Mittlerweile kennen sich Christopher Nolan und Hans Zimmer schon ganz gut. Sie haben bereits bei "Batman Begins", und "The Dark Knight" zusammengearbeitet. Daher verwundert es nicht das Nolan Zimmer auch für sein jüngstes Projekt engagiert hat. Im Folgenden gebe ich eine genaue Analyse jedes einzelnen der 12 Titel wieder. Das Ganze ist jedoch höchst subjektiv und jeder sollte sich selbst davon überzeugen, ob meine Aussagen seine Ansichten ebenfalls treffen.
"Half remembered Dream" ist der ideale Eröffnungstrack: Er nimmt in nur 1.12 min einiges vom gesamten Titel vorweg.
Seichte Klavierakkorde, ein leises "Zirpen" im Hintergrund, welches von stampfenden Bassklängen und Posaunen überrollt wird. Dann ein sofortiges Ende und zwielichtige Streicher beenden den Track.
"We built our own World" folgt nahtlos. Intervallartige Steigerungen bei den Streichern, wechseln sich ab mit ebenso ruhigen Weisen.
Im direkten Anschluss folgt "Dream is Collapsing". Der Track hört sich an, als ob eine geheimnisvolle Uhr im Hintergrund das Tempo vorgibt. Dadurch steigern sich die Streicher und die verzerrten Bässe zu einem bedrohlichen Ganzen, welches drückend über dem Zuhörer schwebt. Die Bläser tragen ihr übriges dazu bei, dass dieser Track sich zum ersten Höhepunkt des Scores steigert.
Anschließend folgt "Radical Notion". Der Titel ist etwas langsamer, greift aber ebenfalls die bedrohlichen Intervalle auf. Man hört im Hintergrund ein stetes "zirpen" wie von Grillen. Als dieses versiegt, lässt Zimmer den Synthesizer erneut im Hintergrund einsetzen. Dieses Mal nicht so bedrohlich, doch es scheint als ob die Gefahr ein steter Begleiter ist. Intervallweise gesellen sich die Streicher hinzu und deuten das sich steigernde Thema an, welches wir erst ein paar Tracks weiter in "528491" vollständig erleben werden.
Gleich darauf ein verträumter Track: "Old Souls". Zarte, beruhigende Klavierklänge paaren sich mit Zimmers ebenfalls leichten Synthesizerklängen, welche wie ein Wind sich im Hintergrund halten. Der Titel zeigt viel Verwandtschaft mit Themen von Jean- Michel Jarres "Concert of China": Musik, welche der ideale Soundtrack für unser Unterbewusstsein wäre.
Jetzt folgt der bereits erwähnte Track "528491". Für mich der Höhepunkt des gesamten Albums und auch hier findet sich wieder eine parallele zu "The Dark Knight". Der Aufbau des Titels in "Inception" gleicht dem Titel "Agressive Expansion" aus dem letzten Batman Film. Er beginnt recht ruhig mit den bereits eingeführten Streichern. Dann setzt das bedrohlich, gehetzt wirkende Thema ein, welches wir bereits in "Radical Notion" gehört haben. Der gesamte Track ist eine unheimliche Steigerung in sich. Es scheint kein Ende zu nehmen. Nun verzerren sich die Violinen zu einem kreischen, das Thema wiederholt sich immer und immer wieder. Bis alle Streicher abrupt von den tönenden, bedrohlichen und übermächtigen Bässen aus dem Anfangstrack gestoppt werden: Mit einem Schlag, ohne Vorwarnung. Dabei wirken die Klänge surreal verzerrt, als ob ein Nebelhorn die Ankunft eines unsichtbaren Kolosses ankündigt. Einfach grandios und einzigartig. Der Höhepunkt des gesamten Scores!
"Mombasa" ist der nächste Track. Er ist sehr schnell, wirkt wie die perfekte Untermalung für eine Verfolgungsjagd. Es geht hoch und runter, es findet sich eine Struktur, aber mit ungewissem Ziel. Dem ganzen eine bekannte Linie gebend schaltet sich der Synthesizer mit seinen dumpfen Klängen immer kurz im Hintergrund ein. Erst langsam und zögerlich, dann in immer kürzeren Abständen, bis sich selbst das gehetzte Klappern verliert und nur noch ein vereinzeltes hohes Klingen dasteht. Aber nur um sich sofort wieder gehetzt und verzerrt weiter zu bewegen.
