FACTORY eröffnet das Album so großartig melancholisch, wie es bislang noch kein Song von BAND OF HORSES auf den Punkt gebracht hat. Die Lethargie, empfunden in der Fremde, verkörpert durch den Aufenthalt in einem Hotel, beschreibt Einsam- und Anschlusslosigkeit, aber auch Selbsterkenntnis "It's temporary, this place I am... I fell in some kind of sorry state, but looking back now, I think it's finally time for me to laugh about it and get my things together and find something to say." Eine wegweisende Entscheidung, denn die Band um und mit Benjamin Bridwell, Creighton Barnett, Ryan Monroe, Bill Reynolds und Tyler Ramsey soll uns berichten, wohin ihre Reise nach EVERYTHING ALL THE TIME und CEASE TO BEGIN nun gehen wird.
"You may have stayed too long" hören wir da im zweiten Song COMPLIMENTS. Mit diesem Stück kommen wir auch schon drastisch los von den zuvor gehörten klagenden Streichern und konzentrieren uns mehr auf die Gitarrenriffs von Bridwell und Ramsey, was sich im darauffolgenden Track fortsetzt. Mit "I don't got no one else" antwortet LAREDO sogleich mit Verlustängsten auf seinen Vorgänger. Die schon erwähnten Gitarrenklänge werden dabei um das schon berühmt berüchtigte Tamburin ergänzt (Bill Reynolds), was den Sound der Band recht angenehm erweitert. - Die persönliche Frage, welche sich jedoch spätestens jetzt dem Hörer stellt, ist doch jene nach dem Warum. Warum hört man sich eigentlich derartige Vertonungen von hingebungsvoller Sentimentalität an und für wen sind diese letztlich bestimmt?
BLUE BEARD beginnt zunächst im Stil der FLEET FOXES, eben hippiesakral, geht dann aber schnell in die Einfachheit einer Akustikgitarrendominanz über, die möglicherweise mehr an die jüngsten SHOUT OUT LOUDS erinnern könnte. Obschon der Nennung von Referenzen, kopieren BAND OF HORSES dabei nichts, sie erinnern lediglich daran, das auch andere Melancholiker ähnliche musikalische Vorstellungen haben, behalten aber ihren ganz eigenen Stil unbedingt bei. Dieser wird nicht zuletzt maßgeblich der eindrucksvollen Stimme von Benjamin Bridwell verdankt. Doch auch dieser bedient sich in ON MY WAY BACK HOME einem Kopfstimmengesang, der den THE SHINS entlehnt sein könnte. Untermalt wird der beschriebene Heimweg von reichlich Percussions, die dem rhythmischen Treiben einen pilgerartigen Hauch von Aufbruchsstimmung verleihen und Zeilen wie "On my way back home, a chance I thought of all my favorite songs and were I'd gone wrong" weniger banal erscheinen und andere, wie "I'm pissing my life away in the form of a song" verzeihen lassen.
Der Titelgeber INFINITE ARMS kommt dann doch etwas konventionell daher und kann nicht ganz das halten, was von ihm und seiner Stellung erwartet wird, obgleich das beneidenswerte Songwriting von Bridwell wieder einmal zu becircen weiß. Es dominieren Keyboard und Gitarre - ruhig und unspektakulär.
An Geschwindigkeit wird dann in DILLY etwas zugelegt, was bei einem nach-nächtlichen Umtrunk in Damen- respektive Herrenbegleitung sogar dazu animieren könnte, nochmal das schon lahmende Tanzbein zu schwingen, erzeugt aber im Mindesten ein zufriedenes Grinsen beim Blick in die bereits aufgehende Sonne. Textlich gibt es dabei aber nichts zu lachen, denn "All your life to think of, what a mess you made. Dig a hole in the ground, for your wedding ring... everything that I know, I can't remember now", eröffnet den Blick auf die nächste inhaltliche Tragödie, auch wenn einige "HuHuuHa's" das zu vertuschen versuchen.
Darauf schlägt EVENING KITCHEN dann sofortig in dieselbe Kerbe: "Drive out with the sun in your eyes. You wasted my time. ...My god, don't you hold out your hand. I called off my plans. ...I'm only sorry that it took so long to figure out". Gesungen wird dabei übrigens von 3 Bandmitgliedern, sozusagen im Chor, begleitet von einer Gitarre und sonst nichts. Großartig, so ein Akustikstück im Herzen des Albums, aber ebenso gewagt, denn mancher könnte dies auch für zu fantasielos halten. Macht aber nichts, denn OLDER stellt uns dann vor die Erfahrung einer Country-Nummer, die wirklich ausgezeichnet funktioniert und einmal mehr von Bridwells Gesang ablenkt, der Album #1 und #2 so derart dominierte.
Die auf INFINITE ARMS immer wiederkehrende Abkehr vom eigentlichen Leadsänger ist übrigens insgesamt sehr erfrischend und tut dem gesamten Album unheimlich gut. Und so klingt denn NW APT. am nahenden Ende der Platte nochmal richtig rockig, etwas, was auf den Vorgängeralben gar nicht vorstellbar gewesen wäre.
"Every house not a home but dare do I roam. ...The war was over, the guns laid down. The women, the men, the children saved. Now it's hard to remember it any other way" lautet der Abgesang in NEIGHBOR und bietet damit möglicherweise eine Rechtfertigung an. Enttäuschen kann dieses dritte Studioalbum der "Pferdeband" jedenfalls nicht, kann aber gleichsam auch nicht ganz befriedigen. Bei einer Band, welche schon unter Vertrag eines Majorlabels steht, sehnt man sich dann doch, auch am Ende dieser Scheibe, nach etwas mehr von dem Vielversprechenden und durchaus schon spürbaren richtig großen Auftritt der Gefühle... Und so bleibt offen, ob es denn mit Album #4 vollständige Erlösung geben können wird. Gespannt darf man allemal bleiben, denn bislang wurde doch stets ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gemacht.