We Dance Alone', aber auf eine andere Art und Weise. Komplett verschieden das freundliche 'No Complaints': Eine Mir-geht-es-gut-Stimmung, begleitet mit Pfeifen, Gitarre und Background Vocals. Groß angelegt ist 'The Horrible Fanfare / Landslide / Exoskeleton' - welches man als alternatives Progressive-Hip-Hop-Chillout-Club-Rock zusammenfassen könnte. Ein ganz gewagtes Klangpotpourri, in dem das gesamte Album zusammenlaufen zu scheint.
Beck scheint sich zu wiederholen. Es ist aber interessant, WIE er das macht! Schafft er es doch, in jedem der Songs die Quintessenz seiner gesamten bisherigen Musikbandbreite zusammenzufassen und immer wieder auf höchst unterschiedliche Art und Weise auszulegen. Jeder Song erinnert an etwas, das Beck schon gemacht hat, wirkt dann aber wieder komplett neu. So klingt auch jedes Stück am Album anders, fühlt sich aber doch zu den anderen zugehörig.
Der Hörer wird sich nicht entscheiden können, in welche Schublade er das neue Album steckt, vielleicht weil das Album sich einfach in keine stecken lässt und sämtliche Schubladen gekonnt zu durchwandern scheint um das beste von allem mitzunehmen.
Das spiegelt sich auch in der genialsten Cover-Idee seit Erfindung der Gatefolds wieder: Mit Millimeterpapier und verschiedenen Stickern ausgerüstet hat jeder Fan die Möglichkeit, sein eigenes Titelbild zu gestalten und einzigartig zu machen. Das und die Bonus-DVD mit Musikvideos zu jedem Titel lassen auch über die kleinen Schwächen des Albums hinwegsehen, die man sowieso mit dem Mikroskop suchen muss, denn allzuviele wird man nicht finden.