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Indigo: Roman [Gebundene Ausgabe]

Clemens J. Setz
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

9. September 2012
Im Norden der Steiermark liegt die Helianau, eine Internatsschule für Kinder, die an einer rätselhaften Störung leiden, dem Indigo-Syndrom. Jeden, der ihnen zu nahe kommt, befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Der junge Mathematiklehrer Clemens Setz unterrichtet an dieser Schule und wird auf seltsame Vorgänge aufmerksam: Immer wieder werden Kinder in eigenartigen Maskierungen in einem Auto mit unbekanntem Ziel davongefahren. Setz beginnt, Nachforschungen anzustellen, doch er kommt nicht weit; er wird aus dem Schuldienst entlassen. Fünfzehn Jahre später berichten die Zeitungen von einem aufsehenerregenden Strafprozess: Ein ehemaliger Mathematiklehrer wird vom Vorwurf freigesprochen, einen Tierquäler brutal ermordet zu haben. Und jetzt noch einmal von vorne. Vergessen Sie die Zusammenfassung einer Romanhandlung, die sich jeder Zusammenfassung entzieht, und lesen Sie das Buch. »Indigo« von Clemens J. Setz. Sein viertes insgesamt. Sie werden feststellen: Das »radikale Gegenprogramm zur hübsch verkasteten Literaturwerkstättenliteratur« (»Die Welt«) geht weiter. Rasend spannend und so erholsam wie eine gute Massage. Hinterher spüren Sie jeden Muskel.

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Produktinformation

Leseprobe Jetzt reinlesen [PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 479 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 3 (9. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351842324X
  • ISBN-13: 978-3518423240
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 37.603 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Man kommt nicht heil davon weg. Es herrscht Suchtgefahr.«

(Andreas Platthaus Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Souverän jongliert Clemens Setz mit eingestreuten Fotos, handschriftlichen Einfügungen und wechselnden Typografien, mit Anspielungen aus der Literatur, aus Musik und Film, Kunst und Comic.«

(Kristina Pfoser ORF.at )

»Seine Konstruktionen sind gewagt und abenteuerlich gut.«

(Peter Pisa Kurier, Wien )

»... Indigo ist irrwitzig, ambitioniert und selbstironisch.«

(Helmut Böttinger Süddeutsche Zeitung )

»Dass sein Text sogar den Körper der Leser erfasst, infiziert, angreift - das ist vermutlich das größte Kompliment, das man Setz machen kann.«

(Eva Behrendt die tageszeitung )

»Clemens J. Setz macht in Indigo aus einem schauerromantisch- esoterischen Plot eine große Erzählung über fingierte Wirklichkeit.«

(Jan Wiele Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Clemens J. Setz ... ist vor allem eins: verblüffend originell.«

(Ulrike Sárkany ndr.de )

»Entdecken Sie dieses Buch, lassen Sie sich darauf ein, es ist ein Abenteuer.«

(wien-heute.at )

»Setz begibt sich, mit journalistischem Spürsinn und mit immer größerer, verhängnisvoller Hingabe, auf die Suche nach den verschwundenen Kindern.«

(Focus Online )

»Indigo ist der rare Fall eines literarischen Werkes, das sich seine eigenen Gesetze schafft, von keiner Absicht außerhalb des eigenen Kosmos bestimmt. Und dabei ist der Roman in einer ungekünstelten Sprache geschrieben, dialog- und abwechslungsreich, amüsant und anekdotisch, aber auch brutal und abgründig.«

(Volker Hage Der Spiegel )

»Dass Indigo das interessanteste, zu Diskussionen einladende Buch des Herbstes ist, daran besteht kein Zweifel.«

(Verena Auffermann dradio.de )

»Ein unverschämt gutes Buch.«

(Steirerkrone )

Über den Autor

Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren. Er studierte Mathematik und Germanistik und lebt als Übersetzer und freier Schriftsteller in Graz. Für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes wurde er 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Distanz in allen Dingen 7. Dezember 2012
Von monsieur le M VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Viele Lobeshymnen hab ich gelesen, ich weiß nicht, von welcher Zeitschrift die letzte. Immer war es sehr intellektuell & geistreich; es war wichtig. Setz treffe den Kern einer Sache (einer Generation!!), sein Zynismus, sein Spiel sei Zeitgeist & brilliant. Es war trotzdem nicht auf meiner persönlichen Shortlist, & wäre mein Buchclub nicht gewesen, ich hätte vermutlich nie danach gegriffen. Sei's drum. "Indigo" also, das hab ich grade weggelegt, & bin... entnervt.

