Von Mike Scotts Band "The Waterboys" hat man lange nichts gehört. Völlig überraschend kam jetzt dieses Album auf den Markt, und es ist in zweierlei Hinsicht eine Überraschung. Erstens,weil da überhaupt ein Album aus dem Nichts kommt,und zweitens,weil man gerade mit diesem Album überhaupt nicht gerechnet hat. Es handelt sich nämlich um Demoaufnahmen Mike Scotts aus den Jahren 1984/1985,die fast gänzlich nur mit Piano instrumentiert sind und aus denen einmal das grandiose zweite Waterboys-Album "This Is The Sea" entstehen sollte. Die Herausgabe verwundert insofern,da erst 2004 eine Neuversion des Originalalbums erschien,das 14 "Additional Tracks" beinhaltete-allerdings in komplett ausgearbeiteter Form. Die hier vorliegenden Piano-Demos sind hier wieder ein ganz anderer Ansatz. Aus 13 hier präsentierten Tracks und zwei voll instrumentierten Bonussongs mit einer Laufzeit von 51 Minuten wurde letztendlich ein Album mit nur 9 Songs,wobei "Spirit","Medicine Bow" und der Titeltrack "This Is The Sea" nicht einmal unter den Demos enthalten sind. Mit der Pianoversion von "Beverly Penn" findet sich auch nur ein einziges Stück,welches in ausgearbeiteter Form unter den Zusatztracks des Re-Releases enthalten ist. Dafür gibt es mit "All The Bright Horses","Custers Blues","The Day I Ran Out Of People","Winter In The Blood""The Woman In Me","Looking For Dickon","Paris In The Rain" und "Talk Like Wings" jede Menge komplett unveröffentlichter Stücke. Dazu gesellt sich ein kraftvoller Remix des Tracks "Trumpets" aus dem Jahr 2011,auf dem Mike Scott vor allem mit der Abmischung seiner Stimme hochzufrieden ist. Auch die Demos der bekannten Klassiker sind sehr interessant,teilweise beinhalten sie noch später veränderte Textformen oder völlig andere Betonungen im Gesang.
Obwohl bis auf wenige Ausnahmen nur Piano vorkommt,klingt das Album wie ein vollwertiges Waterboys-Album,ist völlig kraftvoll und nervt auch am Stück kein bißchen. Selten ist mir aufgefallen,wie dominant das Piano auch auf den regulären frühen Aufnahmen der Band ist(die als "The Big Music" tituliert wurden,bevor sie zum Folk wechselten),denn Scott spielt es einfach meisterhaft und natürlich völlig fehlerfrei. Somit ist "A Special Place" als Ergänzung zu "This Is The Sea" wunderbar,aber auch für Hörer,die den Albenklassiker nicht kennen als gelungener Einstieg zu empfehlen. Die Linernotes des Booklets von Scott tun dazu ihr Übriges. Tolle Neuerscheinung!