Frei nach Amy Farrah Fowler: "Most of the time I'm listening to really challenging music (aka progressive metal and rock), sometimes, it's nice to goof off and listen to something silly and simple (aka power metal)."
Ich weiß ja nicht, was der ein oder andere erwartet (hat), aber ich finde, die Scheibe klingt genau so, wie es die Namen erwarten lassen. Soll heißen, "Stratovarius mit André Matos am Mikro". Natürlich ist das seichte Kost, aber gut gemacht. In meinen Augen ist Power Metal eigentlich immer seichte Kost - auch wenn darunter dann nochmal besonders seichte Kost zu finden ist. Aber das hängt vom Auge des Betrachters ab.
Natürlich finden sich auf dem Album die typischen "Schwedenmetal"-Elemente (auch wenn es sich bei Stratovarius und Sonata Arctica ja um Finnen handelt; unter dem Begriff subsumiere ich alle Metalbands, die diese Art von melodischem Power Metal zum Besten geben): Viele Anlehnungen an die Klassik, v.a. Barock, Keyboard im Cembalomodus und singende und eher auf Melodie als auf Frickelei getrimmte Gitarrensoli. Man merkt einfach, daß Tolkki sowohl bei Stratovarius als auch hier am Steuer sitzt. Und man wird bei dem ein oder anderen Keyboardeinsatz an Sonata Arctica erinnert. Alles andere wäre ja auch eher überraschend.
Und natürlich drückt André Matos dem Ganzen mit seiner Stimme auch seinen Stempel auf. Und ich finde, daß er brilliant paßt und ebenso singt. V.a. beim Titeltrack und dem letzten Song eindrucksvoll zu hören.
"Don't Let Me Go" ist zwar eine Ballade, aber man kennt das ja: die besten Balladen stammen i.d.R. von Metalbands, die sonst eher etwas ganz anderes spielen. Und "Don't Let Me Go" finde ich schon rel. gut. Eine Hammerballade ist übrigens "Promises" von Adagio (auf deren Hammerscheibe "Underworld").
So einen richtigen Ausfall konnte ich bislang nicht ausmachen. Die Songs plätschern so dahin, aber sind trotzdem gehaltvoll genug, um ihnen seine ganze Aufmerksamkeit widmen zu können, ohne gleich genervt zu sein. Immerhin sind die Texte (ich habe noch nicht so genau hingehört und zum Booklet komme ich gleich noch) nicht ganz so schmalzig wie auf den beiden Stratovarius-Scheiben, die bei mir im Regal stehen: Visions und Infinity.
Die Melodien sind eingängig, es macht Spaß, diese Scheibe zu hören. Keinen Spaß macht allerdings das Booklet. Es ist schlicht eine Frechheit. Die ausgewählte Schriftart läßt sich in Kombination mit der geringen Schriftgröße nur mühsam lesen und zieht sich durch das gesamte Booklet. Da war wohl wieder ein "Künstler" am Werke. Wer also auf die CD-Version verzichten kann, das Booklet ist jedenfalls kein Grund nicht zur MP3-Version zu greifen... Allerdings muß ich dazu sagen, daß meine CD offensichtlich in Argentinien (an Icarus Music von Edel GmbH sublizensiert, die Rechtshinweise sind in Englisch bzw. Spanisch gehalten) hergestellt wurde. K.A., ob das auf die im deutschen Handel erhältliche auch zutrifft und ob dort das Booklet genauso aussieht.
Fazit: Netter, songorientierter Metal. Innerhalb des Melodic Power Metal Kosmos' (oder wie auch immer man das einordnen will) kann ich wohl getrost 4 Sterne vergeben.