Wolfgang Hohlbein gehört sicherlich zu den umsatzstärksten, seitenstärksten, aber auch produktivsten deutschen Autoren, der seine Werke, wie mir scheint, im Akkord herstellt. Dass dies häufig in Lieblosigkeit endet und zu Flüchtigkeitsfehlern führt, zeigt sein neuestes (Stand April 2011) Machwerk "Infinitiy: Der Turm".
Hohlbein selbst sagt über das im Piper-Verlag als Hardcover-Ausgabe publizierte Werk, dass er den Roman vollendet habe, den er schon immer schreiben wollte. Dies merkt man ihm leider nicht an. Viel eher macht das Buch den Eindruck, einer von der "Massenproduktion Hohlbein" gefertigter Roman zu sein. Woran manifestiert sich dieser, teils subjektive, Eindruck?
Fantasy ist ein "literarisches" Genre, das mit Klassikern wie "Der Krieg der Welten" oder "Der Herr der Ringe" definitiv Fuß fassen konnte. Auch zeigenössischere Schriftsteller wie Philipp K. Dick oder jüngst Peter V. Brett mit seinem gigantisch-guten Buch
Das Lied der Dunkelheit: Roman sind Glanzlichter dieser Gattung. Ihre Bücher bestechen durch ausgefeilte, tiefe Charaktere, durch ein tolles Setting und eine mitreißende Atmosphäre. Der Fantasy-Markt wird Jahr-ein-Jahr-aus überschwemmt mit neuen Büchern. Viele Geschichten sind bereits gut, oft leider auch schlecht erzählt worden, so dass der anspruchsvolle Leser, der nach einem Kleinod sucht, stark selektieren muss.
All diese genannten Attribute fehlen bei Hohlbeins "Infinity" größtenteils. Das Buch beginnt vielversprechend: der Autor breitet eine ganze Welt in den Händen des Lesers aus, in die wir hineinschlüpfen dürfen. Im weiteren Verlauf des Romans erzählt Hohlbein die Geschichte eines gewaltigen Turms (ein Schelm, wer da an Stephen Kings, meiner Meinung nach, brillante Der-Dunkle Turm-Reihe denkt), die die letzte Bastion einer vegetierenden Welt darstellt. Über den Turm wacht die Prinzessin Infinity (zu Deutsch: "Unendlichkeit"), die sich mit dem bösen Führer Craiden auseinandersetzen muss, denn dieser hat eine Art "Superwaffe", mit der er die Prinzessin und den Turm stürzen bzw. zerstören kann.
Klingt doch wirklich wie ein spannender Fantasy-Roman, der zwar nicht mit einer Neuschöpfung des Fantasy-Plots daherkommt, aber Potential hat.
Das erste große Problem ist die von mir bereits angesprochene Charaktergestaltung: Hohlbein schafft es nicht, seine Figuren plastisch bzw. liebevoll auszustaffieren. Sie bleiben entweder blass oder ungewollt unsympathisch. Ich habe zwar manchmal mitgefiebert, aber der größte Teil der Besetzung war mir schlechtweg egal.
Die nächste Problematik, die sich im Fortgang der Handlung immer weiter aufzeigt, ist die Schwafelei Hohlbeins. Ich nannte bereits "Das Lied der Dunkelheit" als ein Paradebeispiel für einen guten Fantasy-Roman. Dieser hat 750 Seiten, ist aber zu keinem Zeitpunkt langweilig oder uninteressant. Hohlbein übertreibt es stellenweise mit seiner gewollten Detailtreue und überlässt dem Leser wenig Platz für eigene Überlegungen und Vorstellungen. Das Schlimmste ist jedoch die konfuse Schreib- und Gestaltungsweise von Herrn Hohlbein. Der Roman ist so immens wirr geschrieben, dass ich manchmal den geschichtlichen Boden unter den Füßen verloren und ein lautes "Häh?" ausgestoßen habe, weil ich nicht mehr wusste, wo sich Hohlbein mit seinem Plot befindet.
Es werden unterschiedliche Handlungsstränge parallel angerissen, fallen gelassen und gelegentlich wieder aufgehoben. Aber nur gelegentlich...
Neben dem inhaltlichen Manko weise ich weiterhin auf die sprachlichen Mängel des Romans hin. "Infinity" ist dermaßen schlecht Korrektur gelesen, dass es jedweder Beschreibung förmlich spottet. Von Rechtschreibfehlern über Satzfehlstellung bis hin zu Logiklöchern, die Kraterausmaße annehmen. Als angehender Germanistikstudent sind mir solche Kriterien zum Genießen eines Buches sehr wichtig; ich denke, auch nachvollziehbarerweise.
Warum dann noch 2 Sterne? Ganz einfach: die Grundidee ist gut und zwischen dem sprießenden Unkraut gedeihen auch einige schöne Blumenknospen, die leider häufig bereits im Keim erstickt werden.
Schade: eine gute Idee ist hier leider schlecht umgesetzt worden!