Fernab aller Zivilisation an der Küste Neufundlands lebt zu Beginn des 20. Jahrhunderts Dora Rare. Sie ist die einzige Tochter unter vielen Brüdern, was als auffälliges Phänomen in der Familie vermerkt wird, denn seit Generationen gab es nur männliche Nachkommen. In dieser rauen Gegend gibt es nicht viel Abwechslung. Das unbeschwerte Leben und Herumtollen ihrer Kindheit mit den Brüdern nimmt für Dora abrupt ein Ende, als der Vater seiner Tochter mit ihrer heranwachsenden Weiblichkeit die Vergnügungen am Meer untersagt. Da trifft es sich gut, dass Dora in der alten Hebamme Miss Babineau eine verständnisvolle Frau findet. Sie weiht sie in die Künste der Heilkunst und der Geburtshilfe ein und überlässt ihr im Gespräch und Umgang so manche Lebensweisheit. Dora zeigt sich geschickt und lernbegierig, vor allem aber liebevoll im Umgang mit den Menschen.Nicht immer aber kann Miss B. auf Vertrauen setzen. Männer zeigen eine harte Hand im Umgang mit ihren Ehefrauen, die unter der Vielzahl der Geburten und der harten Arbeit ein leidvolles Leben führen. Die Männer begegnen Miss B. häufig harsch und unfreundlich, wenn sie Schonung für ihre Patientinnen einfordert.
Mit der einführenden Schilderung über Land und Leute kann man sich schnell ein Bild machen, wie es in dieser abgelegenen Gegend zuging.
Es folgt die Lebensgeschichte der Dora Rare. Sie fügt sich in das Lebensbild der Menschen an diesem abgelegenen Landstrich ein. Armselige Lebensbedingungen ohne jeden Komfort und Männer mit recht heftigen Charakteren prägen das Bild in der kargen Küstenlandschaft.
Ami McKay entwirft ein Frauenbild, in dessen Mittelpunkt Geburt und Tod stehen. Hier fristen Familien in Armut und mit unsäglichen Umgangsformen ihr Leben. Auch Dora bleibt nicht verschont von unschönen Erlebnissen mit einem leichtlebigen und brutalen Ehemann. In dieser Umgebung kämpft jeder und jede einen eigenen Kampf, nur die Frauen finden sich zur gegenseitigen Hilfe und Tröstung zusammen. Es gelingt Dora, sich begrenzt aus den Zwängen und der Tyrannei der Männer zu befreien und ihren Beruf als Hebamme gegen den Widerstand eines geldgierigen Arztes und der werdenden Väter durchzusetzen. Ihre Emanzipation zeigt eine aufkommende Entwicklung, die den Wandel hin zu mehr Gleichberechtigung ankündigt. Mit dem Buch bietet Ami McKay gelungene Unterhaltung mit aufklärender Wirkung.