...und der Traum eines jeden Blues-Gitarristen ! Stevie Ray versteht sich mit diesem Schallfeuerwerk bestens darauf den geneigten Hörer immer auf's Neue zu elektrisieren. Ob es, wie mit dem Opener, richtig in die Vollen geht, oder gleich darauf mit "Crossfire" Bluesgeschichte geschrieben wird - Stevie's unverwechselbar erdiger Ton lässt einen stets den Atem anhalten, in der Sorge man könnte auch nur ein Detail seines grandiosen Spiels überhören. Seine berühmte Ausdrucksstärke kann auch schon mal richtig unheimlich werden, wie z.B. in "Leave my girl alone", da man es sich nach jedem der bissigen Licks oder den Gesangseinlagen (Albert Collins sagte mal: "Eine Stimme, wie aus dem tiefsten Mississippi-Delta !") zweimal überlegt, etwas mit dem Mädchen eines Mannes anzufangen, der allein schon akustisch derart einzuschüchtern weiss.
Und: Ja, es ist wahr - Stevie misshandelt seine Gitarren ! Er reisst, würgt, schlägt & schleudert sie, doch sie danken es ihm mit einem singenden Klang, voll & brutal, dann wieder flüsternd & filigran. Dieser Facettenreichtum und seine extrem physische Spielweise, die sich der Künstler während seines (viel zu kurzen) Lebens angeeignet hat, lassen sich das ganze Album lang raushören. Allen anderen Perlen voran, vielleicht auf "Riviera Paradise", wo er mit dem famosen Reese Wynans (Keyboards) ein unvergleichlich stimmungsvolles Bild zaubert, einen Ort, so lebendig und spontan, wie jeder Takt seines Spiels. Hier geht Stevie für knapp neun Minuten unter die Haut, lässt Wellen schwappen, Vögel zwitschern und Palmenblätter in der Brise wehen - ähnlich seinem Vorbild J.Hendrix, doch technisch und rhythmisch ungemein versierter.
Möglicherweise ist es meine Liebe zum Instrument, die mich so ehrfürchtig vor diesem Silberling gefesselt hat (drei Stunden am Stück - beim ersten Mal !), vielleicht war es aber auch der Respekt vor einem Ausschnitt aus dem Leben eines Mannes, der sich für seine Gitarre aufgeopfert hat - denn mal ehrlich: Stevie hat nicht das Rad neu erfunden, keine technischen Experimente zu kreativem Neuland erklärt, nein, Stevie Ray Vaughan aus Texas hat Gitarre gespielt - mit Leib & Seele !
Und das hört man...