Schon wieder so ein intellektuelles Heißgebläse, dem man den Stempel "postmodern" aufdrückt, um es rechtfertigen zu können. Pynchon soll ich vorher lesen, um die Tragweite zu begreifen. Die ganzen Spielereien, das In-die-Irre-Führen... Ja, mei. Vielleicht versteh ich auch den österreichischen Schmäh - Augenzwinkern, Augenzwinkern -, nicht... Ja, theoretisch ist das alles möglich. Was ist aber das faktische Haben?

Setz bzw. Seitz ist (1) Mathematiklehrer in einem Institut für Kinder mit dem Indigo-Syndrom; einer Art... Krankheit, die andere Menschen krank macht (um es mal komplett zu vereinfachen); (2) ein Journalist auf der Suche nach verschwundenen Indigo-Kindern; oder (3) eine Mischung aus beiden. Dann haben wir Robert, einen ausgebrannten Dingo, ein Indigo-Twen, der keinen mehr krank macht, weil seine "Werte" im Laufe der Jahre weniger wurden, & er damit "schwächer" in seiner Brennglaswirkung. Seine Freundin hat zwar ein kleines Tablettenproblem, & vielleicht gibt es da einen Zusammenhang, aber wie auch immer. Dazwischen findet sich desweiteren die Familie Stennitzer (in deren Mittelpunkt das nächste Indigo-Kind, Christopher, steht), & noch viele andere wunderliche Charaktere, wie Ferenc bspw. (der mit dem Glühbirnenkopf). Ein bisschen SciFi, ein bisschen Fantasy, durchgemischt mit vielen popkulturellen Verweisen & Gesprächen, wie man sie in der Generation 20+ schon überall auf jeder Party mal gehört hat. Legen wir es noch als Puzzle an, dann haben wir eigentlich eine gute Geschichte. Denn alles ist mysteriös, geheimnisvoll. Man weiß nicht, woher das Indigo-Phänomen kommt; auch nicht, wohin manche Kinder plötzlich verschwinden. Warum reagieren manche Menschen so empfindlich auf Tiere (oder Tierbilder), sobald sie längere Zeit den Indigos ausgesetzt sind oder waren? Was sind das für Schwitzkuren, warum wird Setz bzw. Seitz eigentlich wirklich aus dem Institut entlassen, &c. &c. &c. Die Kette an Fragen, die sich dem Leser im Laufe der Geschichte um den Hals wickelt, ist schier endlos. Kapitel um Kapitel sucht man nach Zusammenhängen, blättert manchmal vielleicht sogar zurück, weil man glaubt, etwas Wesentliches verpasst zu haben - immer ist Setz bzw. Seitz dem Leser einen Schritt voraus.

Was ist bei der Familie Tätzel bspw. wirklich passiert? Worum geht es bei den Interferenzen?
Oder mit anderen Worten: Was hat hier etwas überhaupt mit etwas anderem zu tun?
Aktueller Zwischenstand: nichts mit gar nichts.
Oder anders: Es ist alles ein großer Scherz, ein Augenzwinkern.

Natürlich sind Robert, eine Fiktion in der Fiktion, & Setz bzw. Seitz sich jeweils Spiegelbilder. Der eine malt Tierbilder, dem anderen wird davon schlecht. (Was mich übrigens an "Do Androids Dream of Electric Sheep?" von Philip K. Dick erinnerte, wo vermeintliche Menschen als Androiden entlarvt werden, weil sie unter anderem nicht genügend bzw. keine Empathie für (ausgestorbene) Tiere aufbringen können - auch das ein Querverweis? Möglich). Auch Roberts Freundin Cordula & Setz' bzw. Seitz' Freundin Julia sind sich Spiegelbilder, allerdings wiederum verdrehte (auch Cordula wird schlecht vom Anblick von Tieren während Julia in einem Tierheim arbeitet & manchmal sehr präzise Schilderungen von den Tieren gibt). Alles eine Frage des Mitleids? Eine Infrage-Stellung unserer Gesellschaft, in der gerade Empathie oft Mangelware ist? Immerhin: was täten wir mit Kindern, die so eine Symptomatik aufweisen?

Okay, gekauft. Meinetwegen, da gibt es also eine Meta-Ebene, & die funktioniert sogar in ihrer Vielschichtigkeit. Zumindest bis zur eigenen Grenze - zur Distanz, welche die Menschen im Buch zu den Kindern halten bevor sie krank werden. (Oder im umgekehrten Fall: zu Setz bzw. Seitz, der krank von anderen Menschen wird - egal, ob mit oder ohne Indigo-Syndrom). Aber muss das denn alles bitte so wirr sein?

