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In Stahlgewittern [Gebundene Ausgabe]

Ernst Jünger
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (94 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

2007
»›In Stahlgewittern‹ machte ihn zum Helden einer Generation junger Offiziere, die alles gegeben hatten und am Ende bestenfalls das Eiserne Kreuz davontrugen. Gide pries es als ›das schönste Kriegsbuch, das ich je las.‹ Tatsächlich ähnelt es keinem anderen Buch der damaligen Zeit – keine Spur von den pastoralen Meditationen eines Siegfried Sassoon oder Edmund Blunden, kein Anflug von Feigheit wie bei Hemingway, kein Masochismus wie bei T. E. Lawrence und kein Mitleid wie bei Remarque.« Bruce Chatwin

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 324 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 48 (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 360895208X
  • ISBN-13: 978-3608952087
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 13,6 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (94 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 116.790 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Ernst Jünger, am 29. März 1895 in Heidelberg geboren. 1901–1912 Schüler in Hannover, Schwarzenberg, Braunschweig u. a. 1913 Flucht in die Fremdenlegion, nach sechs Wochen auf Intervention des Vaters entlassen 1914–1918 Kriegsfreiwilliger 1918 Verleihung des Ordens »Pour le Mérite«. 1919–1923 Dienst in der Reichswehr. Veröffentlichung seines Erstlings »In Stahlgewittern«. Studium in Leipzig, 1927 Übersiedlung nach Berlin. Mitarbeit an politischen und literarischen Zeitschriften. 1936–1938 Reisen nach Brasilien und Marokko. »Afrikanische Spiele« und »Das Abenteuerliche Herz«. Übersiedlung nach Überlingen. 1939–1941 im Stab des Militärbefehlshabers Frankreich. 1944 Rückkehr Jüngers aus Paris nach Kirchhorst. 1946–1947 »Der Friede«. 1950 Übersiedlung nach Wilflingen. 1965 Abschluß der zehnbändigen »Werke«. 1966–1981 Reisen. Schiller-Gedächtnispreis. 1982 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/Main.1988 Mit Bundeskanzler Kohl bei den Feierlichkeiten des 25. Jahrestags des Deutsch-Französischen Vertrags. 1993 Mitterrand und Kohl in Wilflingen. 1998 Ernst Jünger stirbt in Riedlingen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In den Kreidegräben der Champagne Der Zug hielt in Bazancourt, einem Städtchen der Champagne. Wir stiegen aus. Mit ungläubiger Ehrfurcht lauschten wir den langsamen Takten des Walzwerks der Front, einer Melodie, die uns in langen Jahren Gewohnheit werden sollte. Ganz weit zerfloß der weiße Ball eines Schrapnells im grauen Dezemberhimmel. Der Atem des Kampfes wehte herüber und ließ uns seltsam erschauern. Ahnten wir, daß fast alle von uns verschlungen werden sollten an Tagen, in denen das dunkle Murren dahinten aufbrandete zu unaufhörlich rollendem Donner – der eine früher, der andere später? Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen, begeisterten Körper zusammengeschmolzen. Aufgewachsen in einem Zeitalter der Sicherheit, fühlten wir alle die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen, in einer trunkenen Stimmung von Rosen und Blut. Der Krieg mußte es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen. »Kein schönrer Tod ist auf der Welt ...« Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen dürfen! »In Gruppenkolonne antreten!« Die erhitzte Phantasie beruhigte sich beim Marsch durch den schweren Lehmboden der Champagne. Tornister, Patronen und Gewehr drückten wie Blei. »Kurztreten! Aufbleiben dahinten!