Auf den ersten Blick sieht Jacob Hunt aus wie ein ganz normaler junger Mann. Doch der Eindruck täuscht, denn er leidet am Asperger Syndrom: Jede Abweichung von seinem gewohnten Tagesablauf stürzt ihn in Verzweiflung, er besteht auf der Einhaltung gewisser Rituale und hat Schwierigkeiten, mit anderen zu kommunizieren. Und er hat ein übergroßes Interesse an Krimiserien und Methoden zur Verbrechensaufklärung...
Jacobs Mutter Emma und sein Bruder Theo haben sich mit seiner Krankheit arrangiert, so gut es ihnen möglich war. Doch plötzlich gerät ihr Leben vollends aus den Fugen, als Jacob des Mordes an der Studentin Jess verdächtigt wird und schließlich vor Gericht landet. Emma engagiert den Anwalt Oliver, der sich bemüht, Jacobs Interessen zu vertreten, und dabei auch seiner Mutter näherkommt.
Durch ihren einfühlsamen Erzählstil gelingt es Jodi Picoult, das Innenleben ihrer Protagonisten nachvollziehbar zu machen - sie stellt Jacobs für "normale" Menschen oftmals abstruse Gedankenwelt ebenso überzeugend dar wie Emmas Überforderung oder Theos Frustration darüber, dass er Zeit seines Lebens auf seinen älteren Bruder Rücksicht nehmen musste.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt, die in der Hörbuchfassung von unterschiedlichen Sprechern gelesen werden. Dies ist grundsätzlich eine tolle Sache, und dass die Sprecher von Jacob und Theo auch im richtigen Leben Brüder sind, finde ich besonders gelungen. Allerdings war es beim Hören oft schwer, zu erkennen, wer gerade spricht. Es wäre besser gewesen, bei jedem Sprecherwechsel kurz den Namen der nun sprechenden Person zu nennen. (So wie ja auch in der gedruckten Fassung bei jedem Perspektivenwechsel ein Name dabei steht)
Außerdem wirkt die Handlung streckenweise reichlich konstruiert und in die Länge gezogen - man hätte das Rätsel um Jess Tod innerhalb von ein paar Minuten klären können, wenn sich nur jemand die Mühe gemacht hätte, Jacob die richtigen Fragen zu stellen. Stattdessen wurde immer wieder um den heißen Brei herumgeredet, was mit zunehmender Dauer immer nerviger und unrealistischer wurde. Auch ist das Ende relativ vorhersehbar.
Dennoch ein interessantes Werk, das aufzeigt, mit welchen Missverständnissen und Schwierigkeiten Menschen, die "anders" sind, und ihre Angehörigen oftmals zu kämpfen haben.