Es ist nicht so, dass ich die Dialoge verdamme - sie sind ihrer stottrigen Fasrigkeit sehr realistisch -, oder das Zusammensuchen von Fragmenten (ich liebe "Die wilden Detektive" von Roberto Bolaño, oder "Leben Gebrauchsanweisung" von Georges Perec, wie könnte ich Puzzle also NICHT lieben?), sondern viel mehr die Plotentwicklung als solche. Dem Leser werden Fragmente gegeben & mit denen soll man spielen. Gesagt, getan. Am Ende aber bleibt nichts als ein Fragment zurück, & dieses will einfach nicht so recht passen. Es fiel mir schwer, mich auf "Indigo" zu konzentrieren; am Anfang, als die Erzählung konstant sein wollte, interessierte mich das Thema - bis zur halben Strecke, dann las ich aus Neugier. Bis zu den letzten zwei Teilen, da dann nur noch aus Verzweiflung, weil ich schon ahnte, dass es kein Ende geben würde. Zu oft spielt Setz bzw. Seitz auf offene Enden an (die Frauen in Brooklyn sind nur eine Episode von vielen).

Keiner der Momente will wirklich schlüssig sein - Spiegelbilderlogik hin oder her. Zu viel wird gequasselt & mit Bedeutung aufgeladen, nur um eine Seite weiter gegen die nächste Wand zu fahren; alles führt in die Übelkeit, ins Absurde. Ein Panorama ohne Grenzen. Das nennt man dann postmodern, & schon klatscht die Meute Applaus... ? Ich meine... ernsthaft? Will mir jetzt wirklich einer erzählen, der Sinn des Buches liege im Rätselraten auf das es keine Antworten geben kann, weil sie nicht im Buch sind? Seriously? & das funktioniert?

Ich für meinen Teil sitze jetzt neben dem zugeschlagenen Buch & frage mich, was es für mich bedeutet hat. Ein Puzzle darf offene Enden haben, ein surreales Bild darf mich verstören - beides schlüssige Argumente. Beide treffen aber auf "Indigo" nicht zu. Nicht für mich. Es ist nicht so, dass ich auf Erklärungen gewartet habe, auf Knoten in offenen Enden, o Gott nein. Dass sich ein Indigo im privaten Häuschen auf dem Grundstück der eigenen Eltern erhängt? Ja, das ist plausibel, das mag ich. Auch die Entwicklung einzelner Charaktere - wie Cordula, die Robert beglückwünscht, als er sie mit einem gezielten Schlag zur Trennung bringt, &c.

