Gleich vorneweg möchte ich sagen: Dieses Buch kann man lesen, muss man aber nicht. "In den Wäldern tiefer Nacht" ist definitiv kein Bestseller, es hebt sich auch nicht besonders aus dem Genre der Vampirromane heraus. Der Hauptgrund ist die fehlende Tiefe des Buches, ein Tatsache, die man jedoch schon beim Kauf aufgrund der gerade mal vorhandenen 133 Seiten erahnen kann. Aber es soll ja auch Autoren geben, die in der Kürze ein vollausgereiftes und spannendes Werk abliefern. Es muss ja nicht immer 500 Seiten und aufwärts sein. Amelia Atwater-Rhodes hat immerhin eine in sich vollständige Geschichte mit einem soliden, wenn nicht gar überraschenden Ende abgeliefert.
Der Plot der Geschichte ist schnell erklärt und hätte eigentlich auch auf 50 Seiten abgearbeitet werden können. Risika, ehemals Rachel, wurde im 1700 mehr unfreiwillig zum Vampir gemacht. Kapitelweise wechselt das Szenario zwischen heute und damals und wir erfahren, wie es der jungen Vampirin innerlich ergangen ist bzw. ergeht, wie sie mit ihrem Leben klar kommt und warum sie so unheimlich wütend ist. Wirklich nervend fand ich diese ständige innere Wut über Aubrey. Es heißt immer nur "Aubrey ist so stark!" und "Ich habe keine Chance gegen ihn" und dann kommt wieder "aber ich provoziere ihn trotzdem mal" und das wiederholt sich im Buch in jedem Kapitel.
Neu ist, dass die Vampire hier zwar auch Blut trinken und unsterblich sind, aber auch im Sonnenlicht herumlaufen, sich in jedes Tiere verwandeln können oder durch die Gegend beamen. Meines Erachtens wurde das hier ein wenig überreizt und der Vampir ist zu sehr zum "Übermensch" gemacht worden. Leider wurde auch die Vampirjägergeschichte nur kurz angerissen und vieles kam wirklich nicht über eine Erwähnung hinaus. Das wären alles Aspekte, die viel ausbaufähiger gewesen wären.
Die bisherigen Rezensionen sind in zwei Lager aufgeteilt: Entweder total gut oder sehr schlecht. Nüchtern betrachtet ist es für mich nur mittelmäßig. Das Buch ist flüssig geschrieben und wenn man es zufällig zwischen die Hände bekommt, kann man es auch lesen. Im Verkauf wird dieses Werk wie eine Rarität gehandelt, was aber meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zu dem steht, was man bekommt.
Die Autorin mag für ihr junges Alter schon ein gewisses Talent vorweisen können, aber zu einer Anne Rice bedarf es um Etliches mehr. Ich werde Atwater im Auge behalten und mal schauen, was die Fortsetzung so zu bieten hat.