« Endlich erreichten wir das Dorf Orainville, den Ruheort des Füsilierregiments 73, eins der ärmlichen Nester jener Gegend, gebildet durch fünfzig Häuschen aus Ziegel- oder Kreidestein um einen parkumschlossenen Herrensitz. Das Treiben auf der Dorfstraße bot den an die Ordnung der Städte gewöhnten Augen einen fremden Anblick dar. Man sah nur wenige, scheue und zerlumpte Zivilisten; überall Soldaten in abgetragenen, zerschlissenen Röcken mit wettergegerbten, meist von großen Bärten umrahmten Gesichtern, die langsamen Schrittes dahinschlenderten oder in kleinen Gruppen vor den Türen der Häuser standen und uns Neulinge mit Scherzrufen empfingen. In einem Torweg glühte eine nach Erbsensuppe duftende Feldküche, von kochgeschirrklappernden Essenholern umringt. Es schien, als triebe das Leben hier ein wenig dumpfer und langsamer. Der Eindruck wurde durch den beginnenden Verfall des Dorfes noch vertieft. Nachdem wir die erste Nacht in einer gewaltigen Scheune verbracht hatten, wurden wir im Hofe des Schlosses vom Regimentsadjutanten, dem Oberleutnant von Brixen, eingeteilt. Ich kam zur neunten Kompanie. Unser erster Kriegstag sollte nicht vorübergehen, ohne uns einen entscheidenden Eindruck zu hinterlassen. Wir saßen in der uns zur Unterkunft angewiesenen Schule und frühstückten. Plötzlich dröhnte eine Reihe dumpfer Erschütterungen in der Nähe, während aus allen Häusern Soldaten dem Dorfeingang zustürzten. Wir folgten ihrem Beispiel, ohne recht zu wissen, warum. Wieder ertönte ein eigenartiges, nie gehörtes Flattern und Rauschen über uns und ertrank in polterndem Krachen. Ich wunderte mich, daß die Leute um mich her sich mitten im Lauf wie unter einer furchtbaren Drohung zusammenduckten. Das Ganze erschien mir etwas lächerlich; etwa so, als ob man Menschen Dinge treiben sähe, die man nicht recht versteht. Gleich darauf erschienen dunkle Gruppen auf der menschenleeren Dorfstraße, in Zeltbahnen oder auf den verschränkten Händen schwarze Bündel schleppend. Mit einem merkwürdig beklommenen Gefühl der Unwirklichkeit starrte ich auf eine blutüberströmte Gestalt mit lose am Körper herabhängendem und seltsam abgeknicktem Bein, die unaufhörlich ein heiseres »Zu Hilfe!« hervorstieß, als ob ihr der jähe Tod noch an der Kehle säße. Sie wurde in ein Haus getragen, von dessen Eingang die Rote-Kreuz-Flagge herabwehte. Was war das nur? Der Krieg hatte seine Krallen gezeigt und die gemütliche Maske abgeworfen. Das war so rätselhaft, so unpersönlich. Kaum, daß man dabei an den Feind dachte, dieses geheimnisvolle, tückische Wesen irgendwo dahinten. Das völlig außerhalb der Erfahrung liegende Ereignis machte einen so starken Eindruck, daß es Mühe kostete, die Zusammenhänge zu begreifen. Es war wie eine gespenstische Erscheinung im hellen Mittagslicht. Eine Granate war oben am Portal des Schlosses krepiert und hatte eine Wolke von Steinen und Sprengstücken in den Eingang geschleudert, gerade als die durch die ersten Schüsse aufgeschreckten Insassen aus dem Torweg strömten. Sie erschlug dreizehn Opfer, darunter den Musikmeister Gebhard, eine mir von den hannoverschen Promenadekonzerten her wohlbekannte Gestalt. Ein angebundenes Pferd witterte die Gefahr eher als die Menschen, riß sich wenige Sekunden vorher los und galoppierte, ohne verletzt zu werden, in den Schloßhof hinein. Obwohl die Beschießung sich in jedem Augenblick wiederholen konnte, zog mich das Gefühl einer zwingenden Neugier an den Unglücksort. Neben der Stelle, die die Granate getroffen hatte, baumelte ein Schildchen, auf das die Hand eines Spaßvogels die Worte »Zur Granatecke« geschrieben hatte. Das Schloß war also wohl schon als gefährlicher Ort bekannt. Die Straße war von großen Blutlachen gerötet; durchlöcherte Helme und Koppel lagen umher. Die schwere Eisentür des Portals war zerfetzt und von Sprengstücken durchsiebt, der Prellstein mit Blut bespritzt. Ich fühlte meine Augen wie durch einen Magneten an diesen Anblick geheftet; gleichzeitig ging eine tiefe Veränderung in mir vor. [...]

