Dies also ist Sean Penn's mehr oder weniger berühmt berüchtigtes Regie-Debüt...ich meinerseits würde es als einen echten Geheimtipp handeln. Der Film ist von vorn bis hinten mit genialen Bildern und dazu passenden, vorwiegend melancholischen Songs übersäht und zeigt uns zudem eine fantastische schauspielerische Leistung von David Morse, der einem in seiner Besorgtheit als großer Bruder Joe um seinen kleinen Bruder Frank, wirklich an den Rand eines Tränenmeeres führen kann. Zudem bietet Viggo Mortensen eine mehr als gelungene Darstellung des gewalttätigen, sich selbst nicht kontrollieren könnenden Frank, der sich selbst immer wieder in Schwierigkeiten bringt durch seine plötzlichen Wutausbrüche. Der Film ist wirklich sehr anrührend und deprimierend, denn immer hofft man, dass Frank nun doch die Kurve gekriegt hat und mit Haus, Arbeit, Frau und schließlich Kind ein normales Leben führen wird. Aber leider ist dem nicht so und es gibt kein Happy End, sondern ein wirklich genial gemachtes offenes Ende, das einen an den Rand der Verzweiflung bringt, weil es eben nicht gut ausgeht und weil man ziemlich im Dunklen gelassen wird, was mit Frankie weiterhin passiert. Vor allem die Bilder am Ende, der endgültige Umbruch von Frankie, sind meisterhaft.
Auch glänzt der Film mit anderen großen Namen wie Charles Bronson und Dennis Hopper, aber es sind eher die beiden (zumindest zum damaligen Zeitpunkt noch) unbekannteren Schauspieler Morse und Mortensen die diesen Film zu einem unvergeßlichen Erlebnis machen und einen in zwei Bruder-Charaktäre einführen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Genauso wie Joe versucht man die ganze Zeit, Frank zu begreifen, hofft, dass er sich ändern wird und würde ihm sogar selbst gern helfen, so aufopferungsbereit wie Joe bei der Sache ist. Wie der Zusatz auf dem DVD-Cover bereits sagt "Frankie und Joe - zwei Brüder, die nichts verbindet bis auf das Blut". So ist es in der Tat und ich glaube solch einen extremen Gegensatz zwischen zwei Geschwistern, gibt es in keinem anderen Film.
Dazu kommt noch die immer mal wieder angeschnittene Idee vom "Indian Runner", die sehr symbolisch für diesen Film und vor allem für Frankie ist und einen roten Faden durch die Handlung spinnt.
Ich könnte mir den Film direkt noch einmal anschauen, aber der Haken an der Sache ist, dass er auch beim Zuschauer eine sehr melancholische Stimmung weckt, die man nicht so schnell wieder los wird - ebenso wie die Gedanken an den Film. Er ist also keine leichte Kost, sondern ein Film, auf den man sich einlassen muß, denn er läßt einem gar keine andere Wahl.
Die DVD ist soweit auch recht gut ausgestattet, aber leider schon recht teuer - doch war diese Investition für mich wirklich lohnenswert. Der Originalton ist auf der DVD enthalten, aber vielleicht für ungeschulte Ohren nicht so einfach zu verstehen. Dafür gibt es aber auch Untertitel und ich würde wärmsten empfehlen, den Film auf Englisch zu schauen - wie jeden Film. Extras gibt es leider keine, dabei wäre das eigentlich ein Muß, da es sich um den ersten Film handelt, bei dem Sean Penn Regie geführt hat und der interessierte Zuschauer schon dazu Hintergrundinfos verdient hätte. Aber ansonsten will ich mal nicht meckern, denn die Hauptsache ist immer noch dieser brilliante und überaus überzeugende Film mit Top-Besetzung (vor und hinter der Kamera wohl bemerkt)!