Der Westhimalaya ist ein Kulturarchiv besonderer Art: Hier sind aufgrund der langen Isolation dieser Weltgegend Spuren vieler westlicher und östlicher Kulturen erhalten geblieben, die fast überall sonst verlorengegangen, und dabei Zeugnis einer wechselvollen Geschichte sind. Der in Indien entstandene Buddhismus kam über den Westhimalaya Richtung Osten, wo er dann sein Hauptverbreitungsgebiet fand, während er in Indien ab dem 12. Jahrhundert unter islamischem Druck langsam ausstarb. Lange verlief der kulturelle Austausch mit Tibet über die heutigen indischen Bundesstaaten Jammu & Kashmir und Himachal Pradesch. Seit fast 200 Jahren bemühen sich nun europäische Forschungsreisende, die Schätze dieser Region zu sichten und wissenschaftlich aufzuarbeiten. "Indiens Tibet - Tibets Indien" ist ein herrlich ausgestattetes Buch mit hunderten historischer Fotos, die eindruckvoll dokumentieren, wie sich die Kulturstätten im Westhimalaya erhalten, wie nahezu unverfälscht die Kunstschätze der Klöster die Zeiten überstanden haben. Viele der Orte dürfen aus konservatorischen Gründen heute nicht mehr fotografiert werden und das Buch ist eine der wenigen Bildquellen, die man hierzu überhaupt findet. Die vergleichende Gegenüberstellung von Fotografien aus einem Zeitraum von 150 Jahren, zusammengestellt aus vielen hochkarätigen Sammlungen, ist besonders interessant, denn sie zeigt wie die Klöster, Dörfer und Traditionen sich fast wie in einer Zeitkapsel konserviert haben. Das Buch von Peter van Ham beleuchtet die europäische Entdeckungsgeschichte Westtibets, die Entwicklung der Kunst mit den starken Einflüssen aus Indien und Tibet, sowie die heute noch lebendige, wenn auch mittlerweile bedrohte ethnische Vielfalt der Region.
Ein absolut faszinierendes Buch mit unzähligen, außergewöhnlichen Fotos von historischer Bedeutung und einer Fülle an Informationen über eine der kulturell vielseitigsten Regionen der Erde. Sehr gut lesbar und für den Laien aufbereitet. Aus meiner Sicht ein Muss für jeden Tibet-Interessierten.
Soviel Tibet gibt es in Tibet schon seit 50 Jahren nicht mehr....