Ich schliesse mich gern denen an, die "Im Reich der Sinne" als Meisterwerk verstehen. Auch wenn der Schluss bzw. das Bild wirklich nicht "schön" ist, ich konnte auch nicht so lange hinsehen, wie die Kamera das zeigte, und doch so gnadenlos ehrlich und bedingunslos wie der Film bzw. das, worum es geht.
Vermutlich liegt das im eigenen Erleben, der eigenen Tiefe, in die man sich bzw. ich bin ja eine Frau :-) gewagt hat, um dem zu folgen - innerlich, fasziniert, erschreckt und doch dem ganzen ausgeliefert, wer diese Tiefe sucht, wo selbstvergessen die Bestimmung ihren Lauf nehmen. Wer wagt sich schon so weit?
Weder mag ich Gewalt, noch den japanischen kühlen knappen Stil. Manche Szenen wirkten sehr authentisch, manche etwas gestellt. Über Gewalt, also in diesem Fall Schläge oder Strangulieren, kann ich nicht viel sagen, mag so etwas nicht. Auch wenn man keine Liebhaberin solcher Praktiken ist, lenken sie doch nicht vom Eigentlichen ab, um das es in dem Film geht, um bedingunslose Liebe, Hingabe bis zur Ich-Auslösung, die ein Weiterleben so unerträglich macht, dass der Tod Beider, denn es ist ein Tod Beider, unausweichlich ist bzw. konsequent.
Es geht auch nicht um Sextechniken, denn die sind eher langweilig und nicht sehr kreativ, aber der Sog, in dem sich beide befinden wird sehr klar, die Steigerung geschieht innen, die Körper werden "zu klein" oder zu begrenzt dafür.
Ich hatte großes Glück, dass ich die Doku zu dem Film auf ARTE heute vor dem Spielfilm sehen konnte. Darin waren viele Interviews der Darsteller (aus dem Jahr 2010, nicht von 1976!), die Sicht des Themas, insbesondere dass dieser Film eher aus der Perspektive von Sada Abe dargestellt wurde. Es gab auch die echte Sada zu sehen, deren Biografie verfilmt wurde. Sie sagt: "ich habe nicht Schlimmes getan, er hat immer wieder drum gebeten" und das seh ich ebenso. Sie bekam 6 Jahre und wurde nach 5 Jahren begnadigt. Wenn ich das Interview mit der echten Sada geführt hätte, wäre meine brennende Frage, ob sie jemals wieder Sex danach hatte.
Sehr gut gefällt mir, dass es kein "moderner" Film ist, er bleibt beim Wesentlichen, nichts lenkt ab, kein Schicki-Micki, keine Hightech-Kulisse, wirklich wunderbar.