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72 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sine ira et studio 5. Dezember 2009
Format:Gebundene Ausgabe
»...ein Homer hätte keinen Achill, ein Goethe keinen Faust gedichtet, wenn Homer ein Achill und wenn Goethe ein Faust gewesen wäre«, schreibt Nietzsche.

Wenigstens ersteres hat Ernst Jünger mit diesem Buch widerlegt. Er ist erst Kriegsheld, erhält den während des gesamten Ersten Weltkrieges nur knapp über 600 Mal vergebenen Orden Pour le Mérite (dessen letzter lebender Träger er viele Jahre später werden sollte) und schreibt dann ein epochemachendes Werk über diesen entsetzlichen Krieg.

Grauen und Entsetzen des Krieges konnte er nur darstellen, in dem er versuchte sine ira et studio zu schreiben. »In Stahlgewittern« ist folglich weder ein Anitikriegsroman noch ein die Schlachten verherrlichendes Werk, sondern ein nüchterner Bericht. Dass er das Buch in meinem Alter geschrieben hat, also mit Anfang zwanzig, erfüllt mich mit Verblüffung und Bewunderung.

Ich habe das Buch fünf Mal gelesen, jedes Mal erfüllt von der Dankbarkeit, zu einer Generation zu gehören, die den Krieg nicht am eigenen Leib erlebt (möge es so bleiben) und von der Bewunderung für die Klarsicht und Beobachtungsschärfe, die Fairness gegenüber dem Gegner und die gegen sich selbst schonungslose Ehrlichkeit des jungen Ernst Jünger.
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221 von 243 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Must Read 4. März 2003
Von M. Burger
Format:Gebundene Ausgabe
Als jemand der 1970 geboren wurde, verwundert mich nach der Lektüre dieses Buches zunächst, dass es uns in der Schule, sowohl im Literatur- als auch Geschichtsunterricht vorenthalten wurde und weiters, der seltsame Geruch der Jünger immer wieder angedichtet wurde (Revisionist, Nazi-Wegbereiter).
Das Buch liefert nämlich im Gegenteil in den letzten Kapiteln eindrucksvolle Darstellungen wie sehr die Allierte Seite bereits überlegen war (z.B. die vollen Vorratskammern in den Schützengräben der schottischen Highlander-Division, die von den Deutschen entdeckt werden als sie deren Stellungen überrennen), ein Sieg aussichtslos war.
Statt Jünger war uns in der Schule Remarque verordnet, und sein sicher auch wertvolles Im Westen nichts Neues. Der Unterschied in beiden Büchern erschließt sich wohl vor allem aus dem persönlichen Erlebnishorizont: während der eine im Krieg hauptsächlich im Lazarett die Halbtoten und Toten vor Augen hat, kämpft der andere in den Schützengräben an vorderster Front.
Wer verstehen will, was die jungen Menschen von damals in diesem Kampf getrieben und motiviert hat, der ist mit Jünger endlich bedient. Aus der Lazarettperspektive erschließt sich der Krieg als einzige Blutmühle, während Jünger - wohl in einiger Selbstüberschätzung - schildert, wie er an vorderster Front eine Offensive stoppt, denn "auch in den hochtechnisierten Schlachten sind es immer wieder einzelne Menschen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden".
Ein faszinierendes Buch, das ich atemlos gleich bis zum Schluss gelesen habe. Ich wage zu behaupten, mit Remarque sind diese Schlachten nicht zu verstehen, Jünger dagegen ist ein Beitrag gelungen.
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67 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kampf als äußerstes Erlebnis 2. November 2006
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Stahlgewitter", "Trommelfeuer", "Flammenmeer", "Leichenfelder", "Eisenhagel", "Feuersturm" - so lauten die immer wiederkehrenden Elementarbegriffe in Jüngers Beschreibung seiner Erlebnisse in den vordersten Linien der Materialschlachten des Ersten Weltkriegs. Viele dieser bildhaften Begriffe lehnen sich an das Vokabular tosender, zerstörerischer Naturgewalten an. Und genauso wird der Krieg auch von Jünger erfahren: als eine vernichtende Urkraft. Der Autor hat den Ersten Weltkrieg als junger Soldat und als Stoßtruppführer mitgemacht und aus seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen diesen berühmten literarischen Bericht geformt, eines der bedeutendsten Kriegsbücher deutscher Sprache. Völlig ohne Sentimentalität oder Betroffenheit wird das Kriegsgeschehen vor dem Leser ausgebreitet, es erscheint wie ein einziges großes Abenteuer. Jüngers "heroische" Haltung wurde allerdings vielfach als Kriegsverherrlichung und reaktionärer Kämpfermystizismus verstanden. Dennoch: "In Stahlgewittern" ist ein sehr lesenswertes Buch, gerade in Zeiten, in denen Anzug tragende Kriegstreiber Lügen wie die vom "sauberen Krieg" oder von "chirurgisch präzisen Luftschlägen" verbreiten.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein aussergewöhnliches, fast unheimliches Buch 14. Juli 2010
Von Hansmann
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe soeben die "Stahlgewitter" fertig gelesen und bin dermassen beeindruckt wie noch nie zuvor von einem Buch.

