Ich habe "Kal hoo na hoo" in Hamburg im Kino gesehen und war begeistert. Es war praktisch der erste indische Spielfilm, den ich überhaupt je im Kino gesehen habe, und er hat mir absolut die Augen geöffnet für das, was man hier landläufig "Bollywood-Kino" nennt. Im indischen Kino-Melodrama wird fast immer gesungen. Die Musikproduktionen für diese Filme sind in Indien ein eigener Industriezweig, mit ihren eigenen Stars und Sternchen, Komponisten, Textern, Choreographen, u.s.w. Es gibt auch jedes Jahr eigene Bollywood-Musik-Awards, z.B. für das beste Playback-Duett, da die Schauspieler nicht selbst die Lieder singen, sondern meistens Playback machen zu Songs, die vorher im Studio von Indien-Popstars aufgenommen wurden. Ob Shah Rukh Khan, der männliche Star aus "Kal Hoo Na Hoo" selbst singt, habe ich noch nicht recherchiert. Der Titelsong, vor allem in der langen Fassung, ist ein wahrer Ohrwurm, vom Stil her ähnlich dramatisch wie Titelmelodien zu Liebesdramen der 50er und 60er Jahre, so à la Doctor Zhivago. In indischen Kinofilmen ist das angesagt, was der Hollywood-Film vor 40 Jahren ad acta gelegt hat. Auf der Soundtrack-CD scheinen leider nicht alle Songs des 3-Stunden-Werks vertreten zu sein, aber wenigstens die echten Perlen: Das Liebesduett "Kuch to gayaa hai" ("Was ist geschehen?") ist ein sommerlicher Tanzpop-Hit für Bollywood- und Bhangra-Partys, und großartig ist die am Anfang des Films platzierte "Pretty Woman" production number in Hindi, mit der Refrainzeile aus Roy Orbisons Original-Hit kongenial gemixt. Das Lied "It's Time To Disco" ist stilistisch gesehen unbekümmerter und end-kitschiger Italo-Disco der 80er, eben nur auf indisch. So machen Filmsoundtracks wieder Spaß! Alles in allem hat "Kal Hoo Na Hoo" mehr amerikanische Einflüsse als frühere Bollywood-Hämmer, da der Film auch für indische Sehgewohnheiten ein Novum darstellte: Eine Tragikomödie, die nicht nur hin- und herspringt zwischen absolut witzig und absolut melodramatisch, sondern noch dazu unter indischen Einwandererfamilienn in New York spielt, mit zahlreichen US-Statisten "on location" gedreht. Deshalb wird auch Einiges auf Englisch gesungen, zumindest manche Refrains. Da Indigo diese CD in Deutschland vetreibt, braucht man sie sich nicht auf verschlungenen Pfaden aus Indien zu bestellen. Besser jetzt gleich zugreifen! Das Teil ist heiß.