Eines will ich gleich zu Beginn meines Reviews feststellen: Nach Crematory's Death Metal lastigen Debüt Transmigration" im Jahre 1993 verlor ich spätestens nach dem rigiden und wirklich unerwarteten Schwenk in Richtung Goth Metal mit dem Illusions" Album ziemlich das Interesse an den süddeutschen Massacre Records Urgesteinen. Daher hatte ich anfangs etwas Muffesausen, als ich die Promo des neuesten und mittlerweile bereits 15. regulären Studioalbums namens Infinity" in den Händen hielt da ich ja noch nicht ahnen konnte, was da gleich über mich rüberwalzen sollte. Also, Rechner an und los...
Gleich zu Beginn erfassen mich tiefe Grunts und grimmige Growls aus den Tiefen einer ultrafetten Produktion, bei denen die von mir nicht allzu wertgeschätzten Key-boards sehr dezent im Hintergrund ihren Dienst verrichten. Ein mehr als brillanter Einstieg und eine derbe Überraschung, bei der auch der von Frontkoloss Felix ge-grunzte Refrain Infinity, darkness forever" zum mitbrüllen animiert. Da ich dachte, dieser Song wäre lediglich ein Strohfeuer, waren die folgenden Nummern Sense of time" und Out of mind" eine ebensolche Überraschung, wobei gerade Erstgenanter das Highlight des Albums darstellt. Groovende Monster, die sich tief in den Gehör-gang fräsen und bleibenden Eindruck hinterließen. Da in der Vergangenheit Crematory mit Interpretationen bekannter Gassenhauer wie beispielsweise Metallicas One" ebenso punkten konnten, entschloss man sich, heuer mit einer Neufassung des Depeche Mode Songs Black celebration" der Hörerschaft zu er-freuen, was auch hier mehr als vortrefflich gelang. Bis zu Song 5 befand sich Infinity" auf dem Weg zu einer überragenden Note, da auch Never look back" eher an Fear factory statt an frühere Gothic Wurzeln erinnerte, wenn da dann nicht die überflüssige Ballade Broken halo" oder das mir eine Spur zu poppig geratene A story about" wäre, die trotz des überragenden Sounds dem Rest des Materials nicht das Wasser reichen kann. Dafür rüpelt es bei Where are you now" umso mehr und versetzte den Schreiber dieser Zeilen in helles Verzücken. Die beiden letzten Songs No one knows" und das obligatorisch in Deutsch gehaltene Auf der Flucht" schließen dann den Kreis und beenden das in meinen Augen stärkste Album Crematorys seit dem Debüt vor nunmehr 16 Jahren.
Ein Metal Album braucht bei mir für eine gute Note: a) eine gute bis sehr gute Pro-duktion, b) Klasse Songsmaterial, c) mächtig Bumms, d) Abwechslungsreichtum und e) Überraschungsmomente. Da dies auf Crematorys Infinity" alles vorhanden ist, gibt es eben diese Note. Gothic - Thrash - Metal", sowie schneller, härter, lauter und düsterer" waren die Vorgaben für dieses Album. Mission erfüllt.