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Pressenotiz zu : Die Zeit, 23.03.2000
Katharina Döbler zeigt sich überrascht, denn der Autor von "Anderswelt" und "Wolpertinger" hat ausnahmsweise einen schmalen Band von nur 145 Seiten vorgelegt und das bei einem großen Thema: New York. Woraus man aber nicht schließen sollte, so Döbler, daß der Autor "Bescheidenheit und kleine Brötchen backen gelernt hätte".Und woraus man nicht schließen sollte, daß Döbler den Roman nicht mochte. Gefallen hat ihr nämlich das raffinierte Spiel mit den Erzähler-Identitäten, die "unbekümmerte Direktheit" der Herbstschen Sprache, der kluge Umgang mit Trivialmythen und das Bekenntnis zum Pathos, das sich in einem furiosen Finale in der Tiefe Manhattans die Vision eines aller sozialen Gegensätze enthobenen Augenblicks leiste.
© Perlentaucher Medien GmbH
Katharina Döbler zeigt sich überrascht, denn der Autor von "Anderswelt" und "Wolpertinger" hat ausnahmsweise einen schmalen Band von nur 145 Seiten vorgelegt und das bei einem großen Thema: New York. Woraus man aber nicht schließen sollte, so Döbler, daß der Autor "Bescheidenheit und kleine Brötchen backen gelernt hätte".Und woraus man nicht schließen sollte, daß Döbler den Roman nicht mochte. Gefallen hat ihr nämlich das raffinierte Spiel mit den Erzähler-Identitäten, die "unbekümmerte Direktheit" der Herbstschen Sprache, der kluge Umgang mit Trivialmythen und das Bekenntnis zum Pathos, das sich in einem furiosen Finale in der Tiefe Manhattans die Vision eines aller sozialen Gegensätze enthobenen Augenblicks leiste.
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Kurzbeschreibung
Auch über New York spülen die glättenden Wogen politischer Korrektheit. Wird die Stadt im nächsten Jahrhundert zu einem schön anzusehenden architektonischen Denkmal erstarrt sein, oder wird die Stadt abermals gären, vielleicht gar maßgeblicher Schauplatz der sich virtualisierenden Gegenwart sein? Wird sie Zentrum eines ungewöhnlichen Widerstandes werden?
Der Verlag über das Buch
Alban Nikolai Herbst führt die Leser in seinem Roman, der mehr als die Beschreibung einer berühmten Stadt das sinnliche Spiel mit ihren Möglichkeiten ist, in ein Gewebe aus Fiktionen, Beobachtungen und zurück in die eigenen Träume: Plötzlich steht einer da an Penn Station oder Port Authority Terminal, Greyhound oder Amtrak hat ihn hingebracht, alleine ist er nun, nichts als den Koffer in beiden Händen. Anstatt aber seinen Traumjob zu finden, gerät er unversehens ins Herz der Legende einer vergessenen unter- und überirdischen Metropole, - eines Nirgendwos, das keiner mehr kennt, weil es so sehr abgefilmt worden ist.
Umschlagtext
"Stellen Sie sich einen Reisenden vor, gehen Sie zu irgendeinem Bahnhof, suchen Sie sich jemanden Beliebiges aus und folgen Sie ihm dann. Vielleicht dreht er sich plötzlich um und gibt Ihnen als altem Bekannten die Hand - da gilt unbedingte Vorsicht! Denn dieses ist kein Reiseführer..."
Über den Autor
Alban Nikolai Herbst wurde 1955 in Refrath geboren. Der studierte Philosoph arbeitete von 1987 bis 1992 als Aktien- und Devisenbroker in Frankfurt am Main. Seit 1992 ist er freiberuflicher Schriftsteller und Kritiker. Er lebt in Berlin. Von 1985-1989 gab er die Zeitschrift Dschungelblätter. Zeitschrift für die deutschsprachige Kulturintelligenz heraus. Preise, Auszeichnungen und Stipendien: Niedersächsisches Nachwuchsstipendium für Literatur (1982), Jahreskunstpreis des Frankfurter Vereins für Künstlerhilfe (1984), Johann-Jacob-Christoph von Gimmelshausen-Preis (1995), Villa Massimo-Stipendium (1995).
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
'Mit Rolltreppen rauf. 7th Avenue Penn Plaza Drive. "Bleiben Sie stehen!" Ein junger Schwarzer raste davon, stieß Leute beiseite, paar Polizisten hinterher. Reifen quietschten Sirene näher Hupen Schrei. Der Flüchtling im Zickzack. Stopte, fast dem nächsten Cop in di e Arme gerannt. Es fror ihn im Schrittvorgang fest: erstarrt. Er wich auch nicht aus, als der Cop auf ihn schoß. Doch drehte er sich um, lethargisch, wie auf einer Gelenkscheibe gleitend, seine Hand griff langsam in die Joppe. Schon legte er mit höchstem Ausdruck der Verwunderung einen letzten Blick auf die Dinge. Das ging als eine Streicheln über Straßen Autos Passanten, ging auch über mich. Die Zeit blieb stehen, dann krachte sie aus allen Pistolen. Als explodierte sie, als sie derBlick zu nachdrücklich verdichtet hatte: Mit einundvierzig Bauchschüssen ging Momodou Dembang zu Boden- Und immer noch Sirenen. Hupen immer noch. Paar Schreie. Ein Krankenwagen fuhr die Leiche fort. Angekommen. In Manhattan.'