'Inferno', das ist der Name der Hölle in Dantes Divina Commedia. Was aber ist die Hölle? Das nach dem Tode erlebte unerträgliche Leiden an den eigenen Taten ' erlebt aus der Sicht jener Menschen, denen man dies Leiden zugefügt hat. Und wenn man schon im Leben beginnt, diese Hölle durchzumachen...?
Hauptperson dieses Romans ist der zunächst im Rückblick erzählende Holländer Gerrit, der sein Leben lang den dunklen Weg gegangen ist, auch über Leichen. Doch die Begegnung mit dem jungen italienischen Arzt Beato erschüttert sein Leben bis in die Grundfesten. Beato scheint gleichsam von Natur aus jenes absolute innere Gleichgewicht zu haben, um das Gerrit, immer wachsam, misstrauisch, zweckgerichtet, sein ganzes Leben lang kämpfen musste.
Nach dieser Begegnung ist nichts mehr wie vorher. Gerrit versucht ihre Folgen abzuschütteln, zunächst mit Erfolg. Doch das, was er als unerträglichen 'Einschluss' in seinem Körper bezeichnet, ein winziges Fünkchen 'Gewissen' oder auch 'wahres Wesen', beginnt unaufhaltsam zu wachsen...
Meisterhaft entfaltet Mieke Mosmuller in der Schilderung von Gerrits Gedanken und seiner Gespräche mit Beato das Seelenleben dieses am Scheidepunkt seines Lebens stehenden Mannes. Der innerliche Weg, den Gerrit geht, ist außerordentlich steinig, immer wieder ist es völlig offen, ob eine Wende sich überhaupt ereignen wird. Und als der Prozess der inneren Umwandlung dann beginnt, ist auch dieser höchst gefährdet. Denn natürlich steht ein Mann wie Gerrit dann vor dem Nichts...
All dies schildert Mieke Mosmuller wie von innen heraus, und gerade dies ist nun einmal das Kennzeichen eines wahrhaft anthroposophischen Werkes: Das Eintauchen in seelisch-geistig Erlebbares und eine Sprache, die dem Leser genau dies wiederum ermöglicht, gerade auch im Kleide eines Romans.