Als Einführung - wie ausgewiesen - ist die Neuerscheinung "Indischer Film" von Matthias Uhl mit einem Beitrag von Keval J. Kumar durchaus brauchbar, schon mangels vergleichbarer deutschsprachiger Untersuchungen. Allerdings beziehen sich die Kapitel überwiegend auf die Geschichte des indischen Films und stützen sich auch dabei auf relativ wenige Filme. Auch der Informationsgehalt ist zwar gut fundiert, aber sehr knapp gehalten. So hätte man sich sehr viel genauere Untersuchungen sowohl zur visuellen Machart und den Besonderheiten des indischen Mainstream-Kinos gewünscht als auch zur Thematik und Motivik und deren Grundlagen in der indischen sozialen und politischen Realität. Im Kapitel "Kino und Gesellschaft" könnten die Filme in ihrem Spannungsverhältnis zwischen Zensur, religiös-fundamentalistischen Forderungen von außen und ihrer moralischen, emanzipierenden und häufig menschenrechlichen und modernisierenden Botschaft deutlicher erläutert werden. Es wird außerdem auf die Wichtigkeit des Starsystems verwiesen, dieses aber nicht entsprechend deutlich gemacht. Große Stars der letzten Jahre werden kaum erwähnt, ihr Einfluss auf die Gesellschaft (Mittelschicht) nicht genügend zur Sprache gebracht. Es fehlt eine Untersuchung der Rolle von männlichen, bzw. weiblichen Stars und ihre jeweilige Funktion im Film wie gegenüber der sozialen Realität. Der relativ große Anteil von Moslems oder anderen religiösen Minderheiten in den Filmstudios bleibt ebenfalls völlig unberücksichtigt. Das Buch gibt also einen ersten Eindruck, der aber auf gründlichere und aktuellere Untersuchungen neugierig macht.