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In Zeiten des abnehmenden Lichts (10 CDs) [Ungekürzte Ausgabe] [Audio CD]

Eugen Ruge , Ulrich Noethen
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (87 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Argon Verlag (17. November 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 383981121X
  • ISBN-13: 978-3839811214
  • Größe und/oder Gewicht: 13,2 x 13 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (87 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 18.295 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Eugen Ruge
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Vom Flüchten, vom Heimkommen, vom Altern
Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien nach Ostberlin, über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht: groß durch seine menschliche Reife, seine Genauigkeit, seinen Humor. Drei Generationen stehen im Mittelpunkt: Die Großeltern, noch überzeugte Kommunisten, kehren Anfang der 50er Jahre heim in die junge DDR, um dort ihren Anteil am Aufbau der neuen Republik zu leisten. Ihr Sohn, als junger Mann nach Moskau emigriert, kehrt mit einer russischen Frau zurück in eine Kleinbürgerrepublik, an deren Veränderbarkeit er weiterhin glauben will. Dem Enkel indes wird die Wahlheimat von Eltern und Großeltern zusehends zu eng. Die Strahlkraft der politischen Ktopie scheint sich von Generation zu Generation zu verdunkeln: Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts.

Über den Autor

Eugen Ruge, geboren 1954 in Sosswa am Ural, studierte Mathematik in Ostberlin und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. Bereits 1986 begann er mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Seit 1989 wirkt er hauptsächlich als Autor für Theater, Funk und Film. Neben seinen Übersetzungen mehrerer Tschechow-Texte und der Autorentätigkeit für Dokumentarfilme und Theaterstücke lehrte er zeitweise in Berlin und Weimar, bevor er 1988 aus der DDR in den Westen ging. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2011Ulrich Noethen, 1959 in München geboren, Absolvent der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, begann seine Schauspielkarriere 1985 am Freiburger Theater. Nach zwei Jahren im dortigen Ensemble arbeitete er unter anderem am Schauspiel Köln, an der Staatlichen Schauspielbühne Berlin und am Staatstheater Stuttgart. Anfang der 90er Jahre wechselte er zum Fernsehen und spielte u. a. in "Tatort". Seitdem war er in Kinofilmen sowie in unzähligen TV-Produktionen zu sehen. Er wurde mit dem Goldenen Löwen, der Goldenen Kamera, dem Bayerischen Filmpreis, dem Bundesfilmpreis und dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

