Mit allen denkbaren Transportmitteln lebender und toter Materie, die sich dabei teilweise in fast nichts als Luft aufzulösen vermögen, jagen Mr. Phileas Fogg und sein Diener Passepartout um die 1872 noch recht unzivilisierte Erdkugel. Durch eine Wette steht das Vermögen des britischen Gentlemans auf Messers Schneide. Eine indische Prinzessin, Indianer, Agenten und vielerlei fremdartiges Getier erschweren den Triumph über den elitären adligen Londoner Reform Club seiner Opponenten. Wie im Fluge vergehen bei Zuhören 80 Tage Wettfrist und verrinnen diese Fogg zwischen den Fingern.
Mit den vertrauten und renommierten Stimmen Hans Clarins, Benno Sterzenbachs und vieler anderer deutscher Theatergrößen, vermag das Hörspiel alle Altersklassen zu überzeugen. Clarin und Co. verfügen über ein facettenreiches Repertoire an Stimmen und Interpretationen für auch noch die kleinste Nebenrolle. Die typische Atmosphäre und Aufbruchstimmung der Frühindustrialisierung stellt sich alsbald ein. Wolfgang Büttner beherrscht Foggs snobistischen Charakter bis auf's i-Tüpfelchen.
Das Hörbuch vermittelt einen stark überspitzten Einblick in die Kulturen und Gewohnheiten der Völker dieser Erde. London, Suez, Indien, China, Japan, Nordamerika, Liverpool und wieder London werden bereist. Gelungene Klang- und Geräuschkulissen unterstützen dezent, aber eindrucksvoll die Sprechleistung. Keine der Personen wirkt überzeichnet, sondern absolut pointiert dargestellt. Das Vokabular ist zeitgenössisch gestelzt und reizt zum Schmunzeln, wie auch Foggs einzige wirkliche Schwierigkeit der Reise: das Handling seiner großen Liebe Aouda. Doch auch hier obsiegt der britische Phlegmatiker schlussendlich. Die Erzählung bleibt stets fließend und die Reisestrapazen ziehen den Hörer in einen tropisch-transatlantischen Bann.
Insgesamt entstand 1961 eine sonnige und frische Hörspiel-Produktion in gewohnter Bayerischer Rundfunk-Qualität für alle Altersgruppen, die man mit besonderem Genuss im winterlichen Ohrensessel erleben wird; auch noch fast Jahre 132 Jahre nach dem. 21. Dezember 1872, dem chronometrischen Höhepunkt aller touristischen Bemühungen.