Das Buch besteht aus 5 Teilen. Teil 1 liefert eine sehr gute Einführung der Herausgeber, einem Autorenteam der WHU ' Otto Beisheim School of Management. Aus der Einführung wird ersichtlich, warum westliche Unternehmen überhaupt in F&E in China oder Indien investieren sollten. Hauptgrund ist laut den Autoren die maßgeschneiderte Entwicklung neuer Produkte für das immer attraktiver werdende mittlere Marktsegment in diesen Ländern. Hier wird schon deutlich, dass das Thema des Buchs nicht nur für F&E-Manager und den CTO interessant sein sollte, sondern für die gesamte strategische Ausrichtung eines Unternehmens relevant ist. Erstaunlich ist zunächst, dass Kostenmotive beim Aufbau von F&E in Schwellenländern laut der Autoren nur eine untergeordnete Rolle spielen; vor dem Hintergrund der strategischen Bedeutung einer solchen Entscheidung wird dies dann aber überzeugend dargestellt.
Kern des Buches sind die Teile 2 bis 4, in denen hochrangige Manager aus den Unternehmen Siemens, Sartorius, General Electric, SAP, Schott, Claas, Evonik Degussa, MAN, Continental, Dell, Tyco Electronics, Suspa und AT Kearney ihre Erfahrungen mit ihren F&E-Standorten in China und Indien schildern. Insgesamt ist dies ein Mix sehr unterschiedlicher Branchen und Größen. Teil 5 ist schließlich eine Zusammenfassung der Autoren über die wichtigsten operativen Erfolgsfaktoren beim Aufbau und Management eines Standorts. Neben harten (Organisation, Formalisierung, Strategie etc.) sind dies auch weiche Faktoren wie Kommunikation, Networking, Trainings etc.
Insgesamt ist das Buch schlüssig aufgebaut und hält, was es verspricht: Ein Stand der F&E in China und Indien anhand vieler Erfahrungsberichte mit vielen Anregungen für die tägliche Praxis. Allerdings gibt es auch ein paar verbesserungswürdige Punkte: Andere Emerging Markets außer China und Indien werden kaum oder gar nicht betrachtet. Teilweise sind die Erkenntnisse aus den einzelnen Beiträgen etwas redundant. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache und verdeutlicht nur ihre hohe jeweilige Bedeutung. Letztlich drängt sich die Frage auf, warum das Buch nicht komplett auf Englisch verfasst wurde. Alles in allem handelt es sich aber um eine sehr lesenswerte und spannende Lektüre, die ein bisher noch relativ wenig berücksichtigtes Feld anschaulich aufbereitet.