Wenn man heutzutage eine Band finden soll, die die Worte Pech" und Schicksals-schlag" wie keine andere definiert, so muss man leider die Britischen Highclass Thrasher von Evile nennen, die zum einen die letztjährige Tour mit Satyricon can-celn mussten, da sich Gitarrist Ol Drake bei einem gewagten Bühnenstunt die Hand brach und zum anderen vor gerade mal 5 Tagen bei der laufenden Tour mit Amon Amarth durch den tragischen und völlig unerwarteten Tod ihres Bassers Mike Ale-xander den schlimmsten Nackenschlag ihrer noch jungen Karriere verkraften muss-ten. Von der Pommesgabel Crew hierzu nochmals unser herzlichstes Beileid.
Unter solchen Umständen ist es natürlich schwer, eine aktuelle CD zu bewerten, die aber mehr als uneingeschränkte Aufmerksamkeit verdient hat. Infected nation" nennt sich der Nachfolger des vielbeachteten Debüts Enter the grave" aus 2007 und ist in meinen Augen eine der stärksten Veröffentlichungen von der Insel in den letzten zwei Jahren. Nun könnten Spötter behaupten, das die britische Thrash Szene eh brach liegt und Evile nur das entstandene Vakuum zu ihrem Vorteil nutzen, doch dem trete ich energisch entgegen. Die neun auf diesem Prachtstück enthaltenen Titel strotzen nur so vor Eingängigkeit, gesunder, moderner Härte und spielerischem Kön-nen, das es mir als Vertreter der alten Bay Area Schule glatt die Socken von den Fü-ßen riss. Satte Riffgewitter wie beim Titeltrack, fette Moschparts mit genialen Bridges, zu finden auf Now demolition", Midtempo Headbanger, die keinen Nacken-wirbel unberührt lassen (Plague to end all plagues") oder episch lange, abwechs-lungsreiche und recht Thrash untypische Megabrocken, die trotz ihrer Länge niemals langweilig werden und eher dazu einladen, die Teile nochmals zu spielen (Hundred wrathful deities" und Genocide"). Alles in allem eine mehr als abwechslungsreiche Scheibe, die allerdings etwas daran krankt, das die Produktion etwas zu glatt und steril geraten ist und an manchen Stellen ruhig mehr Ecken und Kanten hätte gebrauchen können.
Infected nation" wird als Abschiedsalbum für Mike Alexander in die Analen der Band eingehen, doch man darf nicht den Fehler machen, diese Scheibe nur als solche zu betrachten und darauf zu reduzieren. Dafür sind Evile auf diesem in Silber gepress-ten Thrash Juwel einfach zu gut. Jeder, der bei Namen wie Forbidden, Testament oder Vio-lence jetzt einen feuchten Schlüppi bekommt, sollte dringendst in den nächsten Laden stiefeln, um sich das Teil ins Regal zu stellen, es lohnt sich.