In diesem Buch werden Alltagsgerichte vorgestellt. Gerichte also, die zeitlich und vom Aufwand eher anspruchslos sind - eine gewisse Routine vorausgesetzt.
Außerdem gibt die Autorin auf den letzten Seiten wertvolle Tips indischer Hausfrauen. So empfiehlt sie, die Grundzutaten Ingwer und Knobi einmal im Monat zu einer Paste zu pürieren, um später wertvolle Zeit zu sparen. Auch lüftet sie das Geheimnis um die vielen Gewürze. Denn letztendlich verwendet sie nur drei Hauptgewürze, die dann je nach Rezept erweitert werden. Überraschende Beichte: Ihr Garam Masala mörsert sie in der Kaffeemühle. Eine praktische Hausfrau eben.
Bharadwaj verzichtet in ihren Rezepten konsequent auf Fertigbrühen und fetthaltige Zutaten. Geschmacksverstärker und Geschmacksträger fallen damit weg. Das war für mich zunächst sehr gewöhnungsbedürftig! Wenn nicht sogar enttäuschend. Denn die Gerichte sind so gar nicht die, die ich aus den indischen Restaurants kenne. Aber das ist nur scheinbar so. Ich koche jetzt seit fast einer Woche aus diesem Buch (Es war teuer genug) und so langsam habe ich meinem Gaumen das Glutamat abgewöhnt und gelernt "hinzuhören". Trotzdem: Es sind - wie bereits erwähnt - Alltagsrezepte. Festessen, die auch im Westen sehr Fett und damit Geschmacksstark sind, sind in diesem Buch eher nicht zu finden. Obwohl... Manche Rezepte überraschen dann doch und das ohne Fett und Glutamat.
Erfahrung: Bei manchen Rezepten sollte man vorsichtig mit den Gewürzen sein. Gerade Kümmel und zuviel Ingwer machen das Essen schnell bitter. Das Eier-Spinat-Curry habe ich diesbezüglich versemmelt. Aber dafür entwickele ich so langsam ein Gefühl für die Gewürze.
Manko: Zwar minimiert die Routine bei der Verwendung der Gewürze den Zubereitungsaufwand (Man muss nicht für jedes Gericht neu Einkaufen, Hausfrauenpraxis eben), leider ist dies auch ein großer Nachteil. Denn viele Gerichte schmecken ähnlich. Ein zweites Manko ist, dass manche Rezepte zu exotische Gemüse- und Fleischarten verwenden. Ganz nach indischer Tradition wird neben Fisch, Huhn nur Lammfleisch verwendet. Und ich habe leider keinen türkischen Schlachter um die Ecke. Da Lammfleisch seinen intensiven Geschmack an das Gericht insgesamt weitergibt, schmecken die Fleischrezepte "leer" wenn man Rind- oder Schweinefleisch aus dem Supermarkt als Ersatz nimmt. Ich werde mir in Zukunft damit behelfen, etwas Rindfleischbühe unterzumischen. Vielleicht kann man damit die Fleischrezepte Supermarkt tauglich machen. Und manche Zutaten, wie Malzessig, bekommt man weder im Asiashop noch bei Kaufhof. In Köln gibt es glücklicherweise einen Englishshop, sonst bleibt nur das internet.
Fazit: Dass Frau Bharadwaj diese Gericht zu Hause für ihre Familie kocht, glaube ich ihr sofort. Und genau so ein Buch habe ich gesucht. Rezepte, die man auch nach einem stressigen Arbeitstag kochen kann. Wer indische Restaurantküche sucht, ist hier leider falsch. Mein Fazit: Insgesamt sehr zu empfehlen.
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Nachtrag 8.Jan.2012
ich koche jetzt seit 3 Monaten zu 90% indisch. Natürlich benutze ich auch andere indische Kochbücher. Aber das Buch von Monisha Bharadwaj bleibt mein Referenzwerk: Ihre Methode gewürze vorab in einer Pfanne ohne öl zu rösten finde ich immer wieder praktisch, und da ihre rezepte rezepten aus anderen büchern ähneln, kann man schnell bei monish nachschlagen um die kocherei abzukürzen.
PS: von meinem vorhaben, rindfleischbrühe den lammgerichten unterzumischen, bin ich abgekommen. der erhoffte effekt bleibt aus. wenn ich kein lammfleisch bekommen kann, dann soll es eben so sein. persönlich liebe ich geflügelfleisch und gerichte mit huhn sind auch am schnellsten zu kochen. der verzicht auf schweine, rind- und lammfleisch ist insofern nicht weiter tragisch.