INFECTED! Eigentlich fehlt auf dem Cover das Ausrufezeichen. Der Titel verspricht, was Matt Johnson auch hält. Hinter TheThe verbirgt sich ein Konzept, wie es Jahre später von Leuten wie Trent Reznor mit Nine Inch Nails in anderer Musikrichtung weitergetrieben wird: Ein genialer Kopf, Texter, Komponist und Musiker, setzt seine Ideen um und holt sich über die Jahre wechselnde Mitwirkende. Mehr oder weniger bekannt, zum spielen oder mitsingen. Jedenfalls immer perfekt ergänzend zum "Projekt" TheThe, wobei die Sage von mittlerweile fast 300(!) die Runde macht.
Mit INFECTED, was nun doch schon über zwanzig Jahre auf dem Buckel hat, ist Johnson sein größter und zeitlosester Coup gelungen. Gleich das erste Stück, der Titelgeber, raubt einem den Atem. Dabei hat diese Stück doch TheThe fast zu einer Erfolgsband werden lassen: Es lief doch ein paar Mal auf einer legendären Musiksendung names Formel Eins. Hämmernde Drums, mal echt, mal aus der Drummaschine, kombiniert mit Syntheziser-Sequenzen, die sich auch heute noch gut machen, mischen sich mit Piano und Saxophonklängen, die auch einer Cocktailbar entspringen könnten. Dazu kommt der sehr eindrucksvolle Gesang des Mr. Johnsen. Hätte TheThe in den achtzigern den Durchbruch geschafft, bei Castingshows hätte absolut niemand diesen emotionalen, wütenden und intensiven Vocal auch nur ansatzweise nachahmen können!
Mit "Slow train to dawn" bekommt man ein Duett mit Neneh Cherry. Auf dem Nachfolgealbum "Mind bomb" mußte Sinnead O`Conner dafür herhalten, wobei mir das Duett besser gefällt.
Die kritischen, sarkastischen und zynischen Texte über den american-way- of-life bekommt man jederzeit um die Ohren gehauen. Am meisten jedoch bei "Sweet little bird of truth". Wie bezeichnend der Titel doch ist, wenn man bedenkt das es sich hierbei um die Betrachtung der amerikanischen Bombenangriffe auf Lybien 1985 handelt. Die Funksprüche am Anfang sollen angeblich die echten der damaligen Piloten sein....
Wie bei anderen Musikrichtungen kann man Infected als Maßstab für den Indiependent und das Werk schlechthin für Matt Johnson bezeichnen. Das Konzept des diktatorischen Künstlers, der seine Ideen kompromisslos verwirklicht und die Besetzung permanent ändert, ging voll auf. Ein Meilenstein der innovativen-ja was nun-Musik ist. Immer noch topaktuell, da es nie modern war.
Leider war der Zenith von TheThe damit fast überschritten. Es wurde gemässigter mit den Nachfolgealben. Aber für jemanden, der hieran gefallen gefunden hat sei der Vorgänger "Soul Mining" ans Herz gelegt!