Es ist durchaus loeblich, dass Donna Leon in ihrem achten Brunetti-Krimi versucht der Reihe eine neue Perspektive zu geben: Nicht Kidnapper, Umweltsuender oder Klerikale stossen das Geschehen an, sondern Brunettis Frau Paola selbst. Diese empoert sich ueber ein oertliches Reisebuero welches Sextrips in den Fernen Osten vermittelt. Um der Sache Einhalt zu gebieten greift sie, im wahrsten Sinne des Wortes, zur eher unorthodoxen Methode wiederholt Pflastersteine in das Schaufenster der Reiseagentur zu werfen. Signora Brunetti geht dafuer ins Kittchen, und eines Tages wird der Inhaber des Bueros tot aufgefunden. Beides ruft Mann Guido auf den Plan, der in gewohnt routinierter Manier den Fall zur Zufriedenheit aller loest. Dieser Krimi ist ebenso solide heruntergeschrieben wie seine Vorlaeufer, und wer ein eingefleischter Donna Leon Fan ist, wird auch ihr achtes Buch verschlingen. Ansonsten kann man sich der Erkenntnis nicht verwehren, dass sich die Reihe langsam aber sicher totlaeuft. Zu statisch die Charaktere, zu aehnlich die plot-Schablonen, zu ennervierend die Venedig-Platitueden, die Leon immer und immer wieder auflegt. Die Brunetti-Reihe ist zu erfolgreich als dass Leon nicht noch ein paar Romane nachlegen wuerde, aber vielleicht sollte sie dem guten Guido doch einmal eine laengere Pause goennen. Wer wirklich spannende Krimiromane mit italienischem Flair, geschrieben von angelsaechsischen Autoren, liebt, der sollte sich lieber an Timothy Holme oder Michael Dibdin halten. Leon erwaehnt dies nie, aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sie selbst diese beiden in extenso fuer ihre Werke ausbeutet. Nicht dass das verboten sei - aber die Originale sind doch weit besser als die Kopie; auch in achtfacher Ausfuehrung.