Nachdem ich vor einiger Zeit "Eine Insel im Meer", Band 1 der Geschichte um Steffi und Nelli, gelesen habe und davon sehr begeistert war, bin ich in unserer Bücherei auf "In der Tiefe des Meeres", den 3. Band der Trilogie um die beiden Schwestern gestoßen. Obwohl ich den 2. Band, "Eine Bank am Seerosenteich" nicht kannte, hab ich also den letzten Band ausgeliehen und gleich ausgelesen.
Steffi und ihre kleine Schwester Nelli sind älter geworden. Mittlerweile ist Steffi von der kleinen Insel "am Ende der Welt" fortgezogen, um in der Stadt das Gymnasium zu besuchen. Häppchenweise erfährt man, was sich in Band 2 zugetragen haben muss - Steffi hatte sich in den Sohn der "Herrschaften" verliebt, bei denen sie zunächst wohnen durfte und die sie bereits im ersten Band als Feriengäste auf der Insel kennengelernt hatte. Nun wohnt sie bei ihrer Freundin Maj, die mit ihr in eine Klasse geht. Auch Vera, die ebenfalls von der Schäreninsel kommt, auf der Steffi und Nelli zunächst untergekommen waren, ist jetzt in der Stadt und arbeitet bei einer Familie. Steffi sammelt eine Menge neue Erfahrungen, wird langsam erwachsen und versucht durchzusetzen, dass sie bis zum Schluss das Gymnasium besuchen darf, um Ärztin werden zu können. Von den Eltern, die im Lager Theresienstadt gefangen gehalten werden, erhält sie nur selten Briefe, die immer nur 30 Wörter lang sein dürfen. Auch Nelli ist größer geworden. Steffi sammelt in der Stadt erste Erfahrungen mit jungen Männern, nachdem Vera sie zum Tanzen mitgenommen hat - keine guten!
Im Sommer lebt sie wieder bei der verschlossenen und strengen Tante Märta und Onkel Evers auf der Insel. Alles wird vom 2. Weltkrieg überschattet und kurz vor Schluss erhält Steffi dann auch noch eine schreckliche Nachricht von ihren Eltern...
Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und man kann sich sehr gut in das Schicksal von Steffi hineinversetzen. Die Anforderungen, die die Welt an sie stellen sind fast nicht zu bewältigen und überall trifft sie auf Widerstand. Doch sie wächst auch daran und wird erwachsen - so trägt sie etwa einen Konflikt mit der bigotten Kirchengemeinde aus (im ersten Band ist sie ja zwangsweise getauft worden), die so unmenschlich sind und ihr die Kollekte als Hilfszahlung für ihre Eltern im Lager verweigern, weil diese keine Christen, sondern Juden sind. "In der Tiefe des Meeres" hat mich sehr berührt und ich denke, dass man auch als Jugendlicher schon einen guten Einblick ins Seelenleben eines jüdischen Mädchens in Zeiten des Krieges erhält.
Sehr zu empfehlen!