Nachdem ich, aufgrund vieler Empfehlungen aus meinem bekannten Kreis, "The Departed" von Martin Scorsese gesehen hatte, war ich bitter enttäuscht. Dieser Film hatte meinen Geschmack absolut nicht getroffen und ich fragte mich, ob ich mit meiner Meinung allein da stand. Ich konnte nicht verstehen warum dieser Film einen Oscar bekommen hatte, also machte ich mich im Internet auf die Suche nach anderen Meinungen. Überraschenderweise (oder eben auch nicht) fand ich sogar recht viele negative Meinungen, unter anderem schrieb ein Rezensent was für eine Unverschämtheit es sei, diesen Film ein Remake zu nennen da er doch eins zu eins von Infernal Affairs abgekupfert wurde.
Kurzerhand hielt ich nach diesem Film Ausschau, informierte mich und schaute ihn mir daraufhin an.
Die Story (bis auf diverse Kleinigkeiten und das Finale), aus Departed leider schon gekannt, war daher nichts besonderes mehr. Trotzdem konnte mich Infernal Affairs nicht langweilen, was vor allem auf kleinen Details und den Charakteren basiert. Diese sind wesentlich gefühlvoller, menschlicher und komplexer gestaltet, sie fluchen weniger und die Schauspieler sind in ihren Darbietungen durchaus überzeugend.
Auf der einen Seite Tony Leung (u.a. Hero), der den Auftrag bekommt undercover die Mafia zu bespitzeln. Dieser Undercover-Einsatz zieht sich von angesetzten zwei Jahren zu zehn Jahren, in denen Yan (Charakter-Name) tief ins Geschäft mit rein gezogen wird. Yan ist in jedem Fall eine sehr tragische Figur, schließlich hatte er hart dafür gearbeitet Polizist zu werden und musste dann knapp zehn Jahre für die Mafia arbeiten, ohne wirkliche soziale Kontakte. Diese Tatsache nagt auch an seiner Verfassung.
Auf der anderen Seite steht Andy Lau (u.a. House of flying Daggers), welcher als Inspektor Lau den Spitzel aus den Reihen der Mafia mimt. Von Anfang an, mit seinen Worten Ich möchte mit ihm tauschen kann man sich bei diesem Charakter nicht sicher sein. Mir konnte es einfach nicht gelingen ihn als bösen Schurken abzustempeln, denn auch er befindet sich in seinem eigenen Dilemma, welches seine Freundin in ihrem Roman unterstreicht.
Wer einen prunkvollen, mit Kung-Fu angereicherten, asiatischen Film sehen möchte ist hier allerdings falsch. Dieser Film basiert auf menschlichen Beziehungen und Emotionen, was allerdings nicht heißt, dass dieser Film eine reine Gefühlsbasis hat, es wird geschimpft, geschossen und gestorben, demnach also gut einzuordnen in Kategorien wie: Krimi, Drama und Thriller.
Im Großen und Ganzen also eine wirklich runde Sache, ausgefeilte und interessante Story, gelungene schauspielerische Darbietungen, Spannungsbogen und auch für Departed-Kenner ein überraschendes Ende. Und ob man jetzt Departed gesehen hat oder nicht, ihn gut oder schlecht fand... Infernal Affairs ist auf jeden Fall einen Blick wert.