Das vierte Kinoabenteuer des wohl berühmtesten Altertumsforschers Hollywoods spaltete die Zuschauerschaft. Für die einen hatten George Lucas und Steven Spielberg, 19 Jahre nach ihrem letzten Streich (der damals vielsagend "Der letzte Kreuzzug" hieß) darin versagt, den Charme von einst wiederaufleben zu lassen und in ein neues Jahrtausend zu führen. Zu viel Routine, zu viel CGI wurde dem Werk vorgeworfen. Für die anderen hatte der Film genau das, was sie an den Abenteuern des Indiana Jones so lieben: einen zwar gealteterten, aber noch gut zuhauenden Harrison Ford, Humor, Pulp und jede Menge Action. Gut, die Außerirdischen - pardon: Interdimensionalen - waren auch für Liebhaber ein schwer zu verdauender Bissen. Aber: Die 1950er und UFOs gehören im Pulp einfach genauso zusammen, wie die 1930er und Nazis.
Eines muss man dem Film jedoch vorwerfen: Das eine oder andere Plotdetail wurde etwas zu schnell abgehandelt, um es wirklich nachvollziehen zu können. Wie beispielsweise konnte Professor Oxley an den ersten Kristallschädel gelangen, wenn dieser von tödlichen Grabwächtern behütet wurde? Wozu bitteschön dienen die Wasserräder in den Tiefen des Tempels von Akator (außer um ein Level im Computerspiel aufzupeppen)? Und aus welchem Grund ist Mac auf einmal dem Tode geweiht (mal abgesehen davon, dass er nach Genre-Moralvorstellungen den Tod verdient hat)?
All diese Fragen beantwortet James Rollins' Buch zum Film "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels", dessen Lektüre dem Filmplot erfreulicherweise die eine oder andere Information und Anekdote hinzuzufügen hat. Vor allem der Prolog, der Indy und Mac auf der Yucatán-Halbinsel zeigt, und das Finale, das sich spürbar von dem des Films unterscheidet, zeigen, dass nicht alles, was angedacht war, auch am Ende seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat. Vor allem am Schluss merkt man stark, dass etliche Effektentscheidungen zum Zeitpunkt des Drehbuchkonzepts, dem die Romanhandlung zugrunde liegt, noch nicht getroffen worden waren. Sowohl das Innere des Tempels als auch die Konfrontation mit den Interdimensionalen und ihre letztliche Flucht weisen einige Abweichungen auf, die der Fan natürlich mit Interesse zur Kenntnis nimmt.
Ansonsten bietet Rollins' Roman gute Abenteuerunterhaltung. Natürlich wird im Wesentlichen die Filmhandlung nacherzählt - wie das bei allen Romanen zu Filmen der Fall ist. Nichtsdestoweniger könnte die Geschichte auch als eigenständiger "Indiana Jones"-Roman gut bestehen, denn die Figuren und das Setting sind sehr gut getroffen. Nur wie zum Teufel Indy und seine Freunde den dreifachen Sturz über einen Wasserfall überleben, vermag das Buch auch nicht zu erklären. Manches muss man im Pulp-Genre einfach hinnehmen.