Hahn, Hans-Werner: Die industrielle Revolution in Deutschland, in: Gall, Lothar(Hg.): Enzyklopädie deutscher Geschichte (Band 49), Oldenburg ³2011, 182 S.
Die industrielle Revolution ist, mit wechselnden Blickwinkeln und Schwerpunkten, immer wieder Gegenstand gegenwärtiger Forschungsliteratur. Professor Hahn geht in der überarbeiteten Neuauflage seines bereits 1997 für die EDG-Reihe erschienenen Bandes auf diese ein und schafft sowohl über die Fachgeschichte als auch über aktuelle Tendenzen der Forschung einen guten Überblick.
Er gliedert sein Buch in drei Teile, ersterer bietet einen enzyklopädischen Überblick des Themas, der zweite zeigt Grundprobleme und Tendenzen der Forschung auf und im dritten Teil befindet sich eine sehr ausführliche Literatur- und Quellenbibliographie.
Speziell für die Prüfungsvorbereitung eignet sich meiner Meinung nach der erste Teil, da dieser auf die inhaltlichen Schwerpunkte und Perspektiven des Themas eingeht. Dass er dabei nicht ins Detail gehen kann, erklärt sich von selbst, da die Seitenzahl im Rahmen der Enzyklopädie beschränkt ist und es sich hierbei um Einführungsliteratur handelt.
Möchte man sich eingehender mit dem Thema beschäftigen, beispielsweise für eine Hausarbeit recherchieren, dann bietet sich sowohl der zweite als auch dritte Teil des Buches an. Letztendlich sind diese beiden durch Hahns Darstellungsweise eng verknüpft, greift er doch die seiner Meinung nach wichtigsten Werke in den 'Grundproblemen und Tendenzen der Forschung' auf und kommentiert diese. So ist es doch sehr dienlich sich einerseits eingehend mit der Bibliographie zu beschäftigen als auch die speziell nach Themenschwerpunkt gesonderten Punkte zu lesen, da man sich bereits einen inhaltlichen Überblick über die Werke machen kann. Gleichzeitig informiert man sich über die Kontroversen in der Forschung und kann sich vor allem als Einsteiger in einer sehr ausführlichen und breiten Forschungsliteratur orientieren. Besonders gut hat Hahn dabei einen sehr wichtigen, doch vor allem in der Schule oft vernachlässigten Punkt herausgearbeitet: die Geschichtswissenschaft ist immer nur der Spiegel ihrer Zeit. Es gibt auch in der Geschichte der industriellen Revolution keine klaren Fixpunkte. Allein schon der Begriff und die zeitliche Eingrenzung sowie der Prozess der Industrialisierung werden heftig diskutiert. Möchte man über den Tellerrand der Prüfungsvorbereitung hinausspähen, so ist es zu empfehlen auch diesen Teil, trotz der oft fachspezifischen Ausschweifungen und vielen verschiedenen ambivalenten Forschungsmeinungen, zu lesen. Vor allem die ersten beiden Kapitel im zweiten Teil des Buches empfehle ich sehr zur weiterführenden Ergänzung bei Prüfungsvorbereitungen: das erste Kapitel geht auf die Problematik des Begriffes der industriellen Revolution ein, das zweite Kapitel zeigt die Ursachen und Vorbedingungen auf. Besonders wichtig ist es auch den Nachtrag zum aktuellen Forschungsstand zu lesen, da dort Forschungsansätze genannt werden, die besonders in den letzten zehn Jahren an Gewicht gewonnen haben. Beispielsweise geht er dabei auf die bis dahin ganz unbeachtete doch wichtige Rolle der Frau ein. Was ich vermisse, ist ein aktueller Nachtrag zur Umweltgeschichte. Dieser Teil wird zwar im siebten Kapitel behandelt, doch geht er nicht auf den neuesten Stand der Forschung ein, was hinsichtlich der Begrifflichkeit des Klimawandels und der Industriestaaten doch von Relevanz wäre. Andererseits erklärt Hahn in seinem Vorwort, dass es in der EDG Reihe eigenständige Werke zu diesen Themenkomplexen gibt.
Hinsichtlich der Sprache arbeitet Professor Hahn klar und verständlich. Es lässt sich flüssig lesen und manche industrielle Prozesse sind auch durch Beispiele gut untermauert. Allerdings finden sich vor allem im zweiten Teil viele fachspezifische Ausdrücke, die es dem ungeübten Leser schwer machen, den Themen unkonzentriert zu folgen. Das gilt aber vor allem für Personen, die das Werk als erste Einstiegsliteratur nutzen und mit den Begrifflichkeiten rund um die industrielle Revolution noch nicht so gut zurechtkommen. Die meisten Fachausdrücke werden im ersten Teil im Zusammenhang mit ihrer
zeitgeschichtlichen Einordnung erklärt. Als Einsteiger wäre es aber sinnvoll, sich diese noch einmal in einem Lexikon nachzuschlagen und sich zu verinnerlichen, damit man manchen Dingen auch genau folgen kann.
Es ist natürlich klar, dass ein so schmaler Band nicht alle Verzweigungen und Inhalte eines so komplexen Themas fassen kann. Das gibt Professor Hahn selbst in seinem Vorwort zu. Der Anspruch des Bandes ist klar fixiert. Es ist Einführungsliteratur, die zur weitergehenden Beschäftigung einlädt.
Rezension von Eileen Eichstädter, Germanistik- und Geschichtsstudentin