Zuerst zu "Aguirre": Dass Popol Vuh so gute und bewegende Filmmusik machen konnten lag wohl daran, dass Florian Fricke nicht nur Musiker, sondern auch Filmfachmann war. Das ermöglichte ihm offensichtlich einen guten Zugang zu passender Filmmusik, wozu ein gutes Gefühl für Dramaturgie unerlässlich ist. Jedenfalls 4 Sterne für die "Aguirre"-Tracks hier.
"In den Gärten Pharaos", Popol Vuhs zweites Album, im Frühjahr 1972 auf dem damals neu gegründeten Pilz-Label erstveröffentlicht, könnte dafür 6 Sterne abkassieren, aber es gibt hier nur 5 ... fangen wir beim Titelstück an: Fricke und seine beiden damaligen Mitspieler setzten dort an, wo die epochale "Affenstunde"-LP geendet hatte - Moog-Musik mit Wärme und tiefer Emotionalität, schön fließend und pulsierend, und damals schlichtweg einzigartig. Das sollte nicht lange so bleiben, und wer weiß, was in den letzten vier Jahrzehnten alles passiert ist, mag das als überholt einstufen. Aber ist das ein wirklich gerechtes Urteil? Ich würde sagen: Nein. Außerdem war es ein würdiger Abschluss der frühen Moog-Phase der Gruppe.
Bleibt ein 20-Minuten-Stück, das über jede "Überholt"- oder sonstige Diskussion erhaben ist und bleiben wird, und in der großen Popol Vuh-Werkschau bis heute einen besonderen Platz einnimmt: "Vuh" stellte unter Beweis, dass sie sich selber übertreffen konnten. Hinter der scheinbaren Monotonie dieses live in der Stiftskirche von Bamberg mit Kirchenorgel, Moog und Perkussion produzierten Stücks verbirgt sich eine Vielfalt von Melodien und Rhythmen, die sich einem Hörer, der sich dieser Musik voll hingibt, erschließen wird. Mit fällt dazu eine Songzeile der 13th Floor Elevators ein: "Come on - and let it happen to you" (aus "Roller Coaster"), und das ist es: Lass diese Musik nicht nur in deine Ohren, sondern auch in dein Hirn und in dein Herz hinein! "Vuh" ist 2012 noch genauso außergewöhnlich wie 1972, was gibt es da mehr zu sagen?
Ob man Popol Vuh jemals unter Krautrock einordnen konnte oder nicht, sei dahingestellt, da gab und gibt es Für und Wider. Eine Klasse für sich waren sie sowieso.