Nun folgt "One Simple Idea", ein ruhiges Stück, von Beginn an von einer rhythmischen Melodie begleitet. Die beruhigenden Streichtöne aus
"Old Souls" gesellen sich hinzu und ergeben ein stimmiges Ganzes.
Daraufhin folgt "Dream within a Dream". Leicht stampfende Bässe im Hintergrund, und wieder dieses tickende Geräusch. Plötzliches Einsetzen der Violinen und wir wissen wieder was nun kommt: Der Nachklang auf das sich selbst steigernde Hauptthema des Soundtracks. Die Violinen klingen kreischend verzerrt. Genau so plötzlich versiegen alle Klänge und es bleibt nur noch das beruhigende streichen. Doch der Track lässt dem Zuhörer keine Pause und steigert sich wieder in wilde, gehetzte Weisen.
"Waiting for a Train" ist mit 9.30 min der längste Track auf dem Album. Sehr, sehr beruhigend, verträumt. Irgendwie scheint man beim Hören in eine Lage versetzt die einem suggeriert man befindet sich unter Wasser und nimmt die Außenwelt nur noch dumpf und verschwommen wahr. Und als ob dies nicht schon surreal genug erscheint, unternimmt Zimmer ein gewagtes, aber gelungenes Experiment: Er baut "Je ne regrette de rien" von der Edith Piaf ein. Dies scheint von einem alten Plattenspieler zu kommen und wirkt so irreal, das man seinen Ohren kaum trauen möchte. Doch irgendwie scheint der französische Gesang aus dem Off die Loslösung von dieser realen Welt nur zu verstärken.
Als vorletzter Track folgt "Paradox". Dieser Track behält die ruhigen Klänge aus dem Vorgängertitel und wird aber im Mittelteil von einer markanten Geigenmelodie dominiert, bis der Track letztlich zu den verzerrten uns bekannten bedrohlichen Bässen ausklingt, welche hier aber nicht so überwältigend und unheilschwanger über dem Geschehen zu schweben scheinen.
Den Abschluss bildet "Time", ebenfalls sehr ruhig. Den Hintergrund bilden die Streicher, begleitet von traurigen Klavierakkorden, welche aber in keiner Situation dominant wirken. Der Track wird nur zum Finale hin lauter steigert aber das Tempo kaum. Nachdem die lauten Töne versiegt sind, bleiben nur noch vereinzelte, Klaviertöne, welche leiser werdend im Hintergrund verschwinden. Mit einem störenden, bizarren Fiepen beendet Hans Zimmer den Track und das gesamte Album.
Fazit: "Ich habe es unter Kontrolle." - "Wie sieht dann außer Kontrolle aus?" - Diese Aussage scheint Zimmer sich verinnerlicht zu haben. Die Instrumente, Orchester wie Synthesizer befinden sich in der Hand von Hans Zimmer und gehorchen seinen Noten. Doch beim zuhören scheint nichts eine gewohnte Ordnung zu haben. Dieser Soundtrack wirkt so individuell wie kein anderer Zimmers. Er scheint doch irgendwie unkontrollierbar zu sein. Zimmer hat die Aufgabe bekommen den Soundtrack für einen Film zu kreieren, welcher ein einziger Traum zu sein scheint. Er schafft es mit einer Mischung aus klassischen orchestralen Sound und verzerrten, surrealen Synthesizerklängen die Illusion eines Alptraumes zu generieren. Man kommt als Zuhörer nie wirklich zur Ruhe, wird entweder gehetzt oder in den langsameren Phasen von dröhnenden Bässen bedroht. Das alles wirkt dabei so verzerrt und von unserer jetzigen Welt gelöst, dass Zimmer seinen Arbeitsauftrag mehr als erfüllt hat. Nicht umsonst bestehen hier einige Parallelen zum Score von "The Dark Knight". Denn schließlich war der Joker der Alptraum Gothams. Eine verzerrte, entstellte Fratze. Ein Alptraum im Clownskostüm. Ein Alptraum, so surreal wie "Inception".