Aus der Amazon.de-Redaktion
Der neue Roman erzählt von einem Möchtegern-Aussteiger, der mit dem Motorrad auf dem Landweg nach Indien fahren möchte -- und direkt am ersten Campingplatz im nordostenglischen Nichts hängen bleibt. Und zwar ohne jeden wirklichen Grund: Erst ist es schlichte Trägheit, dann -- als die Sommersaison zu Ende gegangen ist und alle anderen Gäste abgereist sind -- sind es ein paar Gelegenheitsjobs wie das Streichen eines Tores und das Flicken von ein paar Booten, die sein Weiter- bzw. überhaupt richtiges Losfahren verhindern. Und ehe er sich versieht, ist es Weihnachten.
Tatsächlich sind die Parallelen zur Zäunlebauersaga nicht zu übersehen. Vom Setting über die Figurenkonstellation bis hin zur Atmosphäre der (von den Handelnden freilich nicht erkannten) Absurdität ihres Tuns -- alles gleich. Die Herren der Zäune haben in der tiefsten Pampa Spanndrahtzäune errichtet, in einem Wohnwagen gehaust und sind jeden Abend in den einzigen erreichbaren Pub gewandert -- der Held des neuen Romans streicht Boote auf einem gottverlassenen Campingplatz, lebt in einem Zelt und unternimmt den gleichen allabendlichen Pub-Spaziergang. Die Zaunbauer stehen in einem genauso unklaren Abhängigkeitsverhältnis ihrem Auftraggeber gegenüber wie unser Indienfahrer gegenüber dem Campingplatzbetreiber; in beiden Romanen wird ungewollt (aber auch ungehindert) aus einem für ein paar Tage geplanten Kurzaufenthalt eine wahrhaft endlose Lebensstellung. Und wie der Weg der Zaunbauer mit ein paar unglücklich ums Leben gekommenen Opfern gepflastert ist, so bleiben auch hier nicht alle Protagonisten am Leben.
Die Liste der Analogien ließe sich noch ewig erweitern. Aber, wie gesagt, das stört eigentlich gar nicht. Denn jeder, der Die Herren der Zäune gelesen hat, wird nach dem Umblättern der letzten Seite traurig darüber gewesen sein, dass schon Schluss sein soll mit dem wilden Treiben, und kann sich nun über eine neue Geschichte im alten Gewand freuen. "Never change a winning concept", wird sich Magnus Mills gedacht haben -- das Ergebnis seiner Überlegungen, dieser großartige Roman, gibt ihm Recht. --Christoph Nettersheim
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Eigentlich sollte es die lang ersehnte Reise in den fernen Osten werden: mit dem Motorrad nach Indien. Doch schon unweit seiner Heimat bleibt der Held aus Magnus Mills neuem Roman hängen - auf einem Campingplatz im Nordosten Englands, malerisch an einem See gelegen, fernab jeglichen Weltgeschehens.
Die Abreise verzögert sich, der Herbst bricht herein, der namenlose Camper bleibt als letzter Gast zurück. Mr. Parker, der Platzbesitzer, bietet ihm an, gegen kleinere Aushilfsarbeiten noch ein paar Tage kostenlos zu bleiben. Warum auch nicht, zur großen Reise aufbrechen kann man ja immer noch. Da wäre erst einmal ein Tor zu streichen. Und ein paar Boote. Aber warum alles in Grün? Planken müssen zersägt, die Hausaufgaben von Mr. Parkers reizender Tochter erledigt, losgerissene Boote zurückgerudert werden. Und irgwie geht jeder d avon aus, dass der Urlauber eines Tages das Milchausfahren übernimmt. Das Lieblingsbier ist zwar alle, aber immerhin klappt die Versorgung mit Baked Beans, und die Dartmannschaft im örtlichen Pub braucht Verstärkung; fast schon gehört er ein bisschen zur dörflichen Gemeinschaft. Aber was steckt hinter dem seltsamen Benehmen der Dorfbewohner?
Magnus Mills erweist sich auch in seinem zweiten Roman als ein Meister der Lakonik, des Grotesken, verquerer und gewitzter Dialoge und als Erzähler folgenreicher Ungeschicklichkeiten.
Über den Autor
Magnus Mills, 1954 geboren, lebt in London. Er arbeitet in diversen Berufen - u.a. als Busfahrer und als Zaunbauer.