Aus der Amazon.de-Redaktion
1957 in der Wüste Nevadas, der Kalte Krieg ist in vollem Gange und Indiana Jones den Russen in die Hände gefallen. Indy gelingt die Flucht, doch die Russen unter der Führung von Irina Spalko, Stalins Lieblingsagentin und ihres Zeichens Parapsychologin, - entwenden ein mysteriöses Skelett, das offenbar in Verbindung mit dem Verschwinden von Indys altem Freund und Kollegen Harold Oxleys steht, der in Peru verschollen ist. Gemeinsam mit Oxleys Ziehsohn Mutt macht sich Indy im Dschungel des Amazonas auf die Suche nach dem legendären Kristallschädel, dem magische Kräfte nachgesagt werden und der Oxley offenbar in den Wahnsinn getrieben hat. Doch die beiden sind nicht die einzigen, die auf der Suche nach dem Schädel sind: Auch Spalko will sich der Suggestivkräfte des Schädels, der in einer versunkenen Stadt aus Gold verborgen sein soll, bedienen. Um Druck auszuüben, hat sie Mutts Mutter Marion Ravenwood Indys alte Flamme aus Der Jäger des verlorenen Schatzes - in ihre Gewalt gebracht. Eine Schatzsuche auf Leben und Tod beginnt.
Bewusst im Stil der alten Trilogie gehalten ist Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ein klassischer Abenteuerfilm, der mit viel Witz, augenzwinkernder Selbstironie und natürlich zahlreichen rasanten Action-Szenen, auf der ganzen Linie zu überzeugen weiß. Zwar ist Indy eindeutig in die Jahre gekommen da bleibt der eine oder andere Spruch nicht aus und manch Abstand ist doch größer als gedacht -, aber er schlägt sich wacker. Selbiges gilt auch für die nächste Generation: Shia LaBeouf weiß durchaus Paroli zu geben und steht seinen Mann. Schon sein erster Auftritt angelehnt an Marlon Brando in The Wild One - stellt erneut George Lucas außerordentliches Talent unter Beweis, eine bestimmte Zeit originalgetreu und mit viel Liebe zum Detail auf der Leinwand wieder auferstehen zu lassen. Im besten Sinne des Wortes zeitlose Unterhaltung. -- Birgit Schwenger
MovieGod.de
Diesmal ist es ein Kristallschädel, wegen dem Indy durch die halbe Weltgeschichte reist, mit den bösen Russen im Nacken und einem nassforschen Jüngling im Schlepptau, dessen Mutter Marion Ravenwood Indy-Fans in guter Erinnerung sein dürfte.
In den letzten 19 Jahren hat sich die Filmwelt weit gedreht. Die Zeitrafferaufnahme, in der der Kopf des Bösewichts am Ende des letzten Kreuzzuges zu Tode alterte, wirkt heute wie ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit, und in diese Zeit wollte Steven Spielberg mit dem vierten Film offensichtlich zurückkehren. Vor allem der erste Akt ist auffallend bedächtig inszeniert, so als brauche Spielberg eine Weile, das Kind in sich wieder zu entdecken, das er für seine letzten Filme in den Keller gesperrt hatte. So richtig flott wird es erst in der zweiten Hälfte, und selbst dann bleibt die Inszenierung betont unmodern, mit deutlich erkennbaren Bluescreen-Sequenzen und arkaner Actionregie. Hier und da gibt es echte Bildgewalt zu bestaunen, doch jüngere Zuschauer sind mit dem kommenden dritten Mumie-Abenteuer vermutlich besser beraten. Doch Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels soll wohl auch kein Film für das junge Publikum sein. Es ist ein Film für diejenigen, die keine vier Schnitte pro Sekunde brauchen, die die ersten drei Teile genauso für ihren Wortwitz lieben wie für die Actioneinlagen und die ein Fecht-Duell auf fahrenden Jeeps ebenso charmant finden wie die dicke rote Linie, mit der sich die Helden über die Landkarte bewegen.
Schwerer fällt die romantische Toleranz ausgerechnet beim zentralen Plot-Element. Die Bundeslade, die Sankara-Steine und der heilige Gral waren vor allem MacGuffins, die Jones und Co. von Schauplatz zu Schauplatz motivierten. Der Kristallschädel fungiert mehr als eine Art schweizer Taschenmesser. Er öffnet Türen, schützt vor Riesenameisen und Eingeborenen und lehrt antike Sprachen. Hätte man ihn 50 Jahre später gefunden, könnte er vermutlich auf Google Maps zugreifen. Das Finale ruft schließlich die Querelen um das Drehbuch ins Gedächtnis, denn hier wäre eine Drehbuchfassung mehr oder vielleicht auch eine weniger von Vorteil gewesen. Schlimmer als die absurde Pointe ist die Tatsache, dass die Figuren unwichtiger nicht sein könnten. John Hurt spielt den scheinbar verrückten Professor Oxley, der den Schädel die meiste Zeit trägt und dessen Wünsche ausspricht. Ohne die Bedrohung durch die Russen hätte er ihn auch alleine ans Ziel bringen können, denn Titelheld Jones verbringt eine beträchtliche Zeit damit, tatenlos den CGI-Effekten zuzusehen, die gegen Ende dann doch noch aufgefahren werden.
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels bietet eine Menge Angriffspunkte, doch unterm Strich läuft es auf eines hinaus: Es ist ein Indiana-Jones-Film. Wer sich auf Kabbeleien zwischen Harrison Ford und der nach wie vor bezaubernden Karen Allen freut, auf plakative Feindbilder und Jones immer wiederkehrenden Hut, kann seiner Nostalgie freien Lauf lassen und einfach seinen Spaß haben.
Filmkritik von Felix "Flex" Dencker