Ich mag das Gefühl nicht, dass mir als Leser damit vermittelt werden soll: das hier, das ist der postmoderne Roman, & so ist er beschaffen. Schau an, da läuft er über vor lauter Intelligenz. Wir haben Themen von 100 Jahren Kultur verpackt auf 475 Seiten; unsere Gesellschaft ist dies & das, & von allem zu wenig... La-ti-da. Okay... Ja, gut, dann, also... äh. Wenn das der postmoderne Roman ist, dann warte ich tatsächlich lieber auf die nächste Epoche, danke. Am Ende nämlich, da bleibt mir nichts - kein Mitgefühl für die Charaktere, kein Aha-Effekt der Rätsel wegen, kein - Nichts. Ich habe ein paar Tage mit diesem Buch zugebracht & mich zugegebenermaßen mitreißen lassen von der anfänglichen Geschwindigkeit; dass das jetzt aber ein "schlaues" Machwerk sein soll, dessen Bosheit auch noch mit Nabokov verglichen wird, empfinde ich fast schon als Beleidigung. Dieses Infrage-Stellen, das Rätselraten ist kein konstruktives, es führt nirgends hin. Daher... nein, für mich ist dieses Buch nicht mal ein Achtel seines Hypes wert.
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen schwer verdaulich 2. Dezember 2012
Von Andrea H.
Format:Kindle Edition|Von Amazon bestätigter Kauf
Dort, wo die Zusammenfassung der Handlung bei Amazon endet, da ist auch die Handlung des Buches beendet. Das Buch besteht in der zweiten Hälfte aus Einzelszenen,wie z.B. Männern bei Schwitzkuren, einer Videovorführung oder einer Beerdigung. Es hat zwar alles mit dem Thema des Buchs zu tun, bringt aber dem Leser keine Erkenntnisse zur Story.
Es sieht beim Lesen immer so aus, als steuere die Handlung auf etwas Wichtiges zu. Man liest und liest und hofft, endlich irgendwie Licht ins Dunkel zu bringen, doch dann gibt es plötzliche Themenwechsel oder die Handlung gleitet in Banalitäten und vage Andeutungen ab. Wie einfach ist es doch für einen Autor Geschichten ohne Ende zu schreiben? Es gibt da die Geschichte von den Frauen, die an einer Babyklappe Schlange stehen. Alle Frauen haben entweder ein Baby dabei oder sind hochschwanger (um ihre Kinder gleich rittlings auf der Babyklappe sitzend zu gebären!), ausser einer Frau, die allein ist und auch nicht schwanger. Die anderen Frauen wollen wissen, warum sie da steht und wartet, aber sie reagiert nicht. Dann ist sie dran und alle sind gespannt, was nun passiert. Und nun? Abrupter Themenwechsel, der Leser erfährt es nicht. Eine der vielen kleinen Stories ohne Ende. Das Buch liefert keine Erkenntnisse, sondern offene Enden und Andeutungen.
Am schlimmsten sind die Dialoge. Sie wirken konstruiert und die Sprecher fallen sich entweder dauernd ins Wort, so dass es niemals zu einer vernünftigen Aussage kommt, oder sie reden nur vage um den heissen Brei herum. Das ist schlicht unerträglich. Im Buch macht Herr Setz zwei Besuche bei Indigo-Familien. Die Gespräche dort sind wie eben beschrieben. Zusätzlich dazu wird dann noch dem Leser der Eindruck vermittelt, er hätte etwas Wichtiges überlesen, weil an anderer Stelle im Buch, diese Besuche betreffend, von anderen Leuten erstaunt gefragt wird: "Ja, haben Sie denn nichts gemerkt? Das hätte Ihnen doch auffallen müssen..." usw. Und wieder nur vage Andeutungen, aber keine konkreten Aussagen. Und so zieht sich das das ganze lange Buch hin.
Gewürzt wird das Ganze dann noch durch absichtlich eingestreute sinnlose Nebensächlichkeiten, wie z.B. der fast überall presente iBall, dessen Funktion scheinbar nicht mal der Autor kennt, der mit der Handlung absolut nichts zu tun hat, der aber dem nach Erkenntnis suchendem Leser den Eindruck vermittelt, er wäre noch irgendwann in dem Buch wichtig. Auch wird Herr Setz im Buch in der Anfangsphase ein paar mal mit i, also Seitz geschrieben, ohne Sinn, ausser vielleicht den Leser absichtlich zu verwirren.
Alle Protagonisten haben übrigens psychische Probleme oder irgendwie eine Schraube locker. Beginnend bei Herrn Setz, der zunehmend wahnsinniger wird, Robert Tätzel, der mit sich selbst in Batman-Sprache kommuniziert, seiner tablettensüchtigen Freundin Cordula, dem Professor in der Helianau, der ein seltsames Verhältnis zu seinen Patienten hat bis zur Mutter eines Indigo- Kindes, die nervös und gestört ist. Und noch ein paar andere, die ich nicht alle aufzählen möchte. Das ist der Grund, warum die Szenen mit diesen Menschen immer beklemmend wirken. Sie verhalten sich nicht logisch und normal.
Dazu kommen dann noch die merkwürdigen Tiergeschichten, die in dem Buch erzählt werden. Da geht es um Affen, die entweder einen Abflusshahn am Hinterkopf ins Hirn operiert haben oder denen Drähte aus der offenen Schädeldecke heraus ragen (und dann so gekreuzigt werden). Oder um Hähne, die im Keller gehalten werden, ohne das Tageslicht zu sehen und trotzdem morgens krähen. Es wird von einem Hahn erzählt, dem der Kopf abgehackt wurde und der trotzdem gelebt hat. Und natürlich die Maus mit dem menschlichen Ohr auf dem Rücken. Versuchstiere, einfach nur beklemmende Bilder. Auch sie haben nichts mit der Handlung zu tun.
Und dann hätten wir da noch die rote und die grüne Mappe, die für "go" und "no go" stehen. Zum Schluss des Buches erfährt man, wer da für wen Material in diesen Mappen gesammelt hat. Aber nicht, dass einen das weiter bringen würde oder einen echten Sinn machen... Das Material in diesen Mappen wird von Anfang an alle Paar Seiten willkührlich in das Buch gestreut. Ohne Erklärung natürlich. Da geht es um historische Artikel von "Indigo-Phänomenen", um einsame Telefonzellen in der Wüste und am Ende des Buches finden auch ein paar handgeschriebene Notizen von Herrn Setz dort hinein. Warum auch immer... Der im Dunkeln tappende Leser sucht auch hier nach Erleuchtung, ohne grossen Erfolg. Hier noch eine technische Anmerkung: Ich habe Indigo auf dem Kindle gelesen. Die Artikel aus den Mappen waren grösstenteils in so winziger Schrift, dass ich eine Leselupe gebraucht hätte.
Ach ja: Sie wollen wissen, was mit den relozierten Kindern passiert ist? Sie werden es nicht erfahren, evtl. können sie es ansatzweise ahnen. Aber diese Ahnung wird unbestätigt bleiben.
Fazit: Ein für mich absolut unbefriedigendes Leseerlebnis. Vielleicht würde ich noch zu der ein oder anderen kleinen Erkenntnis gelangen, wenn ich das Buch noch einmal lesen würde. Das tue ich mir aber sicher nicht an. Ich habe dieses Buch überhaupt zu Ende gelesen, weil ich bis zur letzten Seite auf ein "Aha"-Erlebnis gewartet habe, das aber nicht kam. Das Buch ist beklemmend und verwirrend. Ich würde es niemanden aus meinem Freundeskreis empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kleiner Literatursalat - altbewährtes Rezept 4. März 2013
Von eyas
Format:Gebundene Ausgabe
"Indigo" ist ein Paradebeispiel für einen postmodernen Roman. Alles, was man so von Romanen weiß und erwartet, wird ein bisschen durchmischt. Am Ende weiß man dann: Man kann sich auf kein Ordnungskriterium verlassen außer darauf, dass alles Fiktion ist. "Indigo" ist ein bisschen Krimi, ein bisschen Science Fiction, ein bisschen Entwicklungsroman, ein bisschen Gesellschaftskritik, aber ganz sicher Literatur.