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190 von 212 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Dieses Buch werden nur wenige Leser hierzulande emotionslos lesen. Zu oft hat sich durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland das wiederholt, was Eugen Ruge hier spannend und brillant als Familienchronik regelrecht inszeniert.
Die Handlung selbst ist schnell erzählt. Wilhelm gerät von der USPD in die KPD und betreibt eine Geheimdiensttätigkeit für die Sowjetunion in einer Hamburger Scheinfirma. Die "Machtergreifung" Hitlers zwingt ihn mit seiner Frau Charlotte ins russische Exil, wo ihre Söhne Werner und Kurt geboren werden. Die Söhne bleiben in der UdSSR, während die Eltern vom Geheimdienst mit schweizerischen Pässen versehen in Mexico neuen Aufgaben nachgehen. Dort warten sie auf den Untergang des Reiches und das neue Deutschland, das dann aber infolge der Teilung Deutschlands nur aus der sowjetischen Zone als DDR entsteht.
Ihre Söhne sind während des Krieges wegen ihrer Kritik am Hitler-Stalin-Pakt in Straflagern verschwunden. Nur Kurt taucht wieder auf und findet am Ural seine Frau Irina, mit der er den Sohn Alexander bekommt. Die drei ziehen in den 50ern nach (Ost-) Deutschland, wo sie in "Neuendorf" auf Wilhelm und Charlotte stoßen. (Neuendorf greift den slavischen Namen auf, den der Ort wegen der dort in Preußen angesiedelten Hussiten führte: Nova Ves, den meisten Lesern heute als ein Stadtteil Potsdams unter dem Namen Babelsberg bekannt. Der S-Bahnhof Großkrienitz ist entsprechend Griebnitzsee.) Bei der Rückkehr aus Mexico ist Charlotte für ihre Dienste zu einer Direktorin einer eigens gegründeten Akademie für die Literatur Lateinamerikas ernannt worden. Der zu nichts zu gebrauchende Wilhelm bringt es immerhin zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold für seine Dienste in der Partei. Kurt avanciert zum führenden Geschichtsforscher an der (richtigen) Akademie. Alles bestens also?
Leider nicht. Irina leidet an der Unfähigkeit der Protagonisten, eine Familie zu bilden, besonders. Sie sucht periodisch Befreiung in der Betäubung durch Alkohol, der nach dem Scheitern der Ehe Alexanders mit Melitta, aus der inzwischen Wilhelms Urenkel Markus hervorgegangen war, ihrem Leben ein frühes Ende setzt.
Wilhelm, ohnehin ohne intellektuellen Tiefgang, verfängt sich im Altersschwachsinn, sodass sein kritikloses Parteigeplapper vollends zu Infantilismus verkommt. Charlotte möchte ihre letzten Jahre noch einmal leben und betreibt seine Einweisung in die Psychiatrie zwar ohne Erfolg, verwechselt dann aber versehentlich die als Beimischung zu Wilhelms Tee gedachten 2 Löffel Baldrian mit ihrer nur tröpfchenweise verträglichen eigenen Medizin. Vom Tod des 90jährigen hört man später nur beiläufig, wenn Kurts Welt zusammenbricht. Auf Alexanders Flucht in den Westen und Irinas Tod folgt mit der deutschen Einheit die "Abwicklung" seiner Wissenschaft und ein Abrutschen des Enkels in die Szene. Alles entschwindet, zuletzt er selbst in Alzheimers Nebel.
Das alles ist vielen vertraut und ein Roman, der es einfach erzählte, vielleicht kaum der Rede wert. Nicht, was Ruge erzählt, sondern wie er es erzählt, ist sensationell. Die Geschichte eines Jeden wird scheinbar ohne Rücksicht auf den Kalender durch Wilhelms Geburtstagsfeier geordnet und dies alles durch Alexanders Abschlusshandlungen geklammert. Entstanden ist damit wahrscheinlich der definitive Roman zur deutschen Einheit aus der ostdeutschen Perspektive. Dies, natürlich nur bisher und obwohl die Mauer darin kaum vorkommt. Sie ist dem Kurt nur ein Ärgernis, weil sie die S-Bahnlinie von Potsdam nach Berlin unterbricht und ihn zur stundenlangen Umfahrung der geteilten Stadt auf dem Weg zur Akademie zwingt. Ruge verherrlicht nichts, sucht für das Handeln der Personen des Romans keine Schuldigen, allerdings pustet er den - manchem lieb gewordenen - Puderzucker fort, der einige hässliche Stellen in den Geschichten über die Geschichte überlagert. Er wird damit in den "Lagern" links und rechts ein Ärgernis sein. Bei aller Achtung vor dem Turm: Dieses Buch ist wahrscheinlich die vorläufig endgültige literarische Behandlung des großen Themas. Eine komplementäre westdeutsche Erzählung steht freilich noch aus.
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72 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Vorbestimmtes Versagen 24. November 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Man kann jedes Buch mit jedem vergleichen, so auch Ruges Roman mit den "Buddenbrooks". Doch "In Zeiten des abnehmenden Lichts" geht es nicht um Aufstieg und Fall einer Familie, sondern um Menschen, die Zeit ihres Lebens in Rollen gezwängt werden, denen sie nicht gerecht werden können. Es wird eine ständige Überforderung aufzeigt. Es ist die schonungslose Abrechnung mit Versagern - und dieses Versagen ist vorbestimmt, denn nicht sie beherrschen dieses Land, sondern ein PHANTHOM: Die Partei. Und die Partei hat immer Recht! Wir haben zu DDR-Zeiten das Lied von Louis Fürnberg 'im stillen Kämmerlein' abgewandelt: "Und wird dir auch hin und wieder schlecht, die Partei hat immer Recht." Um ein Land, das seine Führung nicht nach intellektuellen Fähigkeiten sondern nach langjähriger Parteizugehörigkeit, bei gleichzeitiger Bevorzugung von Kadern aus der Arbeiterklasse, auswählt, ist es schlecht bestellt. 2001 stellt Alexander fest, dass die gesamte wissenschaftliche Arbeit seines Vaters aus DDR-Zeiten (Im Umfang entspricht sie in etwa den Werken Lenins) inzwischen Makulatur ist, denn sie besteht aus HALBWAHRHEITEN, was ja letztendlich bedeutet, jede Wahrheit wird durch eine Lüge entstellt. In der DDR ist es so wie in dieser Familie: Alles ist in leerlaufenden Ritualen erstarrt. Es ist eine schonungslose Abrechnung mit einem glücklosen Leben. Selbst der so gepriesene Humor des Romans entspringt aus der Beschreibung der aussichtslosen Tristesse des Dasein, das selbst in Funktionärskreisen von Versagen statt Siegen, Mangel statt von Überfluss, von Krankheit und Tod statt von Gesundheit und Leben bestimmt wird. Auch Mexiko, wo andere touristische Hochgefühle entwickeln, erlebt der von Krankheit gezeichnete Hauptheld Alexander auf der Suche nach Spuren des Lebens seiner Großeltern im Exil, nur lärmend und beängstigend.
Das alles ist spannend und beeindruckend aufgeschrieben. Der Romans ist auf hohem literarischem Niveau strukturiert. Ruge springt nicht nur zwischen den Zeiten, sondern verändert auch ständig den Blickwinkel auf die Geschichte (Der Neunzigste Geburtstag des Altkommunisten Wilhelm 1989 wird nacheinander aus der Sicht seiner Lebensgefährtin, des Sohnes, dessen Ehefrau, der russischen Schwiegermutter sowie des Enkels beschrieben). So entsteht ein vielstimmiges Bild dieser Familie. Der heitere, gelassene Blick auf die Vergangenheit allerdings ist Ruges Sache nicht. Erfolgsgeschichten und glückliche Momente (die es in der DDR vielleicht ja auch hin und wieder gegeben haben könnte?) wird man in seinem Roman vermissen. Aber es ist seine Geschichte, die endlich erzählt werden musste, und es steht ihm zu, sie ins abnehmende Licht zu stellen. Fazit: Große Literatur!
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57 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Kann es so etwas wie ein positives Vermächtnis aus 40 Jahren DDR Unterdrückungsstaat geben, entstanden aus einem vermeintlich utopischen Gesellschaftsexperiment, gescheitert an Unfreiheit, Mangelwirtschaft und geistigem Stillstand? 20 Jahre nach dem Ende des kommunistischen Staates auf deutschem Boden, ist die vergangene DDR als Kulisse einer blühenden Romanliteratur wieder allgegenwärtig. Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts" setzt fort was bereits in Tellkampfs "Turm" und Zanders "Dingen" zu bewundern war: Zeitliche Distanz, die einen Stoff reifen läßt, und die Basis für differenzierte Geschichtsbewältigung mit den Mitteln der Literatur bildet.

