Hajo Bergmann ist Journalist und Dokumentarfilmer. Seit 1989/90 ist er bereits öfter nach Pakistan gereist, vor allem um zum Thema Sufismus zu recherchieren. 2008 hat er zwei Reisen in dieses faszinierende Land unternommen, um für Arte eine Filmreihe über die "Indus-Welten" zu filmen. Eine Reise geht in den Norden, eine in den Süden des Landes. Der Indus gibt sozusagen die natürliche Reiseroute vor. Und entlang dieses Flusses hat Bergmann so manches Abenteuer erlebt. Er trifft verschiedene Menschen, die ihm einen Einblick in das Alltagsleben in Pakistan gewähren - darunter eine Kriminalreporterin in Karatschi, eine Menschenrechtlerin, einen Derwisch und viele mehr. Gemeinsam mit seinem Kameramann erlebt Bergmann, wie sich das Land seit dem 11. September 2001 verändert hat - teilweise, ohne dass die Menschen in Pakistan dies wissen. Sie merken es zwar, kennen aber oft überhaupt nicht den Grund dafür, dass keine Touristen (v.a. Bergabenteurer, denn für die hat Pakistan ja einiges zu bieten) mehr kommen. Die Folgen sind verheerend und für viele existenzbedrohend.
In Indus-Welten widmet sich der Autor zusehends der politischen und sozialen Wirklichkeit in einem Land, über das wir zwar jeden Tag in den Medien hören, aber über das wir eigentlich nichts wissen. Aber auch sein "Spezialthema" - der Sufismus, spielt natürlich wieder eine Rolle.
Die Lektüre ist durchgehend spannend, denn man hat den Eindruck, ein völlig neues Land kennenzulernen, das mit dem Bild, das in den Medien vermittelt wird, kaum etwas zu tun hat. Man erlebt aber auch die Tragik Pakistans, das seine jungen und gebildeten Menschen zusehends ans Ausland verliert. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Auf der einen Seite die Landlords, die oft nichts anderes als moderne Sklavenhändler sind, auf der anderen Seite bitterarme Menschen, die das Überleben ihrer Familien nicht mehr gewährleisten können. Bergmann berichtet von einer Umweltkatastrophe - dem Desaster am Mancharsee, dessen ökologisches Gleichgewicht völlig zerstört wurde, weil das salzige Grundwasser von pakistanischen Feldern in ihn geleitet wurden (statt in die Arabische See, was wohl teurer gewesen wäre). Es ist eine ähnliche Tragödie, wie mit dem Aralsee, nur das noch niemand vom Mancharsee gehört hat...
Hajo Bermann schafft es, für viele Themen zu sensibilisieren - nicht zuletzt für einen kritischeren Umgang mit von Medien transportierten Aussagen.
Zahlreiche Bilder im Innenteil (farbig und s-w) zeigen die faszinierenden Menschen und Landschaften, von denen der Autor berichtet.