Entsprechend schwer ist es, eine Handlung nachzuerzählen, denn selbstverständlich gibt es keine richtige Handlung.
Die Handlung spielt von 2013 aus gesehen in der unmittelbaren Zukunft. In dieser Zeit sind manche Kinder von einer rätselfhaften Krankheit befallen, dem Indigo-Syndrom, das ihren Mitmenschen Migräne und Schwindel verursacht. Sie bilden eine einsame, von den Eltern gleichzeitig zur Plage und zur Erlösung stilisierte, Elite. An einem Internat soll der Mathelehrer Clemens J. Setz diese Jugendlichen unterrichten. Der etwas verwirrte Lehrer, der neben seiner Verwirrtheit vor allem darunter leidet, dass er keine Darstellungen von leidenden Tieren ertragen kann, macht die Beobachtung, dass aus diesem Internat, gelegentlich Kinder verschwinden. Keiner will über dieses Verschwinden reden. Er macht sich auf die Suche und trifft auf seltsame Verhaltensweisen. Während seiner Zeit im Internat rät ihm seine Freundin, seine Probleme mit den Jugendlichen zu therapieren, indem er über die Kinder schreibt.
Den zweiten Erzählstrang bildet die Geschichte Roberts, eines Schülers des Internats, der von dem Lehrer unterrichtet wurde. Zwischen ihm und dem Mathelehrer gibt es deutliche Parallelen.

Beide Erzählstränge werden in Fragmenten präsentiert. Man liest Aufzeichnungen und Rechercheergebnisse des Lehrers Setz in einer fingiert ungeordneten Reihenfolge.

Clemens J. Setz - der Autor - beherrscht das Erzählprinzip, das muss man ihm lassen. Der Roman ist großartig konstruiert, sprachlich gut gemacht: in ihrer Sinnlosigkeit beeindruckende Dialoge, witzig; verschiedene Stile werden gut getroffen.

Nur leider besteht der Witz dieser Art von Roman eben darin, dass alle Deutungen ins Leere laufen. Und dieser Witz ist mittlerweile ein alter Hut. Nach 50 Seiten hat man das Konstruktionsprinzip erkannt, man weiß, dass nichts aufgehen wird, dass alle Sinngebungsversuche Sackgassen sind, dass das Puzzle kein Bild ergeben wird. Die weitere Lektüre ist dann amüsant und intellektuell anregend, aber die Luft ist raus.

Ich habe mich über die Perfektion der Konstruktion gefreut, aber dann leider auch ein bisschen gelangweilt. 450 Seiten sind doch zu lang, um sich dauerhaft am Witz des Autors berauschen zu können.
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