Ruge schildert vier Generationen des Powileit-Umnitzer Clans, für die die Idee des Kommunismus sukzessive an Strahlkraft verliert. Wilhelm und Charlotte sind überzeugte Kommunisten der ersten Stunde, vor den Nazis bis nach Mexiko ins Exil geflüchtet, immer treu auf Moskauer Linie geblieben, auch noch nachdem beide Söhne in die Mühlen der Stalinistischen Säuberungen geraten waren. Sohn Werner verschwindet für immer, Kurt kehrt nach über einem Jahrzehnt Lagerhaft und Verbannung in die DDR zurück, in der inzwischen seine Eltern zur neuen Elite gehören. Trotz Karriere als Historiker vergißt er die Erfahrungen in der UDSSR nicht, schon gar nicht, nachdem er in den 60er Jahren bei einer Parteiveranstaltung auf einen seiner Vernehmer aus den Moskauer Folterkellern trifft.

Paßt sich Kurt äußerlich noch in die DDR Gesellschaft ein, ist sein Sohn Alexander zu solcherlei Kompromissen auf Dauer nicht mehr zu bewegen, schon gar nicht nachdem er die Realität der innerdeutschen Grenze aus nächster Nähe erleben mußte: "... niemals würde er die Roling Stones live erleben, niemals würde er Paris oder Rom oder Mexiko sehen, (...) noch nicht einmal Westberlin (...) weil zwischen hier und dort, (...) zwischen der kleinen, engen Welt, in der er sein Leben würde verbringen müssen, und der anderen, der großen, weiten Welt, in der das große, das wahre Leben stattfand - weil zwischen diesen Welten eine Grenze verlief, die er, Alexander Umnitzer, demnächst auch noch bewachen sollte." (S 212)

Als die DDR bereits bedrohlich im Gebälk knirscht, steuern diese drei Generationen der Powileit-Umnitzers anläßlich des 90igsten Geburtstags des Familienpatriarchen auf den großen Knall zu. Wilhelm verachtet Gorbatschow genauso sehr wie den ersten "Tschow", Nikita Chruschtschow. Nach Stalin ging es in seinen Augen nur noch bergab, dass Stalin Werner auf dem Gewissen hat, spielt für den starrsinnigen Alten keine Rolle. Kurt setzt seine letzten Hoffnungen auf Glasnost und Perestroika. Doch Alexander ist schon einen Schritt weiter. Er wählt den Ehrentag des Großvaters, um über Ungarn in den Westen zu flüchten. Dass Wilhelm den nächsten Morgen nicht mehr erleben wird und somit auch verpaßt wie sein Enkel im Westen ankommt und der Urenkel Markus schließlich im vereinigten Deutschland aufwächst, rundet den Handlungsstrang eines großartigen Romans ab.

Allein die Schilderungen der Geburtstagsfeier im Oktober 1989 wären bereits den Deutschen Buchpreis 2011 wert, absurde Alltagsszenen eines absurden Staates, die einerseits brüllend kommisch sind, andererseits aber tragischer Endpunkt eines totalen Scheiterns des vermeintlich besseren Gesellschaftssystems. Ruge wird es im Kulturbetrieb allerdings schwer haben mit seiner schonungslosen Abrechnung mit den Verirrungen des Kommunismus, welche drei Generationen Hoffnungen und schlußendlich Lebensoptionen (wenn nicht gar das Leben selbst) gekostet haben. Die Diskussion um das Unrechtswesen des DDR Staates hat bereits angedeutet, dass die Verklärung der Vergangenheit bereits wieder um sich greift und insbesondere unter den vermeintlich Kulturbeflissenen Utopien von gesellschaftlichen Alternativen zur Marktwirtschaft Konjunktur haben. Es wird spannend sein zu sehen, ob es Ruges Roman über die Shortlist hinaus auch aufs Podium schafft oder ob die politisch weniger klare Kante zeigende Konkurrenz vorbeiziehen wird. Nur gut, dass es keines offiziellen Preises bedarf, um als gelungener Roman gefeiert zu werden.
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