Wer verstehen will, WAS und WIE Krieg ist - vor allem das unfassbare Grauen der Grabenkämpfe - kommt um dieses Werk nicht herum.

Es sind vor allem die unheimlichen Details (zB ein am Helm abprallendes Geschoss ist dermassen laut das es als langes Echo durch die Gräben hallt, oder Granaten entzünden das Gras am Schlachtfeld sodass etliche Verwundete verbrennen)

Besonders gegen Ende zu - der grossen Schlacht - fühlt man sich derart miteinbezogen in dieses allumfassende Gemetzel, dass man die Beweggründe der im Blutrausch Vorstürmenden einfach versteht - jenseits irgendwelcher aufgesetzten und angelernten Moralvorstellungen.

Welch ein Glück, dass Jünger weit entfernt von allen Schulmeistereien und Pseudo-Belehrungen einfach nur zeigt wie sich der Krieg im Kopf des einzelnen miteinbezogenen Kämpfers auswirkt.

Jünger - weit mehr als eine Jahrhunderterscheinung - gestorben erst mit 103 Jahren - stellt sich als granitharte Überlebensmaschine dar (er war auch im WW2 Soldat) - der sich politisch jedoch nie kaufen oder vereinnahmen liess.
Dieses Buch - schon früh in den Zwanzigerjahren zum Kultbuch geworden - ist von einem verfasst worden, der nicht nur beteiligter Soldat war (er war hochdekorierter Stosstruppführer)- sondern an vordester Front im Blutrausch wütender Berserker, der trotzdem akriebisch genau die Gemetzel festhält.

Dieses Buch hat etwas Unheimliches, Bedrohliches - die Bilder die es erzeugt bleiben im Gedächtnis des Lesers.

Und: Es ist mit Sicherheit die drastischste und brutalste Kriegsschilderung die ich kenne - Dantes Inferno zum Quadrat.

Also nichts für zarte Gemüter!

Wer Mut hat lese dieses - zugegeben kontroverse - Buch.

Ein Jahrhundertbuch.
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